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Mein KlassikerBonaparte über sein Fiat 850 Sportcoupé von 1969

Halbnackte Frauen mit einem Computerbildschirm auf dem Kopf, als Pferde verkleidete Menschen, Spiegelwände für die Zuschauer – ein Konzert der Berliner Band "Bonaparte" kann zur visuellen Reizüberflutung werden. Gegründet hat die verrückte Truppe der gebürtige Schweizer Tobias Jundt. Er schätzt eher Einfachheit, allerdings nicht ohne Eleganz: Der beste Beweis ist dafür ist sein Klassiker auf vier Rädern.

Von Fabian Elsäßer | 27.10.2015

Bonaparte bei Rockavaria Open Air Festival
Bonaparte bei Rockavaria Open Air Festival (imago/Stefan M. Prager)
"Hallo, guten Tag, hier spricht Tobias Jundt – auch bekannt unter dem Namen Bonaparte, aus Funk und Fernsehen und den Bühnen dieses Landes! Mein Klassiker ist ein kleines, süßes Auto aus den 1960er Jahren mit Namen Fiat 850 Sportcoupé. Mein kleiner Fiat ist natürlich allein schon eine Augenweide. Deshalb ist er ein Klassiker, weil: Er ist ein Klassiker!
Dass er überhaupt noch fährt, ist ja schon mal schön. Der hat vorne und auf den Türen so eine runde '21', was ihn zum Rally-Auto macht, obwohl er natürlich dazu gar nicht taugt. Das ist ja eigentlich ein Moped mit 'ner Bank. Der kann ja nix, ne? Das sind die 52 Pferdestärken, die oft auch besinge in meinen Liedern. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die 52 Pferde, das sind nicht wirklich Pferde!"
Ich mochte Autos nie, ich war ein Fahrradmensch. Dann hat ein Mann mich angerufen und hat gesagt: Ich hab so Ben Wagen, der muss zu Dir. Ich sag: Ich will keinen Wagen, mag ich nicht. - Doch, doch, doch! Dann bin ich den anschauen gegangen und der war soooo süß. Also der ist halt einfach so schnuckelig, da denkt man: Wie kann man da einen Menschen reinmachen, der ist ja so klein!
Und dann hab ich mich da reingepfercht: das kleine Holzsteuerrad – so wie ein kleines Boot. Dann hab ich den mitgenommen und bin damit losgefahren, fünf Uhr morgens und nie mehr zurückgekehrt.
Ich hab andere Wagen dann auch mal probiert, so mit all diesem Carsharing-Dingsbums. Da sitzt man ja manchmal auch in einem modernen Wagen. Das ist wirklich total verwirrend. Da muss man ja nur einen Fuß denken, und er fährt schon! Und bei meinem, da muss man richtig. Also da rückwärts einparken, da schwitzt Du, das ist Arbeit. Da musst Du so richtig so wooaaaah das Ding. Ich mag das. Das ist sehr physisch, dieses kleine Ding.
Ich hab zeitweilen auch darin geschlafen, was man sich ja noch viel weniger vorstellen kann, da kann man ja knapp sitzen drin. Und hab darin die erste Platte eigentlich begonnen zu schreiben. Also ich würd' deshalb die kühne Behauptung aufstellen: ohne meinen Klassiker gebe es Bonaparte nicht.