
Was ist der Tomahawk?
Der Tomahawk ist ein Marschflugkörper, also eine Lenkwaffe, die von den US-Streitkräften bereits vor 43 Jahren in den Dienst gestellt wurde. Das Waffensystem kam erstmals bei der "Operation Desert Storm" 1991 im Irak zum Einsatz und zuletzt auch im Iran-Krieg.
Tomahawk-Marschflugkörper können für Präzisionsangriffe aus großer Entfernung genutzt werden. Die 1,5 Tonnen schweren Flugkörper können Sprengköpfe mit einem Gewicht von 450 Kilogramm transportieren und stark befestigte Ziele wie Flugabwehrsysteme, Kommandozentralen und Militärflugplätze angreifen. Tomahawks können dabei von Schiffen, U-Booten und vom Boden aus abgefeuert werden und treffen ihre Ziele in der Regel mit einer Genauigkeit von wenigen Metern.
Die Ausführung BGM-109 kann mit einer Geschwindigkeit von 880 Stundenkilometern Ziele in 1.600 Kilometern Entfernung erreichen und dabei lediglich in einer Höhe von einigen Dutzend Metern fliegen, sodass sie nur schwer geortet und bekämpft werden kann. Eine Ausführung des Tomahawk, die mit einem Atomsprengkopf bestückt werden konnte, wurde 2013 außer Dienst gestellt.
Warum sollen Tomahawks in Deutschland stationiert werden?
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren wird die Aufstellung von Mittelstreckenwaffen in Deutschland wieder von vielen Experten als nötig erachtet. Für die Bundeswehr steht nach vielen Jahren ohne direkte Bedrohung erneut die Landes- und Bündnisverteidigung an erster Stelle. Aber dafür fehlen der Bundeswehr Waffensysteme wie weitreichende Marschflugkörper, die vom Boden aus abgefeuert werden können. Die deutschen Taurus-Marschflugkörper können nur von Flugzeugen aus der Luft gestartet werden.
Zu Zeiten des Kalten Krieges hatten die Vereinigten Staaten Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationiert. Nach dem Ende des Kalten Kriegs bauten die USA und die Sowjetunion sowie ihre Nachfolgestaaten die Raketenarsenale in Europa deutlich ab.
Im Jahr 2024 kündigten die USA unter Präsident Biden an, ab diesem Jahr wieder weitreichende Waffen in Deutschland zu stationieren. Bundesverteidigungsminister Pistorius sprach von einer "Fähigkeitslücke" in Europa. Die Regierung von US-Präsident Trump hatte dann Anfang Mai eine Verringerung der Truppenpräsenz in Europa angekündigt. Dabei stoppte Washington auch die geplante Stationierung eines Fernfeuerbataillons mit den Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland.
Was passierte nach dem Stopp des Projekts?
Deutschland trat in Verhandlungen mit den USA ein, um die Marschflugkörper zu kaufen. Auf dem NATO-Gipfel in Ankara wurde von den Verteidigungsministern eine Absichtserklärung unterzeichnet, die zuvor auf Spitzenebene zwischen Merz und Trump vereinbart worden war. Darin sagen die USA zu, im August die offizielle Genehmigung für den Verkauf der Marschflugkörper und die Abschussrampen Typhon zu erteilen. Die Zahl wird geheim gehalten, der Preis auch. Die Entsendung von US-Personal zur Bedienung ist nicht geplant.
Was bedeutet der Deal politisch?
Er passt ins neue Konzept der NATO, nach dem die Europäer mehr Eigenverantwortung für ihre Sicherheit übernehmen und sich nicht mehr auf die Truppen und kostenlosen Waffen der Amerikaner verlassen.
Mittelfristig wollen mehrere NATO-Verbündete ein eigenes Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe auf sogenannte Hochwertziele eines Gegners beschaffen. Das Projekt wurde 2024 auf dem NATO-Gipfel in Washington angestoßen: Es soll ein eigener Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern entwickelt werden.
(Mit Material der Deutschen Presse-Agentur und der AFP)
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Diese Nachricht wurde am 09.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
