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StartseiteCampus & KarriereMehr Verwirrung als Klarheit03.11.2006

Mehr Verwirrung als Klarheit

Viele Unternehmen sind bei Bachelor und Master noch zurückhaltend

Firmen reagieren auf den Abschluss Bachelor sehr unterschiedlich, diese Erfahrung macht Raimund Schouren vom Hochschulteam der Arbeitsagentur Düsseldorf in seiner Tätigkeit. Großunternehmen sei der Bachelor seit langem aus dem angelsächsischen Raum bekannt. Sie könnten ihn gut einschätzen und einordnen. Für viele mittelständische Unternehmen sei der Bachelor aber noch ungewohnt und neu.

Moderation: Andrea Lueg

Den Einstieg in den Job hat der Bachelor- Abschluss wohl noch nicht erleichtert.  (Stock.XCHNG / carl dwyer)
Den Einstieg in den Job hat der Bachelor- Abschluss wohl noch nicht erleichtert. (Stock.XCHNG / carl dwyer)

Andrea Lueg: Was mache ich eigentlich, wenn ich den Bachelor-Abschluss in der Tasche habe? Wie reagieren die Unternehmen, die Personalchefs? Welche Schritte muss ich unternehmen, um mir die besten Karriereoptionen zu schaffen? Bei all solchen Fragen sucht man sich am besten erst mal Rat, zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit. Bei mit ist jetzt Raimund Schouren von der Agentur für Arbeit in Düsseldorf im Hochschulteam. Herr Schouren, haben Sie eigentlich beim Hochschulteam schon jeden Tag mit Bachelor-Absolventen oder Studierenden zu tun?

Raimund Schouren: Ja, haben wir. Zum einen, weil wir in Düsseldorf an der Universität und an den Fachhochschulen die ersten Absolventen haben und auch Absolventen aus anderen Fachhochschulen, Hochschulen zu uns kommen und sich mit der Fragestellung beschäftigen: Bachelor in naher Zukunft oder absolviert, wie soll es jetzt weitergehen?

Lueg: Wann kommt man denn günstigerweise? Also kommt man schon zu Beginn des Studiums oder wann macht man das?

Schouren: Wir betreuen ja Schüler, Studierende ab der Sekundarstufe 2 hinein in das Studium, begleiten durch das Studium, auch danach. Wir können uns durchaus vorstellen und das geschieht sehr häufig, dass man vor Beginn des Studiums schon mal eine Einschätzung, eine Langfristperspektive vornimmt und während des Studiums diese Perspektive weiter verfeinert. Das ist nicht die Regel, geschieht aber häufiger.

Lueg: Gibt es denn eigentlich generelle Tipps, die Sie geben können, wenn es jetzt um die Frage geht, soll ich noch einen Master machen oder bewerbe ich mich lieber direkt. Es kommt ja auch sehr stark darauf an, was man studiert hat.

Schouren: Selbstverständlich. Die Situation ist ja recht unterschiedlich. Wenn ich an Absolventen in Ingenieurwissenschaften denke, da ist der Markt zur Zeit sehr gut für Absolventen, da denken die wenigsten über ein Masterstudium nach, weil sie sehr gute Firmenangebote kriegen. Auf der anderen Seite haben wir die Absolventen im Bereich der Geisteswissenschaften, der Sozialwissenschaften, die auf einen sehr schwierigen Arbeitsmarkt treffen. Das ist nicht Bachelor-bedingt, das hatten wir vorher schon, daran hat sich im Augenblick trotz der konjunkturellen Besserung noch nicht so sehr viel geändert. Da stellt sich dann die Frage: Versuche ich jetzt mit diesem Abschluss einen Einstieg zu finden oder setze ich den Master drauf? Und viele denken dann verstärkt über den Master nach, weil sie nach dem Bachelor den Einstieg nicht unmittelbar schaffen.

Lueg: Aber das heißt ja noch lange nicht, dass man mit dem Master dann den Einstieg schafft in diesen schwierigen Bereichen, oder?

Schouren: Das heißt es sicher nicht. Vielleicht sind die Chancen dann etwas besser, das müssen wir einfach mal sehen. Wir sehen nur, dass der Bachelor auf ganz unterschiedliche Firmenreaktionen trifft. Wir haben die Großunternehmen, die den Bachelor seit langem kennen aus dem angelsächsischen Raum, die können den einschätzen und einordnen. Wir haben sehr viele mittelständische Unternehmen, für die der Bachelor einfach neu ist und die Probleme haben, diesen Abschluss zunächst einmal einzuordnen, zu fragen, wo liegt der. Denn, wir haben den Bachelor an den Fachhochschulen, wir haben den Bachelor an den Universitäten, wir haben den Master an den Fachhochschulen, wir haben den Master an den Universitäten und es ist ja ein beliebiger Wechsel möglich. Das alles trägt im Augeblick noch etwas eher zur Verwirrung bei, als zur Klarheit. Und das wirkt sich aus, auch in der Zurückhaltung der Unternehmen.

Lueg: Nicht jeder, der das möchte, kann ja überhaupt den Master draufsatteln. Wie geht man denn damit um, wenn das nicht geht? Es gibt ja Beschränkungen dafür.

Schouren: Da macht sich bei dem ein oder anderen der blanke Frust schlichtweg bemerkbar. Einstieg in den Arbeitsmarkt, nicht zu schaffen, aus welchen Gründen auch immer, Masterzugang klappt nicht, dann hängt es natürlich auch von der Mobilität ab. Wer bundesweit mobil ist, versucht in unterschiedlichen Bundesländern in das Masterprogramm hinein zu kommen. Aber wenn das auch nicht funktioniert, da haben wir auch etliche Suchende mit sehr großen Problemen. Denn die Bedingungen für den Masterstudiengang sind ja unterschiedlich und es spielt ja nach wie vor die Quotierung eine Rolle. Es sollen ja nicht alle Bachelors in den Masterstudiengang rein, und der Masterstudiengang ist ja eigentlich auch nicht dazu gedacht, dass die Bachelors, die nicht den Einstieg in den Job schaffen, in den Masterstudiengang gehen. Und da liegen große Schwierigkeiten.

Lueg: Fehlt es denn da noch an Beratung? Wissen die Studierenden das nicht oder denken die sich: Na ja, bis ich soweit bin, ist die Lage schon wieder ganz anders. Oder wo liegt da das Problem?

Schouren: Wir haben ja die ersten Absolventen jetzt in Düsseldorf, ich glaube, vor zwei, drei Jahren gehabt. Viele sind ja in diesen Studiengang rein gegangen auch in der Verlockung: Ich mache einen kurzen, prägnanten Studiengang, überschaubar, in drei, dreieinhalb Jahren, sieben Semestern. Und das ist natürlich verlockend. Das war ja bei Magister oder Diplom immer etwas offener. Und eine Prognose zu geben a) über einen solchen Zeitraum und b) über eine neue Einstiegsart, nämlich Bachelor, ist ein äußerst schwieriges Instrument. Was wir nur können, das machen wir auch. Wir raten jedem, der zu uns kommt: Studiere das Fach, das dir liegt, das dir Spaß macht. Denn - jetzt mal abgesehen vom Master oder Bachelor - zunächst einmal ist eine gute Examensnote ganz, ganz wichtig. Das macht die Vermarktung leichter. Und ich denke, dass vielleicht auch der eine oder andere in der Überlegung: Ich bin der erste bei dem Bachelor, das ist auch eine Verpflichtung für die Uni oder Fachhochschule, alles dafür zu tun, dass das zum Erfolg kommt, mag auch dahinter stehen. Da kommt eine ganze Menge zusammen. Wir versuchen, es ein bisschen durch Beratung gewissermaßen aufzudröseln, zu erweitern und den Fokus dann auf den Arbeitsmarkt zu richten. Aber noch mal, eine klare Prognose über einen Zeitraum von drei Jahren kann man gar nicht abgeben. Wir wissen nur - das gilt aber durchweg für alle Akademiker -, am Arbeitsmarkt kommen die Akademiker immer noch am besten weg. Wenn Sie sich die Arbeitslosenquoten ansehen: Wir haben knapp zehn Prozent im Durchschnitt. Bei den Akademikern liegen wir so um die fünf, etwa viereinhalb Prozent zur Zeit. Das ist die Hälfte von dem, was wir im allgemeinen Arbeitsmarkt haben.

Lueg: Also immer noch ganz gute Aussichten. Es ist ja auch zum Teil die Rede davon, dass die neuen Abschlüsse sogar neue Jobs schaffen, was sagen Sie denn dazu?

Schouren: Ist mir bisher bewusst noch nicht so vorgekommen, will ich nicht ausschließen. Ich kann zur Zeit weder bestätigen, noch dementieren. Möglicherweise ist das so. Man muss natürlich fragen, auf welcher Ebene liegen diese Jobs? Wenn ich die Diskussion der letzten Wochen und Monate mitkriege, gibt es auch sehr viel Unsicherheit, wo das ganze angesiedelt sein soll, wo auch die Qualifikation des Bachelors angesiedelt ist - auf der Fachhochschulebene, bei den Universitäten oder zwischen Ausbildung und Hochschulabschluss. Es ist noch ein wissenschaftlicher Studiengang zumindest an den Unis, aber in welcher Form, das spielt ja eine Rolle und das ist alles so schwierig abzuschätzen zurzeit.

Lueg: Also noch viele Fragen zu klären.

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