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"Männer in Garagen"Festival für ungestüme Leidenschaft

"Männer in Garagen" heißt ein Festival, dass Einblicke gewährt in eines der letzten Refugien heterosexueller Männer-Tüftlerseligkeit und die Garage als ideale Kleinst-Bühne entdeckt. Klischeehafte Pin-ups dürfen dabei natürlich nicht fehlen.

Von Gerd Brendel | 26.09.2014

Mit spitzen Nieten ist ein Frauenschuh verziert, der am 22.09.2014 in Berlin im Gründergaragenhof Himmelsbach bei den Proben des Lwowski-Kronfoth- Musiktheaterkollektivs vor einem Auto zu sehen ist. Bei dem Performance-Festival "Männer in Garagen" bespielen vom 24. bis zum 28.September zwölf Künstlergruppen fünf Tage lang eine Garagenzeile in Berlin-Pankow.
Das Lwowski-Kronfoth-Musiktheaterkollektiv bespielt eine Garage - hier ein Bild von der Probe. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)
In ihren Garagen, den letzten Refugien echter Männlichkeit, Fluchtorte vor Kolleginnenstress im Büro und Ehefrauen im Einfamilienhaus. Heim der Tüftler und Autoschrauber, legendäre Keimzellen von Weltkonzernen oder später berühmter Garagenbands.
"Weil hier der Raum da ist, um ein bisschen Kind zu sein, dass zu machen, was man immer machen wollte."
Zum Beispiel auf dem Gründergaragenhof Himmelsbach in Berlin-Pankow. Seit gestern haben die langjährigen Garagenbewohner neue Nachbarn: Professionelle Theaterschrauber haben ein Dutzend Schuppen bezogen und schlagen eine Brücke von den Sehnsüchten der Garagenmänner zu Theaterträumen.
Der australische Künstler Grayson Millwood zum Beispiel hat seine Garage dem eigenen Vater gewidmet.
"Mich hat das interessiert, weil mein Vater wirklich gerne in seine Garage gegangen ist. Und keiner von uns wusste was er da die ganze Zeit eigentlich treibt. Baut er da Sachen zusammen, oder trinkt er einfach nur ein Bier und erholt sich?"
Wer das Tor zu Millwoods Garage aufschließt, steht in einem kleinen Wald. Eine winzige Hütte lädt zum Verweilen ein. Und wer will kann sich eine Anleitung zum Weinen über Kassettenrekorder anhören.
Große Gefühle in der Garage
Um Gefühle, ganz große Gefühle geht es auch in der Garage nebenan. Hier spielt das Performance-Duo Markus und Markus Wagners gesamten Ring mit Plastikfiguren in einer Papp-Maché-Landschaft nach und ein paar Tore weiter leidet ein singendes Auto in höchsten Tönen an der Liebe zu seinem Kfz-Mechaniker.
"Im Alltag im großen gibt's vielleicht nicht den Mut, sich diesen großen Themen zu widmen aber im kleinen eher privaten Raum der Garage passiert das dann doch."
sagt Franziska Werner, Chefin der Off-Theater-Bühne Sophiensäle, die das "Männer in Garagen Festival" in Pankow organisieren. Eine fünf Quadratmeter Miniaturwelt ist übersichtlicher als die große Welt da draußen, Kein Wunder, dass geniale Tüftler wie Steve Jobs in Autoschuppen ihre Karrieren begannen. Die Garagen-Werkzeug-Wand als Modell für die Welt. Hier hat alles seinen Platz, auch die ungestüme Leidenschaft:
"In jeder Werkstatt, in jede Garage, in die ich reingucke, hängen mindestens zwei Pin-up Kalender."
Pin-up-Girls finden sich auch im Festivalprogramm: In der Car Wash Performance des Theaterkollektivs "Henrike Iglesias" werden die Calendar Girls lebendig und bearbeiten unter Einsatz aller Körperteile ein Auto. Nur die hochgekurbelten Fensterscheiben beschützen die Zuschauer auf dem Rücksitz vor ihrer Zudringlichkeit.
Garagen müssen Neubauten weichen
Die Männer-Garagen-Welt jenseits der Inszenierungen erinnert an ein Museum. Wie lange wird es sie noch geben? Immer mehr Garagenhöfe müssen Neubauten weichen. Und auch die ehernen Deko-Regeln wanken mittlerweile: Von wegen nur weibliche Pin-ups:
"Es gab Beschwerden von Männern, dass keine Männer hängen. Gut, ich hab Männer und Frauen, da muss für jeden Kunden was dabei sein."
Also hat Jörg Kaufmann auch einen Männer-Pin-up-Kalender in seiner ganz realen Werkstatt aufgehängt. Das fanden die Theatermänner und Frauen so toll, dass sie vielleicht demnächst auch privat dort vorbei schauen.
"Und vielleicht bringts ein paar Kunden."