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Startseite@mediasresJugendliche in Simbabwe erheben ihre Stimme03.04.2019

Medienprojekt "Citizen Child"Jugendliche in Simbabwe erheben ihre Stimme

Fast zwei Jahre nach dem Sturz von Robert Mugabe hat sich in Simbabwe bei der Meinungs- und Pressefreiheit nicht viel verändert. Medien werden zensiert, Journalisten verhaftet und strenge Gesetze verhindern Berichterstattung. Ein Projekt für Jugendlichen berichtet gegen diese Zustände an.

Von Leonie March

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Demonstranten halten in Simbabwe im März 2016 Schilder in die Luft, die eine Aufklärung der Entführung des Journalisten und Aktivisten Itai Dzamara fordern, der 2015 verschleppt wurde und seitdem verschwunden ist. (Aaron Ufumeli / dpa)
Entführungen wie die des Journalisten und Aktivisten Itai Dzamara im Jahr 2015 sind nach wie vor keine Seltenheit in Simbabwe. (Aaron Ufumeli / dpa)
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Redaktionssitzung nach einem langen Schultag. Fünf Jugendliche sitzen im Kreis und beraten, worüber sie demnächst berichten sollen. Relevant sei alles, was Kinder und Jugendliche hier in Chitungwiza, am Rande der Hauptstadt Harare, betreffe, sagt der 18-Jährige Edson Murombe. 

"Wir wählen Geschichten aus, die stark genug sind, um sich auf das Leben von Jugendlichen hier in der Gegend auszuwirken."

"In den Medien hatten Kinder lange keine Stimme"

Diese Wirkung kann darin bestehen, Jugendliche über ihre Rechte aufzuklären, Aufmerksamkeit für ein Problem zu schaffen und damit im besten Falle zur Lösung beizutragen. Die Artikel werden im Rahmen des Medienprojekts "Citizen Child" veröffentlicht. Online, über soziale Netzwerke und sogar auf einer Seite der Sonntagszeitung. Dank der guten Kontakte des Fernsehjournalisten Timothy Makwarimba, dem Gründer dieser gemeinnützigen, spendenbasierten Initiative. 

"Etwa die Hälfte der Bevölkerung in Simbabwe sind Kinder und Jugendliche, aber in den Medien hatten sie lange keine Stimme. Es wurde zwar über sie berichtet, aber sie selbst kamen kaum zu Wort. Das wollte ich ändern. Ich habe das Projekt 'Citizen Child' genannt - frei übersetzt also: Kind-Bürger - weil wir diese jungen Simbabwer als gleichwertige Bürger wahrnehmen sollten. Sie selbst lernen, wie sie sich aktiv einbringen können, um die Situation in ihren Vierteln zu verbessern."

Diese Verbesserung ist dringend nötig: Die Jugendlichen, denen Makwarimba in Workshops das Einmaleins des Bürger-Journalismus beibringt, stammen meist aus ärmlichen Verhältnissen. Die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen der jahrelangen Misswirtschaft unter Mugabe prägen ihren Alltag. Mädchen hätten es besonders schwer, erzählt die 17-Jährige Tsitsi Zana. 

Jungendliche berichten über brenzlige Themen

"In meinem letzten Artikel ging es um Gewalt und Ausbeutung. Ich habe auch schon über Kinderehen geschrieben. Ein Mädchen hat mir ihr Schicksal erzählt. Auf diese Geschichte habe ich viele Reaktionen bekommen und sie hat auch etwas bewirkt: Wir haben uns an einer Petition beteiligt, die letztlich zu einem Verbot von Kinderehen geführt hat. Es fühlt sich großartig an, dass ich dazu beitragen konnte."

Auch vor politisch brisanten Themen schrecken die jungen Reporter nicht zurück. Etwa als die Regierung jugendliche Schläger angeheuert hat, um Oppositionsanhänger einzuschüchtern oder als die Armee bei den letzten Protesten auch auf Schüler geschossen hat. Eigentlich dünnes Eis in einem Land wie Simbabwe, in dem die Pressefreiheit deutlich eingeschränkt ist, meint Timothy Makwarimba. 

"Als Erwachsener denkt man immer auch an die Konsequenzen, aber Kinder schreiben ungefiltert was sie denken. Das seien ja nur Kinder, sagen die Leute dann, wenn es brenzlig wird. Und Kinder muss man aus ihrer Sicht nicht ernst nehmen. Daher müssen unsere jungen Reporter generell kaum Repressalien fürchten. Manchmal müssen wir sie jedoch vor sich selbst in Schutz nehmen und ihnen raten, vorsichtiger zu formulieren. Das ist zwar schade, aber leider eine Realität."

Projekt soll kritisches Denken und Demokratie fördern

Die Realität in ihrem Land - von Pressezensur bis zu Verstößen gegen Kinderrechte - nehme sie heute viel klarer wahr als früher, betont die 17-Jährige Tsitsi, als sie sich am späten Nachmittag auf den Nachhauseweg macht.

"Heute laufe ich sehr wachsam durch unser Viertel. Ich nehme alles wahr, was um mich herum geschieht. Viele Probleme habe ich früher gar nicht erkannt oder einfach so hingenommen. Aber heute denke ich darüber nach, was ich darüber schreiben und wie ich etwas verändern könnte. Ich denke also viel kritischer als früher."

Genau das ist eines der Ziele von "Citizen Child" - die Förderung einer jungen Generation, die keine Angst hat, Position zu beziehen und so zur demokratischen Entwicklung in Simbabwe beiträgt.

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