Montag, 04. Juli 2022

Licht- und Schattenspiel auf dem roten Planeten
Der Mythos um das Marsgesicht

Vor 45 Jahren herrschte Mars-Euphorie. Am 20. Juli 1976 war die Sonde "Viking 1" auf dem roten Planeten gelandet – und fünf Tage später schlug ein Foto der Mars-Region Cydonia viele Menschen in seinen Bann.

Von Dirk Lorenzen | 25.07.2021

Das berühmte "Marsgesicht", aufgenommen von der Raumsonde Viking 1
Das berühmte "Marsgesicht", aufgenommen von der Raumsonde Viking 1 (NASA)
Die Viking-Muttersonde hatte aus der Umlaufbahn die Tafelberge dieser nach der Insel Kreta benannten Region aufgenommen. Ein Berg wurde seitlich von der Sonne beschienen und zeigte ein bemerkenswertes Licht-und-Schattenspiel. Er erschien wie ein menschliches Gesicht: ein dunkles Auge, eine vorgewölbte Nase, ein dunkler Strich als Mund und rund herum scheinbar volle Haarpracht sorgten für Aufsehen.
Ganz Eifrige sahen in dieser rund drei Kilometer großen Struktur das Monument einer untergegangenen Zivilisation. Leicht kegelförmige Berge in derselben Region wurden prompt als Mars-Pyramiden gedeutet. Als 1999 gleich zwei US-Sonden bei der Ankunft am Mars abstürzten, orakelten manche, die NASA habe die Missionen absichtlich scheitern lassen, weil sie Belege für das Marsleben geliefert hätten.
Das "Marsgesicht" ist ein stark erodierter Berg, wie diese Aufnahme der ESA-Sonde Mars Express zeigt 
Das „Marsgesicht“ ist ein stark erodierter Berg, wie diese Aufnahme der ESA-Sonde Mars Express zeigt (ESA / DLR / FU / MOC)
Inzwischen haben viele andere Sonden, darunter Europas Mars Express, dem Gesicht auf dem roten Planeten die Maske heruntergerissen. Der Tafelberg zeigt erhebliche Spuren von Erosion – und die führen bei entsprechendem Sonnenstand zu jenem bemerkenswerten Aussehen. Voll beleuchtet bleibt vom Gesicht nichts mehr übrig.
Dass der Mars über die ganze Aufregung nur müde lächeln kann, zeigt das wahre Marsgesicht. Im Krater Galle zeichnen Berge einen wunderbaren Smiley.