Zweitägiger Besuch
Merz beendet China-Reise - "Müssen offen über schwierige Themen reden"

Zum Abschluss seiner zweitägigen China-Reise hat Bundeskanzler Merz angekündigt, mit der Volksrepublik weiter über schwierige ‌Themen in ⁠den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen zu ⁠sprechen. Ein Problem für die deutsche Wirtschaft: die chinesischen Überkapazitäten.

    Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besucht die Firma Unitree Robotics in der Provinz Zhejiang und lässt sich von Gründer und Geschäftsführer Wang Xingxing (l) durch die Präsentationsräume führen.
    Bundeskanzler Friedrich Merz beendet seine China-Reise. (picture alliance/dpa/Michael Kappeler)
    Merz erklärte in der Stadt Hangzhou, die chinesische Überproduktion führe zu einer Schwemme billiger Produkte in Europa. Er wolle eine gute Zusammenarbeit, aber man müsse ganz offen über die schwierigen Themen reden, betonte Merz. Kritisch bewertete der Kanzler etwa Chinas Unterstützung für Russland: "Ich hoffe, dass ich in meinen Gesprächen ein bisschen Verständnis dafür wecken konnte, dass die chinesische Staatsführung auch einen Beitrag dazu leisten sollte, ‌den Krieg ‌in der Ukraine zu beenden." Auch Taiwan und eine mögliche militärische Eskalation seien thematisiert worden, so Merz. Er fügte hinzu, er werde Wirtschaftsministerin Reiche bitten, einen Folgebesuch in China zu machen.
    Der Bundeskanzler besichtigte am Abschlusstag seiner Reise Unternehmen in der Stadt Hangzhou. Sie gilt als eine der Technologie-Metropolen Chinas. Merz besuchte ein Werk für Hochspannungs-Schaltanlagen von Siemens Energy und den Roboter-Hersteller Unitree. Die mit Künstlicher Intelligenz trainierten Geräte führten Merz einen Boxkampf vor. Am Mittwoch hatte er politische Gespräche in ⁠der chinesischen Hauptstadt geführt. Beim Treffen mit Präsident Xi in Peking warb Merz für weitere Investitionen der Volksrepublik in Deutschland und gab einen Auftrag Chinas zum Kauf weiterer 120 Flugzeuge des europäischen Herstellers Airbus bekannt. Bis spätestens Anfang 2027 soll es auch deutsch-chinesische Regierungskonsultationen geben. Xi sagte, er sei bereit, gemeinsam mit Merz die strategische Partnerschaft auf ein neues Niveau zu heben.

    China-Experte Laha: Merz-Reise war "schwieriger Balanceakt"

    Der China-Experte Michael Laha von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sprach von einem schwierigen Balanceakt in der deutschen China-Politik. Zum einen gehe es darum, die wirtschaftliche Kooperation auszubauen, zum anderen brauche es weniger Abhängigkeiten, sagte Laha im Deutschlandfunk. Er hob hervor, dass Merz sich deutlich kritischer gegenüber China geäußert habe als beispielsweise dessen Vorgänger Scholz. Laha pochte darauf, eine gemeinsame europäische Antwort auf die Risiken durch China zu finden. Nur dann sei Europa stark genug.
    Der Ökonom Jürgen Matthes vom Institut der Deutschen Wirtschaft forderte im Sender ntv, es brauche Ausgleichszölle angesichts der chinesischen Wettbewerbsverzerrungen und Überkapazitäten. Diese müssten sich bei vielen Produkten in einer Größenordnung von 40 bis 50 Prozent bewegen, um faire Marktbedingungen zu erreichen.
    Auch der CDU-Außenpolitiker Röttgen mahnte den Abbau deutscher Abhängigkeiten an. Es brauche dringend De-Risking gegenüber China, sonst könne Deutschland die eigenen Interessen nicht ausreichend vertreten, sagte Röttgen im Deutschlandfunk. In dem Zusammenhang kritisierte er auch die deutsche Industrie. Diese denke weiter nur an kurzfristige Profite und verschließe die Augen vor langfristigen Risiken, etwa einem chinesischen Einmarsch in Taiwan.

    Weiterführende Informationen

    Kanzler Merz besucht Verbotene Stadt und Tech-Unternehmen (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 26.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.