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StartseiteWirtschaft und GesellschaftErster Tarifvertrag für Ryanair-Piloten11.09.2019

Mehr Geld und deutsches Steuerrecht Erster Tarifvertrag für Ryanair-Piloten

Nach mehreren Streiks und langwierigen Verhandlungen erhalten die in Deutschland stationierten Piloten des Billigfliegers Ryanair erstmals einen Gehaltstarifvertrag. Vorgesehen sind höhere Gehälter. Weil die Piloten bald in Deutschland Steuern zahlen, steigen die Netto-Einkommen zusätzlich.

Von Brigitte Scholtes

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Flugzeuge der Ryanair auf dem Flughafen Brüssel-Charleroi, aufgenommen am 10.8.2018: Die Piloten der irischen Billigfluggesellschaft streiken in mehreren Ländern Europas. (picture alliance / dpa / Virginie Lefour / BELGA)
Ryanair ist umstritten für seine Lohn- und Standortpolitik. (picture alliance / dpa / Virginie Lefour / BELGA)
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Im Dezember des vergangenen Jahres hatten sich die Pilotenvereinigung Cockpit und die irische Fluggesellschaft Ryanair schon grundsätzlich auf die Vergütung der in Deutschland ansässigen Piloten geeinigt. Nun haben sie einen solchen Tarifvertrag abgeschlossen, wie hoch die aber ausfällt, darüber hüllt sich Cockpit-Sprecher Janis Schmitt in Schweigen:

"Prozentuale Steigerungen - da möchten wir uns, weil die halt zu Verwirrung führen würden, erstmal bedeckt halten. Es geht halt auch nicht um die prozentuale Steigerung der Gehälter bei der Ryanair-Belegschaft, sondern es geht einfach um eine Strukturänderung. Bei der Ryanair gab es vorher relativ hohe variable Gehaltsbestandteile, und das haben wir jetzt geändert in kalkulierbare fixe Gehaltsbestandteile. Und ich glaube, damit sind wir auf dem richtigen Weg, dass das dann fair bei Ryanair und der Belegschaft zugeht."

In anderen Ländern wird noch verhandelt

Dass die Piloten noch nicht mehr kundtun möchten, könnte auch aus Rücksicht auf ihre Kollegen im Ausland geschehen, die noch mit Ryanair verhandeln. Die Iren hatten sich lange grundsätzlich gegen Verhandlungen mit Gewerkschaften gewehrt, mussten aber wegen heftiger Arbeitskämpfe in den letzten Jahren schließlich einlenken.

Die deutschen Piloten hatten auch dagegen gekämpft, wie bisher in Irland Lohnsteuer zahlen zu müssen - die liegt höher als in Deutschland - aber in Deutschland die Sozialabgaben; die sind wiederum höher als in Irland:

"Die Pilotinnen und Piloten hatten aus beiden Welten, wenn man so will, das jeweils Schlechtere gehabt, und da gab's dann halt weniger Netto vom Brutto. In der jetzigen Vereinbarung wollten wir, dass die Pilotinnen und Piloten deutsches Steuerrecht 'genießen' dürfen, wenn man so sagen will."

Das ist nun gelungen, weil die Piloten nun in die maltesische Tochtergesellschaft von Ryanair, Malta Air, überführt werden. Außerdem gelten für sie jetzt auch sämtliche deutschen Arbeitnehmerschutzgesetze.

Auch in Deutschland müssen noch Details geklärt werden

Der Vergütungstarifvertrag läuft bis Ende 2023. Dennoch gehen die Gespräche zwischen Ryanair und den Piloten weiter, denn es gebe noch einiges zu klären, sagt VC-Sprecher Schmitt:

"Wir wollen natürlich weiterhin eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen durchsetzen, und da bedarf es dann eines Manteltarifvertrags. Das gilt es jetzt als nächstes oder als übernächstes, denn dazwischen möchten wir auch einen Betriebsrat, sprich eine Personalvertretung etablieren. Auch dort gibt es einen sogenannten Tarifvertrag Personalvertretung. Das sind also die beiden Baustellen, die jetzt noch vor der Brust liegen."

Außerdem soll auch eine deutsche betriebliche Altersversorgung geregelt werden.

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