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StartseiteCampus & KarriereStudium abbrechen für den Traumberuf27.07.2018

"Mein letztes Semester"Studium abbrechen für den Traumberuf

Reihe, Teil 5

Zweifel an ihrem Studium haben viele - doch was tun, wenn die Alternative fehlt? IHK, Handwerkskammer und Studienberatung bieten Hilfe beim Aus- oder Umstieg an. Jana Hoyer aus Köln weiß auch ohne Beratung, was sie will: Nach zwei Semestern verlässt sie die Uni - und startet durch zu ihrem Traumberuf.

Von Katrin Sanders

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Ein weißes Dokument mit aufgedruckter Schrift. Zu lesen ist: "Antrag auf Exmatrikulation". Auf dem Blatt Papier liegt ein rot-silberner Kugelschreiber. (imago stock&people)
Der Uni den Rücken zu kehren, erfordert Mut - und am besten eine gute Alternative (imago stock&people)
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Das Semester ist bald zu Ende. Rund um das Mensagebäude der Universität zu Köln haben viele in Gedanken vermutlich nur noch die Ferien im Kopf. Jana Hoyer aber, 21, Studentin der Medienkulturwissenschaften, hat einen komplett neuen Plan für die Zukunft. Sie will raus aus der Uni, nicht mehr Studentin sein:

"Ja, jetzt ist gerade der Start. Also wirklich erst vor ein paar Tagen. Erst vorgestern habe ich meine Bewerbungsunterlagen zusammengesucht. Hatte jetzt wegen der Uni keine Zeit, aber heute oder morgen muss ich das losschicken. Ist wirklich jetzt gerade ganz frisch!"

Studieninhalte "zu trocken"

Unterm Arm hält sie Uniunterlagen. Sie kommt direkt aus der Arbeitsgruppe Informatik. Kurzer atemloser Zwischenstopp an der Mensa. Sie ist eine, die nicht durch die Hintertür rausgeht, wenn jetzt ihr zweites Semester auch schon das letzte ist.

"Deswegen wollte ich auch nicht einfach alles abbrechen und loslassen, weil das schon eine Sache ist, die mich interessiert. Aber es ist eine Sache, die mich nicht erfüllt, und das hab ich auf jeden Fall gemerkt und deswegen versuche ich zumindest da noch die Reißleine zu ziehen. Bevor ich mich da noch zwei Jahre durchquäle mit der Uni und so weiter."

Die Uni und die "Sachen", die sie seit einem Jahr studiert, befinden sich in Sichtweite am anderen Ende der Wiese:

"Genau: Das Philosophikum ist einmal hinter dem anderen Gebäude schräg gegenüber. Zurzeit bin ich noch in dem Studiengang Medienkulturwissenschaften im Verbund mit Medieninformatik. Ist tatsächlich ein bisschen zusammengewürfelt alles. Weil man eben diese zwei Fächer hat. Viel Text, sehr viel theoretisch, Theatertexte und -analysen und das hab ich mir einfach am Anfang nicht so vorgestellt. Es ist sehr trocken, sag ich einfach mal. Und 'trocken' ist nicht meins."

Eingeständnis fällt vielen schwer

Bloß, was dann? Zweifel am Studium haben viele - doch wenige sehen Alternativen. Im nahen Hörsaalgebäude werden einige davon gezeigt: Mit einer Ausbildungsbörse stellen IHK, Handwerkskammer und Studienberatung ihre Hilfen beim Aus- oder Umstieg vor. Luzie Mucha von der IHK Köln vermittelt sogenannte Studienzweifler in die Unternehmen im Raum Köln. Sie weiß: Der erste Schritt fällt schwer.

"Dass die Wahl, die man getroffen hat, vielleicht doch nicht die Richtige ist, dazu gehört auch Mut, sich einzugestehen: Hier muss ich mal links oder rechts abbiegen. Oder sagen, dieser Plan ist irgendwie doch nicht das richtige."

Und so bleiben manche mit Ach und Krach weiter an der Hochschule, versuchen irgendwie durchzukommen oder bleiben, weil sie die Vorteile genießen, zum Beispiel das Semester-Ticket.

"Aber auch das Gefühl zu haben: Ich mache gerade noch was. Ich sitze nicht nur nutzlos rum, ich bin noch eingeschrieben, ich studiere noch aktiv. Wie weit, wie gut, wie schlecht wie aktiv, ist ja da erstmal Nebensache."

Studienzweifler haben gute Chancen auf Ausbildungsplätze 

"Also meine Kollegen, die Ausbildungsplätze anbieten, sind nicht abgeneigt, Studienzweifler auch zu nehmen", stellt André Urban Obermeister der Kölner Jalousiebauinnung klar. Bewerber mit Vorgeschichte seien sogar gern gesehen:

"Mit den ganzen Vorteilen eben, dass Ältere kommen, man also nicht einem 16-Jährigen erstmal die Umgangsformen erklären muss, wie man sich draußen zu verhalten hat. Sondern da hat man einen fertigen Menschen, den man schon mal an die Kundschaft ranlassen kann."

Urban verweist auf die "Riesenchancen", die das Handwerk zurzeit biete. Fachkräfte werden dringend gesucht, ebenso wie Nachfolger in zahlreichen Handwerksbetrieben. Trotzdem: Das Label "Ich studiere noch" gibt niemand einfach so auf. Luzie Mucha:

"Ja. Das Thema zweite Wahl, das kriegt man auch nicht immer so ganz aus den Köpfen raus. Ist für viele auch ein langwieriger Prozess, dass auch im Kopf zu verankern, dass man nicht zweite Wahl vor sich hat, sondern die richtige Wahl für einen."

Der Weg zum Traumberuf

"Also meine Wunschausbildung ist Veranstaltungskauffrau", sagt Jana Hoyer. Sie hat sich schon als Schülerin bei längeren Praktika im Traumjob umgeguckt. Abwechslungsreich und kommunikativ war es, erinnert sie sich - also genau das Richtige:

"Aber es gibt natürlich auch im Eventbereich Kauffrau-Marketing. Wäre auch was, wofür ich mich interessieren würde. Mittlerweile auch: Veranstaltungstechnik, die durch den Informatikteil im Studium mittlerweile ein bisschen näher gerückt ist. Aber das ist auf jeden Fall der Bereich, den ich sehr interessant finde, schon seit mehreren Jahren auch."

"Es sind noch viele Unternehmen, die noch Auszubildende suchen und auch viele Bewerberinnen und Bewerber. Das hört man manchmal auch am Telefon, dass Unternehmen sagen: Ups, bin ich schon zu spät dran, dann muss man schon mal schmunzeln. Weil offensichtlich gibt es auch für dieses Jahr noch Möglichkeiten, Auszubildende zu finden."

Auch im Traumberuf Veranstaltungskauffrau. Jana Hoyer, die Noch-Studentin wird in den nächsten Wochen jede Chance nutzen, ihm näher zu kommen: das Coaching, das die Uni anbietet; die Vermittlung durch die IHK; die laufend aktualisierte Ausbildungsplatzbörse des Jobcenter. Ein Praktikum, noch besser einen Ausbildungsplatz gleich im Anschluss an die Uni zu finden, ist der Plan. Ihre Eltern stehen voll und ganz dahinter. "Mach doch mehr aus deinem Abitur" - solche Sätze hat die 21-Jährige zu Hause nicht gehört.

Erleichterung überwiegt

Die Rückendeckung tut gut. Und doch ist die Exmatrikulation ein Schritt:

"Gemischte Gefühle, ganz klar. Aber ansonsten eher ein bisschen erleichternd die ganze Sache. Es war halt ein Versuch. Ich könnte es auch durchziehen, hier an der Uni den Abschluss zu bekommen. Da bin ich mir auch sicher. Aber es ist auf jeden Fall nicht das, was ich möchte. Das ist mein letztes Semester."

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