Interview der Woche
Ukrainischer Maidan-Aktivist Nayyem: "Wir trauen diesem Friedensprozess nicht"

Der frühere Leiter der staatlichen Agentur für Wiederaufbau in der Ukraine, Nayyem, hat die bisherigen Friedensverhandlungen für die Ukraine kritisiert.

    Mustafa Nayyem blickt mit ernstem Blick nach vorne. Er trägt ein weisses Hemd mit einer grauen Krawatte und dazu ein schwarzes Jackett.
    Mustafa Nayyem (picture alliance / empics / Jordan Pettitt)
    Nayyem, der einer der Mitbegründer der Maidan-Protestbewegung ist,sagte im Interview der Woche des Deutschlandfunks, die Verhandlungen seien eher ein Geschäftsdeal. Es gehe vor allem um die Aufhebung von Sanktionen und um Russlands erneute Integration in die Weltwirtschaft. Das könne die Ukraine nicht akzeptieren. Nayyem betonte, er kenne kein einziges Friedensabkommen in der Geschichte, das einem Aggressor wirtschaftliche Vorteile einräume. Man traue diesem Friedensprozess daher nicht.

    Europäer sollten souveräner auftreten

    Zudem rief Nayyem die europäischen Partnerländer auf, bei der Verwendung der eingefrorenen russischen Vermögen ihre Souveränität und Unabhängigkeit gegenüber den USA zu beweisen. Nur zwei Prozent der russischen Gelder würden sich in den USA befinden, daher sollten die USA nicht diktieren, was mit dem Geld passiere und es sollte auch nicht als Verhandlungsmasse gegenüber Russland eingesetzt werden.

    Bessere Vernetzung von Rüstung, Industrie und Politik nötig

    Der heute in einem Rüstungsunternehmen tätige Aktivist mahnte zudem, in der Ukraine dürften Rüstungsproduktion, Industrie, Regierung und das Militär nicht mehr länger getrennte Instanzen sein, sondern müssten als ein Team funktionieren. In dieser Hinsicht sei Russland seinem Land überlegen, weil dort Industrie, Regierung und Militär zusammenarbeiten würden.
    Auch deshalb sei Russland in der Lage, unter anderem seine Drohnenproduktion in kurzer Zeit massiv zu erhöhen. Dass in den europäischen Ländern Rüstungsunternehmen immer noch miteinander konkurrierten, könne sich im Kriegszustand katastrophal auswirken, warnte er.
    Diese Nachricht wurde am 10.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.