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Startseite@mediasres"Der Begriff 'Fake News' ist wertlos geworden"25.06.2018

Medienkritik in der Krise"Der Begriff 'Fake News' ist wertlos geworden"

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen wünscht sich mehr Medienkompetenz in der Politik. Wenn Horst Seehofer von "immer mehr Fake News" spreche, bediene der CSU-Chef "auf Demontage zielende Kritik", sagte Pörksen im Dlf. Dabei gehe es um "pauschale Abwertung von Journalisten".

Bernhard Pörksen im Gespräch mit Brigitte Baetz

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen  (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
Bernhard Pörksen hat früher selbst als Journalist gearbeitet, inzwischen hat er Medien als Wissenschaftler im Blick. (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
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"Die Debatte um Fake News ist ruiniert", findet Bernhard Pörksen. Als analytische Kategorie sei der Begriff "längst wertlos" geworden. Mit seinem Fazit zielt der Tübinger Medienwissenschaftler auf Horst Seehofer.

Ob sein Verhältnis zu Angela Merkel "zerrüttet ist", wurde der Bundesinnenminister jüngst in einem Interview der "Passauer Neue Presse" gefragt. Seine Antwort: Es gebe "immer mehr Falschmeldungen". Medien befänden sich in einer Krise, die "meisten Fake News" würden nicht in Russland, sondern "in Deutschland produziert".

"Längst ein Instrument von Populisten"

Für Pörksen ein offensichtlicher Versuch, "aus wahltaktischen Gründen ein medienkritisches oder medienverdrossenes Milieu für sich zu gewinnen". Bei dieser Form von Medienkritik gehe es um eine "pauschale Abwertung von Journalisten" - und sie sei "längst ein Instrument von Populisten geworden", so die Einschätzung von Pörksen im : Seehofer folge einem Verständnis von "Nachrichten, die mir missfallen und schon deshalb falsch sein müssen, weil sie mir missfallen", wie es zuletzt von den Regierungen in Österreich und den USA vertreten worden sei.

In solchen Attacken auf Journalisten zeigten sich "immer neue Bündnisversuche", beobachtet der Medienwissenschaftler: Auf der einen Seite das politische Führungspersonal, auf der anderen eine Gegenöffentlichkeit, "die sich extrem medienkritisch zeigt und eine auf Demontage zielende Medienkritik artikuliert". Der Vorwurf der "Fake News sei zum Element einer "politisch hoch aggressiven und sehr aufgeregten Auseinandersetzung geworden".

"Neu um Maßstäbe der Medienkritik ringen"

In seinem neuen Buch "Die große Gereiztheit" setzt sich Pörksen mit diesem Element einer von ihm so genannten "Empörungsdemokratie" auseinander. Sein Appell: "Wir müssen um die Maßstäbe der Medienkritik neu ringen." Denn Medienkritik an sich sei etwas Gutes: Wenn es darum gehe, Grenzüberschreitungen anzugreifen und so Journalismus besser machen zu wollen.

Darüber hinaus seien Medien gefragt, "möglichst genau hinzuschauen" und "ihre eigene Herangehensweise transparent zu machen". Pörksen verweist dabei auf die Formulierung des US-Medienwissenschaftlers Jay Rosen Rosen: "Transparenz ist die eigentliche Objektivität".

Lesen Sie hier das lange @mediasres-Gespräch mit Jay Rosen.

Politiker müssten erkennen, "dass in der gegenwärtig laufenden Medienrevolution der Raum weit geöffnet wird und auf einmal jeder eine Stimme hat". Mehr Medienkompetenz sei erforderlich, meint Pörksen.

"Das gilt für Politiker - und für uns, die wir mit unseren Smartphone kleine Sendestationen mit uns herumtragen."

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