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StartseiteKalenderblattKein Tag in Schweden ohne Bellman11.02.2020

Liederdichter Carl Michael BellmanKein Tag in Schweden ohne Bellman

225 Jahre nach dem Tod des Liederdichters Carl Michael Bellman zählen viele seiner Lieder zum schwedischen Volksgut. Bis heute sehen die Schweden ihn als ihren Nationaldichter und feiern sogar jedes Jahr im Juli einen Bellman-Tag. Auch in Deutschland hat er viele Anhänger.

Von Sabine Fringes

Porträt des schwedischen Dichters Carl Michael Bellmann (1740-1795). | Verwendung weltweit (R3577_bifab_122328)
Carl Michael Bellman: Der schwedische Liederdichter starb 1795 (R3577_bifab_122328)
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"Komm', stimm' Deine Geige!
Hey Spielmann, lass den Wein.
Liebes Schwesterlein, sage bloß nicht nein,
sage ja, dann gehts im Kreise."

Mit seinen deftigen Liedern über das Nachtleben in Stockholm erreichte Carl Michael Bellman Zuhörer aus allen Schichten. Da wird gefeiert, getanzt, geprügelt - und vor allem: getrunken. Guten Wein konnten sich allerdings nur die wenigsten leisten. Die meisten tranken: Akvavit  - eine Art billiger Kartoffelschnaps.

"...du bist recht wichtig,
hältst uns Aug und Ohren wach."

"Ausdrucksstark und zu tausend Nuancen fähig"

Die Zeiten waren schlecht, in die Carl Michael Bellman am 4. Februar 1740 in Stockholm hineingeboren wurde. Zwar erhielt der Sohn eines Sekretärs der Schlosskanzlei eine gute Ausbildung in Musik, Rhetorik und Sprachen, - doch traf die Armut auch die mittleren Schichten. Bellman arbeitete als junger Mann zunächst bei der Reichsbank und beim Zoll, bevor er mit seiner Leier durch die Wirtshäuser der Stadt zog.

Wie die meisten Bänkelsänger seiner Zeit, so griff auch Bellman für seine Lieder Melodien auf, die durch das kosmopolitische Stockholm wehten: Darunter französische Operettenweisen, aber auch Arien von Pergolesi, Mozart und Haydn. Doch so kunstvoll wie Bellman hatte zuvor noch keiner zu diesen Weisen gesungen. Der schwedische Dichter Johan Gabriel Oxenstierna:

"Die Stimme selbst ist nicht sehr kräftig, jedoch ausdrucksstark und zu tausend Nuancen fähig. Reime fallen in Kaskaden. Weder Tillas noch irgendein anderer Unterhalter in dieser Stadt kann da mithalten."

Zu Bellmans berühmtesten Werken gehören die beiden Liedersammlungen "Fredmans Gesänge" und "Fredmans Epistel". Aus dem Munde des versoffenen Hofuhrmachers Fredman porträtieren sie Bürger und Begebenheiten aus dem Stockholm des späten 18. Jahrhunderts. Eines der beliebtesten Lieder daraus ist "Vater Noah". In Schweden ist es heute so bekannt wie die Nationalhymne. Hier gesungen von Martin Bagge.

"Vater Noah, Vater Noah,
war ein Ehrenmann,
der an jedem Festtag,
wenn die Arche festlag,
pflanzt er Wein an,
pflanzt er Wein an,
ja, der Mann ging ran."

Wegen Schulden ins Gefängnis

Bei allem Erfolg blieb Bellman stets hochverschuldet. Er konnte einfach nicht mit Geld umgehen. Das änderte sich auch nicht, als der 35-Jährige die siebzehn Jahre jüngere Louisa heiratete. Die Ehe soll zwar glücklich gewesen sein und Bellman ein treuer Ehemann und liebevoller Vater, doch die Kargheit der häuslichen Verhältnisse, in denen die vierköpfige Familie lebte, war bedrückend. Eine Erinnerung des Bibliothekars von König Gustav III.:

"Einstmals begegnete ihm der König auf der Straße, der, erstaunt über Bellmans tief ausgeschnittenes Négligée, zu ihm sagte: ‚Aber, mein lieber Bellman, Ihr seid ja so mangelhaft bekleidet!‘ – ‚Ich kann Eure Majestät untertänigst versichern‘, antwortete Bellman, sich tief verneigend, ‚dass ich meine ganze Garderobe auf dem Leibe trage.‘"

Bellmans Lage besserte sich ein wenig, als ihm Gustaf III. die Stelle des Sekretärs der Königlichen Nummernlotterie übertrug. Der Sänger war ein großer Verehrer des Königs, der die Folter abschaffte, Religionsfreiheit einführte und sich als Förderer der Schönen Künste sah. Gut 17 Jahre stand Bellman in seinen Diensten, bis die Ermordung des Königs im Jahr 1792 seinem Glück ein Ende setzte. Nun gab es niemanden mehr, der ihn vor seinen Gläubigern schützen konnte. Der Sänger kam zwei Jahre später für einige Wochen ins Schuldgefängnis. Das war zu viel für den ohnehin durch Tuberkulose Geschwächten. Bellman starb mit 54 Jahren am 11. Februar 1795 nur wenige Tage nach seiner Entlassung.

Kurz vor seinem Tod, so berichtete seine Frau Louisa, versammelte er noch einmal seine engsten Freunde um sich und sang für jeden einen Vers. Und seitdem vergeht, wie der schwedische Schriftsteller Lars Gustafsson schreibt, "kein Tag in Schweden, ohne dass irgendjemand irgendwo Bellman singt".

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