Westbalkan-Gipfel
Merz und Macron für baldige EU-Erweiterung

Bundeskanzler Merz und der französische Präsident Macron haben sich beim Westbalkan-Gipfel für eine schnelle EU-Erweiterung stark gemacht. Die Europäische Union müsse zeigen, dass sie erweiterungsfähig und erweiterungswillig sei, sagte Merz in Tivat in Montenegro.

    Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron stehen sich gegenüber und sprechen vertraulich miteinander.
    Wollen mehr Tempo bei der EU-Erweiterung: Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron. (AFP / LUDOVIC MARIN)
    Merz sagte nach dem Westbalkan-Gipfel in Tivat in Montenegro, die klare Botschaft des ⁠heutigen Tages sei, dass die sechs Balkan-Staaten bald Mitglied der Europäischen Union werden sollen. Die EU habe ein strategisches Interesse daran, diese Staaten an sich zu binden.
    Macron betonte die Bedeutung der Region für die EU. Auf dem Westbalkan entscheide sich auch die Unabhängigkeit Europas, sagte Macron mit Blick auf Energie- und Sicherheitsfragen sowie Migrationsrouten.
    Gestern hatten Merz und Macron in einem gemeinsamen Papier zusätzliche Anreize für Beitrittskandidaten bei der Integration in Aussicht gestellt. Diese könnten unter Bedingungen schon vor Vollzug des Beitritts vollen Zugang zum europäischen Binnenmarkt bekommen.
    Zu den Westbalkan-Staaten gehören Montenegro, Albanien, Bosnien-Herzegowina, das Kosovo, Nordmazedonien und Serbien. EU-Erweiterungskommissarin Kos zufolge könnte Montenegro Ende 2028 als 28. Mitglied in die EU aufgenommen werden. 
    Der UNO-Beauftragte für Bosnien und Herzegowina, Schmidt, begrüßte ein solches Vorgehen. Er sagte im Deutschlandfunk, bislang habe man beim EU-Beitritt immer nach dem Prinzip ”100 Prozent oder gar nichts” gearbeitet. Stattdessen müsse man stufenweise vorgehen und könne zum Beispiel jungen Start-Ups den Weg zum Binnenmarkt öffnen. Grundsätzlich gehe es darum, die Menschen auf dem Westbalkan zu gewinnen – und hier sei die EU kommunikativ „stark verbesserungsbedürftig“.
    Diese Nachricht wurde am 05.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.