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StartseiteEuropa heute"Eesch lieren Letzebuergesch!" 28.04.2015

Luxemburgisch boomt "Eesch lieren Letzebuergesch!"

Luxemburg hat drei Amtssprachen: Französisch, Deutsch und Luxemburgisch. Das "Lëtzebuergesch" erlebt derzeit einen regelrechten Boom. Allein im vergangen Jahr waren am Spracheninstitut des Landes über 3000 Sprachschüler eingeschrieben. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber den Jahren zuvor.

Von Tonia Koch

Moselbrücke von Perl (Deutschland) nach Schengen (Luxemburg) mit dem Landesschild Luxemburg. (dpa / picture-alliance / Romain Fellens)
Luxemburgisch boomt - immer mehr wollen die Sprache des kleinen Landes lernen (dpa / picture-alliance / Romain Fellens)
Weiterführende Information
(Deutschlandfunk, Europa heute, 15.10.2014)

Luxemburg - Freihafen als Kunst-Tresor
(Deutschlandfunk, Europa heute, 17.09.2014)

"Moien, esch heeschen Alain, esch wunnen zou Arlon on der Belge un esch kommen von Liege aus der Belge un eesch lieren Letzebuergesch"

Alain Lecluse ist Sprachanfänger im Luxemburgischen. Aber vorstellen kann sich der Belgier bereits tadellos. Er wohnt seit einem Jahr in Arlon, ganz nah an der luxemburgischen Grenze und es fällt ihm nicht schwer, sich sprachlich zurechtzufinden, denn er spricht außer seiner Muttersprache Französisch auch Flämisch.

"Flämisch hilft, um Luxemburgisch zu lernen, denn es ist so etwas wie eine Mischung aus Deutsch, Französisch und Holländisch."

Alain hat seinen rein deutschsprachigen Kollegen allerdings etwas voraus, er spricht besser als diese, sagt Kursleiter Claude Schiltz. Deutsche Muttersprachler werden oft in eigene Klassen gesteckt, weil sie Luxemburgisch sehr schnell und sehr gut verstehen, erzählt er. Sich in Luxemburgisch zu artikulieren, sei jedoch für deutschsprachige Schüler ein ernsthaftes Problem, so Schiltz:

"Weil sie die Tendenz haben, manchmal Deutsch zu reden, und denken, dass es luxemburgisch ist."

Dass es nicht einfach ist, vor allem den mündlichen Anforderungen des begehrten Sprachzertifikats zu genügen, zeigten die Testergebnisse, erläutert Institutsleiterin Karin Pundel.

"Wir haben eine Reihe von Analysen gemacht und da ist herausgekommen, dass eine sehr große Zahl von Leuten den Test zwei, drei, vier, bis zu 12 Mal probiert, um ihn dann doch nicht zu schaffen. Das heißt, es gibt Menschen, die diese Sprache einfach nicht beherrschen und die denken, dann komm ich mal dahin und probiere es, das funktioniert nicht."

Luxemburg hat drei Amtssprachen: Deutsch, Französisch und Luxemburgisch

Seit 2009 ist das "Zertifikat Luxemburger Sprache und Kultur" die Voraussetzung dafür, die luxemburgische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Das spült die Ausländer, die inzwischen fast die Hälfte der luxemburgischen Bevölkerung stellen, in die Kurse.

"Ich glaube, dass durch diesen Sprachentest, durch das Nationalitätengesetz, die luxemburgische Sprache wirklich sehr gefördert wurde und es besteht ein Risiko, wenn das nicht über diesen Weg gemacht wird, dass der Anteil der Menschen, die Luxemburgisch reden, riskiert, immer geringer zu werden."

Doch verschiedene politische Projekte, die augenblicklich in Luxemburg diskutiert werden, werden nicht ohne Folgen bleiben auf die Landessprache Luxemburgisch. Wie etwa ein Wahlrecht für Ausländer oder auch eine Absenkung der luxemburgischen Sprachhürden, die es Ausländern erleichtern soll, sich für die luxemburgische Staatsbürgerschaft zu entscheiden. Längst ist die Diskussion im Gange, ob es nicht ausreicht, eine Amtssprache zu beherrschen, dazu zählen auch Deutsch oder Französisch. Bislang ist die Erlangung der Staatsbürgerschaft nach wie vor ein wesentlicher Ansporn, warum sich in Luxemburg lebende Ausländer durch die Luxemburgisch-Sprachkurse quälen. Die einzige Motivation ist es jedoch nicht:

"Ich finde es wichtig, wenn man sich integrieren möchte, die Landessprache zu können. Klar können wir auch Französisch reden, aber auf der Arbeit ist es einfach nützlich."

"Ich arbeite in der geriatrischen Abteilung einer Klinik, die älteren Herrschaften können nur Deutsch oder Luxemburgisch."

"Ich will im Handel ein Praktikum machen, das wird kompliziert, wenn ich kein Luxemburgisch kann."

"Ich bin Physiotherapeut, der Respekt gegenüber den Patienten gebietet das, auch wenn diese gut Französisch können."

Verkehrssprache in Luxemburg ist Französisch

Der Gesundheitssektor, in dem der Anteil ausländischer Beschäftigter mit am höchsten ist, kommt ohne Luxemburgisch nicht aus, zumindest noch nicht. Auch zahlreiche Handwerksbetriebe schulen ihre Mitarbeiter, damit sie sich rudimentär mit den Kunden verständigen können, falls es gewünscht wird.

Claude Schiltz vermittelt dieses Basis-Wissen: Uhrzeiten, Alltagsszenen. In seinem Kurs sitzen Franzosen, Belgier, Kapverdier, Iraner, Italiener, Portugiesen, Leute aus aller Herren Länder, die eines eint: Sie sprechen untereinander Französisch. Die Verkehrssprache in Luxemburg ist, abgesehen vom Finanzsektor, wo überwiegend Englisch gesprochen wird, inzwischen Französisch. Auf den Fluren privater Firmen, beim Bäcker, in der Gastronomie. Am "Institut des Langues" wird daher auch Französisch stärker nachgefragt als Luxemburgisch. Die Einwanderung aus dem romanischen Sprachraum hat die sprachlichen Koordinaten verschoben.

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