Donnerstag, 26.11.2020
 
StartseiteKultur heuteMeldeplattform gegen sexuelle Übergriffe im Kulturbetrieb13.11.2020

#MeToo in der SchweizMeldeplattform gegen sexuelle Übergriffe im Kulturbetrieb

Drei Jahre nach dem Beginn der #MeToo-Debatte erreicht die Diskussion auch den schweizerischen Kulturbetrieb. Auf einer neuen Meldeplattform können sich jetzt Betroffene äußern. "Es geht um Respekt, es geht darum zu zeigen wo die Grenzen sind", sagte Salva Leutenegger vom Schweizerischen Bühnenverband.

Salva Leutenegger im Gespräch mit Henning Hübert

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Rose McGowan and other accusers hold a press conference after American film producer Harvey Weinstein arrives at Manhattan Court before the start of his sexual misconduct trial on Monday, January 6, 2020 in New York City. Harvey Weinstein is scheduled to stand trial on rape charges. The criminal trial is expected to begin with jury selection on Tuesday. (John Angelillo / imago images / UPI Photo)
Anfang des Jahres begleiteten Klägerinnen den Prozess gegen Harvey Weinstein (John Angelillo / imago images / UPI Photo)
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Vor drei Jahren startete zunächst in den USA die #MeToo-Debatte. Der Filmmogul Harvey Weinstein wurde der sexuellen Belästigung angeklagt, inzwischen verurteilt und in einigen Teilen für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen. Auf Weinstein folgten zahlreiche andere Prominente aus der Kulturbranche.

In Deutschland äußerten sich zahlreiche Frauen in einem Artikel in "Der Zeit" zu sexuellen Übergriffen durch den Regisseur Dieter Wedel. Während letzter nie angeklagt wurde, stand am Freitag (13.11.2020) ein Kompositionslehre-Professor in München vor Gericht; am Donnerstag wurde wurde Roman Polanski aus der französischen Filmakademie César ausgeschlossen.

Frauendemonstration in Paris: Im Mittelpunkt des Bildes eine junge Frau mit rotblonden langen Haaren, die eine Faust in die Höhe gereckt hat. Im Hintergrund weitere in die Höhe gereckte Fäuste und Plakate. (imago / Hans Lucas / Karine Pierre) (imago / Hans Lucas / Karine Pierre)Buch über Weinstein und #MeToo - Am Anfang war das Gerücht 
Verdachtsberichterstattung mag anrüchig klingen. Aber ohne sie würde kein Skandal aufgedeckt – und wäre auch keine erfolgreiche #MeToo-Bewegung entstanden. Das zeigt das Buch "#Me Too. Von der ersten Enthüllung zur globalen Bewegung".

Jetzt sorgt die #MeToo-Debatte auch in der Schweiz für Konsequenzen. Zwar sei das Thema auch 2017 schon aufg der Tagesordnung gewesen, "aber andes als in Deutschland haben wir vom Bühnenverband keine wirkliche Unterstützung erfahren", sagte die Geschäftsleiterin Salva Leutenegger im Dlf. Ihr Verband ist nach eigenen Angaben die größte und wichtigste Schweizer Berufsorganisation für freischaffende und festangestellte Künstlerinnen und Künstler bei Theater, Film und TV.

"Wir mussten uns das selber erarbeiten"

Während in den USA #MeToo für nachhaltige Änderungen in den Köpfen gesorgt habe, sehe es in der Schweiz an vielen Orten noch schlecht aus, resümierte Geschäftsleiterin Salva Leutenegger. Die Meldeplattform, bei der Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Bühne, Film und Fernsehen anonym schreiben können, solle nun helfen.

Am Donnerstag (12.11.) ist die Plattform an den Start gegangen, mehr als 500 Betroffene hätten sich bereits gemeldet, so Leutenegger. Vier Fünftel der Mitglieder, die an einer Umfrage teilnahmen, hätten angegeben, in den vergangenen zwei Jahren sexuelle Belästigung und/oder Machtmissbrauch erlebt zu haben. 

"Bei den Betroffenen dominiert die verbale Belästigung, nicht wie wir vermutet hätten, die körperliche", sagte Leutenegger. Obszöne Witze, Geschichten mit sexuell anzüglichem Inhalt aber auch "Angebote für berufliche berufliche Vorteile für sexuelles Entgegenkommen." Man arbeite bei der Auswertung mit Psychologen und Soziologen zusammen.

Respekt und Sensibilität

Ziel sei es nun "Künstlerinnen und Künstler zu stärken, damit sie sich wehren können". Offensichtlich, so Leutenegger habe die darstellende Kunst ein ernsthaftes Problem, wie die Zahlen zeigten. "Es geht um Respekt, es geht um Sensibilität, es geht auf der Seite der Täterinnen und Täter darum zu zeigen wo die Grenzen sind.

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