Sonntag, 27. November 2022

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MH17-Absturz
Auch ein Jahr danach noch keine Aufklärung

Am 17. Juli 2014 stürzte über der Ostukraine Flug MH17 ab. Alle 298 Menschen an Bord - darunter vor allem Niederländer - kamen ums Leben. Bis heute ist unklar, wer die Maschine abgeschossen hat, der Abschlussbericht ist noch immer nicht der Öffentlichkeit zugänglich. Dabei möchten die Niederländer doch nur einen Schlussstrich unter die nationale Tragödie ziehen.

Von Murad Bayraktar | 17.07.2015

    Ein Teil des Wracks der Passagiermaschine, die in der Ukraine abgeschossen wurde
    Ein Teil des Wracks der Passagiermaschine, die in der Ukraine abgeschossen wurde (AFP/BULENT KILIC)
    "Der Abschlussbericht über MH17 ist vertraulich und die Untersuchungsbehörde wird Medienberichte dazu nicht kommentieren." Über diesen trockenen Satz hinaus sagt die niederländische Untersuchungsbehörde OVV rein gar nichts: nichts zum Inhalt des Berichts, nichts zu den Einzelheiten der Ermittlungen und nichts zu möglichen Schuldigen. Dabei hatte Behördenchef Tjibbe Joustra letzten Herbst noch versprochen, dass der Abschlussbericht zum Jahrestag des Absturzes von MH17 - also heute - veröffentlicht wird. "Unsere Untersuchungsbehörde plant den Bericht ein Jahr nach dem Absturz zu veröffentlichen."
    Bericht zum Absturz erst Anfang Oktober
    Weil die meisten Opfer aus den Niederlanden kamen, leitet das Land die technischen Untersuchungen. Der abschließende Bericht soll als Grundlage für mögliche strafrechtliche Ermittlungen dienen. Doch die Niederländer haben den Bericht zunächst zur Kommentierung an die beteiligten Länder zugestellt. Die Öffentlichkeit und die Angehörigen sollen sich noch bis Anfang Oktober gedulden. Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, dass die Experten in dem Bericht zu dem Schluss kämen, die Maschine sei von pro-russischen Separatisten abgeschossen worden. CNN-Flugexpertin Rene Marsh: "Eine Quelle, die Einsicht in Einzelheiten des Berichtes hat, erklärt, dass die niederländischen Sicherheitsexperten Beweise haben, dass pro-russische Rebellen für den Abschuss des Fluges MH17 verantwortlich sind."
    Wenn am Ende wirklich klar wird, wer für den Absturz von MH17 und die 298 Toten verantwortlich ist, können die Niederländer so etwas wie einen Schlussstrich unter diese nationale Tragödie ziehen. Ministerpräsident Mark Rutte: "Das internationale Ermittlungsteam macht gute Fortschritte - und die Regierung sucht mit unseren internationalen Partnern nach der besten Lösung, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen." Um mögliche Schuldige vor Gericht zu bringen, fordern die Niederlande deshalb gemeinsam mit Malaysia, Australien und der Ukraine ein UN-Tribunal - diesen Antrag an den UN-Sicherheitsrat will Russland aber mit seinem Veto blockieren.
    Die Niederländer werden ungeduldig
    Noch ist also unklar, wie ein Prozess zustande kommen wird. Doch die Niederländer verlieren so langsam die Geduld: Sie wollen endlich wissen, wer den Tod so vieler Landsleute auf dem Gewissen hat: "Niemand wagt es die Wahrheit auszusprechen. Die Spekulationen scheinen ja eigentlich Wahrheit zu sein. Aber niemand spricht es aus. Vor allem für die Hinterbliebenen ist das eine schlimme Sache." - "Dass die Untersuchung gründlich sein muss, das ist logisch. Aber die dauert nun doch echt zu lange, ohne das was bekannt ist." - "Ich denke, die niederländische Regierung spricht nicht deutlich aus, wer daran die Schuld hat. Und dass es so lange dauert, bevor das alles mal öffentlich wird, finde ich schlimm."
    Der heutige Tag steht in den Niederlanden im Zeichen des Gedenkens. Während im ganzen Land die Flaggen auf Halbmast gesetzt sind, findet in Nieuwegein bei Utrecht eine zentrale Gedenkfeier statt, die nicht öffentlich ist. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte: "Die Veranstaltung zum Gedenken der Opfer ist von und für Familien veranstaltet worden. In dieser schwierigen Zeit werden sie ein weiteres Mal mit dem Verlust ihrer Lieben konfrontiert und deswegen werden wir der Opfer gemeinsam gedenken." Die Angehörigen wollen bei der Feier die Namen aller 298 Opfer verlesen. So wie das auch die Großeltern der vierjährigen kleinen Megan Hally bei der letzten Gedenkveranstaltung taten: "Ons lieve kleinkind. ... Megan Hally. Vier jaar."