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StartseiteTag für TagTwitteraktion als Reaktion auf Schreibers "Inside Islam"02.05.2017

#MeinMoscheeReportTwitteraktion als Reaktion auf Schreibers "Inside Islam"

Der Journalist Constantin Schreiber hat mit seinem Buch "Inside Islam" für viel Wirbel gesorgt. In deutschen Moscheen werde stark zur Desintegration beigetragen, so sein Tenor. Doch geht es dort tatsächlich so besorgniserregend zu? Nein, sagen viele Muslime und antworten mit einer Twitter-Aktion auf Schreibers Vorwürfe – und mit Humor.

Von Christian Röther

Twitter-Logo auf einem Smartphone, das auf einer Laptoptastatur liegt. (imago)
Deutschlands Moscheen erscheinen in den #MeinMoscheeReport-Tweets als Ort einer solidarischen Gemeinschaft. (imago)
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Wenn man dem Journalisten Constantin Schreiber glaubt, dann sind viele Moscheen in Deutschland fragwürdige Einrichtungen: Es ist kalt, ungemütlich und der Imam predigt Separation statt Integration. Wenn man den Muslimen glaubt, die bei der Twitter-Aktion #MeinMoscheeReport mitgemacht haben, sieht das Bild ganz anders aus: dann geht es in vielen Moscheen locker zu und unbeschwert:

Auch Scherze sind möglich – sogar beim angeblich so strengen Gebet:

"#MeinMoscheeReportist als Kind bei 3. Raka von Witr beim Allahuekber die Ruku anzutäuschen damit dein Kollege sich blamiert."

Dann verbeugt sich der "Kollege", obwohl das gerade gar nicht gefragt ist. Viele Muslime erkannten sich in Constantin Schreibers "Moscheereport" und seinem Buch "Inside Islam" also offenbar nicht wieder. Die Redaktion der Internetseite "IslamiQ" rief deshalb zu der Twitter-Aktion auf:

"Mit der Hashtagaktion #MeinMoscheeReport möchten wir einen anderen Blick in die Moscheen geben: unseren! Macht mit."

Moschee als "Restaurant-Ersatz"

Auffällig ist, dass die Tweets kaum auf die politischen Vorwürfe Schreibers antworten. Die Twitternden arbeiten sich stattdessen an dem Gefühl ab, das Schreiber von Moscheen entwirft: ein großes Unbehagen. Deutschlands Moscheen erscheinen in den #MeinMoscheeReport-Tweets hingegen als Ort einer solidarischen Gemeinschaft. Dort wird eben nicht nur gebetet und gepredigt, sondern das komplette Gemeindeleben spielt sich hier ab.

"Die Moschee ist ein Restaurant-Ersatz für viele Studenten, wenn es im Ramadan darum geht um schnell an Essen ranzukommen."

Bei so viel Hilfsbereitschaft und Gemütlichkeit in den Moscheen darf auch nicht fehlen: ein Seitenhieb auf die AfD und ihre antiislamische Politik.

"Wer waschechte Hassprediger sucht, besucht lieber die Parteitage der #AfD als eine durchschnittliche deutsche Moschee."

Und auch die ARD, die Schreibers umstrittenen "Moscheereport" ausstrahlt, bekommt einen mit:

"#MeinMoscheeReport würde die ARD nicht senden. Er würde keine Angst schüren, keine Klischees bedienen, keine Vorurteile bestätigen."

Auch Prominente beteiligen sich an der Twitter-Aktion, wie der Kabarettist Abdelkarim:

Das klingt erst mal lustig, aber verweist auch auf soziale Realitäten: Wer in die Disco nicht reingelassen wird, der wird sich in der Moscheegemeinschaft möglicherweise umso willkommener fühlen.

"Billige Lügen"

Natürlich zieht eine solche Twitter-Aktion auch diejenigen an, die von Moscheen und Islam wenig bis gar nichts halten. Für manch einen kann einfach nicht stimmen, was andere Gutes über die Moscheen twittern:

"So schöne frei erfundene billige Lügen. Der Islam gehört nicht in diese Welt. Er beweist es jeden Tag mit #Terror."

Dass Hashtags verwendet werden, um gegenteilige Botschaften zu verbreiten, ist nicht neu. Und so findet sich unter dem Hashtag #MeinMoscheeReport auch jede Menge Polemik gegen Islam und Muslime.

"Den staatlichen Geldhahn abdrehen – und schon wird der Großteil der Muslime das Land wieder verlassen."

Das Fazit der Initiatoren von "IslamiQ" fällt trotzdem positiv aus: Muslime würden mit dieser Aktion zeigen, dass sie nicht fremd seien, sondern mit ihren Moscheen ein Teil Deutschlands. Constantin Schreiber wird widersprochen und widertwittert, denn Moschee ist eben auch:

"Wenn man als Kind ein Gebet in Lichtgeschwindigkeit beendet, nur um am unten stehenden Kicker der erste zu sein."

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