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Startseite@mediasresViel Idealismus, wenig Freiheit06.01.2020

Medien in MosambikViel Idealismus, wenig Freiheit

Mosambik ist reich an Ressourcen und doch eines der ärmsten Länder der Welt. Journalisten wie Oswaldu Madede würden gerne kritischer über die Missstände berichten - aber die Regierung zahlt ihre Gehälter.

Von Vanja Budde

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Der inzwischen verstorbene Präsidentschaftskandidat und Oppositionsführer Afonso Dhlakama spricht am 15. Oktober in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, vor Journalisten. (picture alliance / dpa)
Journalisten in Mosambik umringen den inzwischen verstorbenen Oppositionsführer Afonso Dhlakama (picture alliance / dpa)
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Interview in glühender Mittagshitze: In der Dorfschule von Mungaze interviewen zwei mosambikanische Reporter einen Deutschen in kurzen Hosen und khakifarbenem T-Shirt: Thomas Volpers ist eigentlich Biologe, normalerweise viele tausend Kilometer weiter nördlich Naturführer im Nationalpark Unteres Odertal in Brandenburg.

Mühselige Anreise zum Pressetermin

Seit einigen Jahren organisiert Volpers aber Trips nach Mosambik. Die Reisenden helfen dabei mit, die Dorfschulen rund um den Nationalpark Banhine im Westen Mosambiks mit Solaranlagen auszustatten. Licht in der Schule sei wichtig, erklärt Volpers den Journalisten, denn die Eltern der Schüler hätten nur abends Zeit, Lesen und Schreiben zu lernen.

Oswaldu Madede von Televisao de Mosambique und sein Kollege Alfredu José Mujanga von Radio Mosambique sind aus der Küstenstadt Xai-Xai viele Stunden über schlechte Pisten angereist, um über das Projekt zu berichten.

Berichten über die Folgen des Klimawandels

Trotzdem ist Oswaldu Madede wie aus dem Ei gepellt: Kein Stäubchen findet sich auf seinem gebügelten T-Shirt oder der blauen Jeans.

"Ich persönlich beschäftige mich gerne mit den Folgen des Klimawandels für die Bevölkerung hier draußen in den Dörfern auf dem Land. Soziale Themen liegen mir. Aber eigentlich greift der Sender alle Themen auf."

Zurückhaltung bei kritischen Themen

TVM ist ein Regierungssender, erklärt Madede und schiebt sich seine verspiegelte Sonnenbrille auf der Nase zurecht.

"Wir müssen schon überlegen, was wir sagen. Von uns wird erwartet, die Regierung nicht allzu sehr zu kritisieren. Die zahlt schließlich unsere Gehälter. Ich wäre gerne kritischer, und bin es auch, soweit möglich. Leider kann ich aber nicht so weit gehen, wie ich es als Journalist gerne möchte."

Jobs bei unabhängigen Medien begehrt

Um offen über Missstände in seinem bitterarmen Land wie zum Beispiel die Korruption oder die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit zu berichten, müsste er zu einem der wenigen unabhängigen Sender wechseln, erklärt der 30-jährige Madede. Doch da sei es sehr schwer reinzukommen.

Oswaldu Madede ist verheiratet und zweifacher Vater. Als Journalist in Mosambik verdiene man ungefähr 500 Euro im Monat, sagt er.

Tourismus als Chance

Auch sein Kollege Alfredu José Mujanga arbeitet für einen Regierungssender: Bei Radio Mosambique berichte er viel über Gesundheitsthemen wie zum Beispiel die hohe HIV-Infektionsrate, erzählt Mujanga. Aids ist hier neben Malaria eine der häufigsten Todesursachen.

"Klar ist Mosambik ein sehr schönes Land und wir haben auch viele Ressourcen, Erdgas und Bodenschätze. Ich wünsche mir nur, dass diese Ressourcen der Bevölkerung zu Gute kämen und wir die Abhängigkeit vom Ausland verringern könnten. Wir müssten zum Beispiel dringend Kapital investieren, um den Tourismus anzukurbeln. Wir haben ja tausende Kilometer schöner Strände, damit alle Mosambikaner davon profitieren können."

Kaum Möglichkeiten zur Weiterbildung

Er selbst habe die zwölfte Klasse abgeschlossen, aber nicht studieren können, weil das zu teuer war, bedauert Alfredu José Mujanga. Eigentlich ist er mit 18 Jahren Berufserfahrung ein alter Hase, aber:

"Ich würde gerne einen Kurs in Journalismus machen, aber hier in der Provinz Gaza haben wir keine Uni oder ähnliches. Dafür müsste ich nach Maputo, aber das geht nicht, denn ich bin verheiratet und habe eine Frau, die mir alles bedeutet, und drei Töchter, die schönsten Mädchen in ganz Mosambik, die kann ich ja nicht in Xai-Xai zurück lassen. Wir brauchen hier in Gaza Fortbildungsmöglichkeiten, weiterführende Schulen. Damit wir uns weiterentwickeln können."

Er würde gerne einen Journalismus machen, der die Menschen in den Dörfern offen zu Wort kommen lässt, sagt Mujanga, während er den deutschen Helfern nachsieht, die im Jeep zur nächsten Schule aufbrechen. Dann müsse sich niemand scheuen, zu sagen, was er oder sie wirklich denkt.

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