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Startseite@mediasresAuflage machen für die SPD30.01.2019

Medienholding ddvgAuflage machen für die SPD

Die SPD ist nicht nur eine politische Partei, sondern auch als Zeitungsverlegerin aktiv. Über die "Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft" (ddvg) ist sie vor allem an zahlreichen Regionalzeitungen beteiligt. Um parteiische Berichte geht es der SPD dabei aber längst nicht mehr.

Von Christoph Sterz

Ein Dutzend Mitarbeiter des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) sitzen im provisorischen Madsack-Newsroom an Schreibtischen vor ihren Bildschirmen. (dpa / picture alliance / Ole Spata)
Die Gewinne mehrerer deutscher Regionalverlage landen zum Teil auf dem Konto der SPD (dpa / picture alliance / Ole Spata)
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Neben der Zeitschrift "Öko-Test", die aktuell wegen gefälschter Auftagenzahlen in der Kritik steht, konzentriert sich die "Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft" vor allem auf regionale Tageszeitungen. Zum Beispiel gehört die "Neue Westfälische" mit Sitz in Bielefeld komplett zur ddvg. Zu etwa einem Drittel ist die SPD-Medienholding außerdem an den "Cuxhavener Nachrichten", der "Niederelbe-Zeitung", der "Frankenpost" und der "Sächsischen Zeitung" beteiligt.

Besonders wichtig ist auch die Beteiligung am Medienkonzern Madsack, zu dem zahlreiche Lokalzeitungen wie die "Hannoversche Allgemeine", die "Leipziger Volkszeitung" oder die "Kieler Nachrichten" gehören.

Achtgrößter Zeitungsverleger in Deutschland

Nach Berechnungen des Zeitungsforschers Horst Röper machen die Beteiligungen der ddvg eine verkaufte Gesamtauflage von 480.000 Tageszeitungen aus. Demzufolge ist die ddvg der achtgrößte Zeitungsverleger in Deutschland. Nach Ansicht von Röper geht es der SPD dabei inzwischen nicht mehr um politische Einflussnahme: "Früher gab es mal Vorbehalte bei der Besetzung von Chefredaktionen. Das ist aber alles vorbei. Heute geht es nur ums Geld", sagte Röper im Gespräch mit @mediasres.

Die Partei sei dringend auf die Erlöse aus den Verlagsbeteiligungen angewiesen. Die ddvg hat im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 5,5 Millionen Euro an die SPD ausgeschüttet. Auf der Homepage der ddvg ist die Rede von "professionellem Beteiligungsmanagement für ihre Eigentümerin". Es gehe aber auch um den "Erhalt einer lebendigen mittelständischen Presselandschaft".

Keine SPD-freundlichen Berichte

Auch wenn die ddvg betont, sich nicht in die Inhalte der Zeitungen einzumischen, gibt es immer wieder Kritik am Mediengeschäft der SPD. Allein wegen des Verdachts auf mögliche politische Einflussnahme mache sich die Partei angreifbar, meint Zeitungsforscher Röper: "Dabei lässt die SPD die Häuser, was die politische Linie anbelangt, ziemlich in Ruhe", so Röper. Etwa bei den Madsack-Zeitungen lasse sich keine SPD-freundliche Berichterstattung attestieren.

Dennoch sorge der Zeitungsbesitz gelegentlich für Scherereien. "Immer wenn es in den Verlagen zu Entlassungen kommt, ist das schlecht für das Image der Partei", meint Röper. So sei bei Demonstrationen in Hannover der Slogan "SPD vernichtet unsere Arbeitsplätze" aufgetaucht.

Dass die SPD an mehreren Tageszeitungen beteiligt ist, ist historisch bedingt. Die SPD-Blätter wurden im Kaiserreich als Gegenpol zu den bestehenden Zeitungen gegründet. In der NS-Zeit wurden die Unternehmen beschlagnahmt, nach dem Krieg aber baute die SPD einen Teil ihrer alten Verlage und Druckereien wieder auf. Neben der SPD ist auch die Partei "Die Linke" an einer Tageszeitung beteiligt. Über ihre Vermögensgesellschaft FEVAC besitzt sie 50 Prozent des Verlags "Neues Deutschland".

Investitionen ins Digitale

Laut der Geschäftsführung der SPD-Medienholding ist das Unternehmen aktuell auf der Suche nach einem Geschäftsmodell für das digitale Zeitalter. "Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, was funktionieren wird", sagte Geschäftsführer Jens Berendsen Mitte Januar der Nachrichtenagentur dpa.

Bei den Zeitungen, an der die ddvg beteiligt ist, liefen verschiedene Versuche, die bröckelnde Erlösbasis im klassischen Verlagsgeschäft durch digitale Angebote zu ergänzen. Dazu passt, dass das Unternehmen inzwischen beispielsweise zu 100 Prozent an der Nachhaltigkeits-Plattform "utopia.de" und am Online-Shop "Avocadostore" beteiligt ist.

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