Sternzeit / Archiv 10.01.2012

Melancholia verfehlt die ErdeVon Dirk Lorenzen

Solche Kollisionen ereignen sich extrem selten (Grafik) (NASA)Solche Kollisionen ereignen sich extrem selten (Grafik) (NASA)

Der dänische Regisseur Lars von Trier macht unserer kosmischen Heimat in seinem neuen Film "Melancholia" den Garaus. Der Titelheld ist ein unbekannter Planet, der sich lange hinter der Sonne versteckt hat.

Plötzlich kommt Melancholia auf Abwege und nähert sich der Erde. Dabei verfinstert er für einige Zeit den hellen Stern Antares. Im Film erwartet man einen spektakulären Vorbeiflug des mysteriösen Planeten.

Tatsächlich zieht Melancholia zunächst an der Erde vorbei. Doch dann hält der Planet inne und nähert sich erneut unserem Planeten. Schließlich kollidieren beide Körper - der Weltuntergang ist perfekt.

Lars von Trier nimmt sich die künstlerische Freiheit, die Handlungsstränge seiner irdischen Hauptpersonen durch ein fiktives kosmisches Szenario zu dramatisieren. Aber im Weltall ist so etwas unmöglich.

Die Erde kreist einmal im Jahr um die Sonne. Wir würden also binnen Monaten alles entdecken, was sich gerade "hinter" ihr befindet.

Sollte es einen Planeten geben, der genau auf der anderen Seite der Erdbahn läuft und so immer exakt hinter der Sonne steht, so wäre der in der Tat nicht zu sehen. Aber er hätte sich längst durch seine Störkräfte auf die anderen Planeten im Sonnensystem verraten. Zudem könnte er sich nicht lange auf seiner Position halten.

Selbst wenn es doch einen unbekannten Planeten gäbe, so könnte er kaum einen solch abwegigen Kurs nehmen wie im Film. Denn es sind unglaubliche Kräfte nötig, um einen Planeten so groß wie die Erde aus der Bahn zu heben oder gar zur Umkehr zu zwingen.

Kollidierende Planeten gibt es also nur im Kino - aber nicht im Sonnensystem.

Der Film Melancholia

Melancholia, der Film

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