Sonntag, 25. September 2022

Lufthansa
"Ein tragischer Einzelfall"

Lufthansa und Germanwings haben entsetzt auf die Erkenntnisse der französischen Ermittler zum Absturz der Germanwings-Maschine reagiert. Über die Motive des Copiloten habe man keine Informationen, sagte Lufthansa-Chef Spohr in Köln. Der 27-Jährige sei 100 Prozent flugtauglich gewesen.

26.03.2015

    Lufthansa-Chef Carsten Spohr
    Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach seinen Piloten das Vertrauen aus. (pa/dpa/EFE/Dalmau)
    Bei der Lufthansa herrscht nach Bekanntgabe des neusten Ermittlungsstands Erschütterung. "Das macht uns fassungslos", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Nicht in unseren schlimmsten Albträumen hatten wir uns das verstellen können." Der Vorstandschef sprach vom "furchtbarsten Ereignis in unserer Unternehmensgeschichte."
    Copilot unterbrach Ausbildung
    Spohr sprach von einem "tragischen Einzelfall". Was den Copiloten zu seiner Tat bewegt habe, sei noch unklar. "Wir müssen davon ausgehen, dass das Flugzeug willentlich gesteuert wurde."
    Spohr betonte: "Wir wählen unser Personal sehr sorgfältig aus, dass ist Teil unserer DNA" Der Copilot habe die Ausbildung 2008 begonnen. In Anschluss habe er als Überbrückung als Flugbegleiter gearbeitet. Seit 2013 sei er dann als Copilot tätig gewesen. Die Ausbildung habe er für mehrere Monate unterbrochen. Zu den Gründen dürfe er keine Angaben machen, sagte Spohr.
    Medizinische Tests habe er bestanden. "Er war 100 Prozent flugtauglich. Ohne jede Auffälligkeit." Was den Copiloten zu seiner Tat bewegt habe, ist laut Spohr noch unklar: "Wir können wenige Stunden nachher über Motive nur spekulieren."
    "Festes Vertrauen in Verfahren"
    Das Unglück könne jedoch nicht das Vertrauen in die Piloten erschüttern. "Trotz dieses fürchterlichen Einzelfalles haben ich und meine Kollegen im Vorstand und bei der Germanwings festes Vertrauen in dieses seit Jahren erprobte Verfahren", sagte Spohr weiter. "Sie sind und bleiben die besten der Welt." Einmal pro Jahr gebe es Untersuchungen. Explizite psychologische Tests gebe es nach der Ausbildung nicht mehr. "Wir werden uns hinsetzen und sehen: Was können wir besser machen bei der Ausbildung?", kündigte Spohr an.
    Zu den Geschehnissen im Cockpit der Germanwings-Maschine sagte der Lufthansa-Chef: "Es gab ein technisches Briefing zum weiteren Flugverlauf. Dann hat der Pilot dem Copiloten das Steuer überlassen." Zum Verlassen des Cockpits durch den Kapitän sagte Spohr: "Der Kollege (Pilot) hat vorbildlich gehandelt, er hat das Cockpit verlassen, als die Reiseflughöhe erreicht war."
    (fwa/mg)