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StartseiteNachrichten vertieftLetzte Särge in den Niederlanden angekommen02.05.2015

MH17-AbsturzLetzte Särge in den Niederlanden angekommen

Mehr als neun Monate ist es her, dass eine Maschine der Malaysia Airlines über der Ukraine abstürzte, heute erreichten die letzten sieben Särge mit Opfern aus Flug MH17 die Niederlande. In einer kurzen Zeremonie wurde ihnen auf dem Militärflugplatz von Eindhoven die letzte Ehre erwiesen.

Acht Militärangehörige in blauen Uniformen tragen einen Holzsarg auf ihren Schultern, im Hintergrund das schwarze Fahrzeug eines Bestatters mit geöffneten Hecktüren. (picture alliance / dpa / Sander Koning)
Angehörige des niederländischen Militärs tragen einen der sieben Särge aus dem Transportflugzeug, das aus dem ukrainischen Charkiw in Eindhoven gelandet war. (picture alliance / dpa / Sander Koning)
Weiterführende Information

MH17-Abschuss in der Ukraine - Hat die Bundesregierung die Gefahr verschwiegen?
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 27.04.2015)

Abschuss von Flug MH17 - Aufklärung als politischer Drahtseilakt für die Niederlande
(Deutschlandfunk, Europa heute, 15.12.2014)

Flug MH17 - Bergung der Wrackteile abgeschlossen
(Deutschlandfunk, Aktuell, 23.11.2014)

Flug MH17 - Emotionale Trauerfeier in Amsterdam
(Deutschlandfunk, Aktuell, 10.11.2014)

Absturz von Flug MH17 - BND beschuldigt Separatisten
(Deutschlandfunk, Aktuell, 19.10.2014)

Russische Reaktionen auf MH17-Bericht - Separatisten geben Ukraine die Schuld
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 09.09.2014)

MH17-Absturz - Zwischenbericht: Flugzeug von Objekten getroffen
(Deutschlandfunk, Aktuell, 09.09.2014)

Es war der zehnte Transport aus dem ukrainischen Charkiw. Insgesamt wurden 250 Särge in die Niederlande geflogen: von dort kamen die meisten der 298 Menschen an Bord. Zwei niederländische Opfer konnten bisher noch nicht identifiziert werden.

Die Szenerie am Nachmittag: Die letzte Transportmaschine der niederländischen Armee landet auf dem Militärflugplatz von Eindhoven. Soldaten tragen Särge aus der Maschine auf den Platz, eine Trompete erklingt, dann Schweigen. Im Beisein von niederländischen Ministern und Angehörigen wird in einer kurzen Zeremonie an die Opfer erinnert. Dann fahren die Leichenwagen in langer Kolonne auf abgesperrten Autobahnen nach Hilversum bei Amsterdam.

Die Bergungsarbeiten sind jetzt offiziell abgeschlossen. In den letzten Wochen hatten Experten aus aller Welt erneut die Absturzstelle im Osten der Ukraine durchforstet und bis zu 60 Zentimeter tief im Boden gegraben. Sie fanden Leichenteile, Trümmer, Reisepässe, Eheringe, Gepäck. Offiziell wird jetzt nicht mehr gesucht. "Wir haben das Menschenmögliche getan", sagte der Leiter des Bergungsteams, Pieter-Jaap Aalbersberg. Damit hatte die niederländische Regierung auch ihr Versprechen eingelöst, zuerst die Opfer nach Hause zu holen und dann erst nach der Ursache und Verantwortlichen zu suchen.

Niederländische Regierung warnt vor zu großen Erwartungen

Die Passagiermaschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine vermutlich von einer Rakete abgeschossen worden. Im Oktober will der niederländische Sicherheitsrat seinen Abschlussbericht vorlegen. In einer ersten Bilanz hatten die Experten menschliches und technisches Versagen ausgeschlossen. Das Flugzeug war von außen durch eine Vielzahl kleiner Metallteile mit großer Wucht durchbohrt worden.

Transportmaschine des Militärs im Landeanflug, im Vordergrund weht die niederländische Flagge. (picture alliance / dpa / Sander Koning)Eine Transportmaschine der niederländischen Armee brachte am Nachmittag die letzten sieben Särge aus Charkiw (Ukraine) auf den Militärflugplatz Eindhoven. (picture alliance / dpa / Sander Koning)

Die Schäden weisen auf eine Boden-Luft-Rakete hin. Die explodiert in unmittelbarer Nähe des Zielobjektes, und die winzigen Raketenteile durchlöchern es. Russland und die Separatisten, die im Osten der Ukraine für eine Loslösung vom Land kämpfen, nennen als Ursache allerdings eine Rakete, die aus einem ukrainischen Militärflugzeug abgefeuert wurde.

Der niederländische Justizminister Ard van der Steur warnt vor großen Hoffnungen, die Täter könnten gefunden und bestraft werden. Am Samstag sagte er in Charkiw: "Es wird zweifellos so viel schwieriger sein, als wir alle hoffen." Die strafrechtliche Verfolgung ist auch politisch äußerst brisant. Es geht um die Frage, ob Russland den Rebellen das Raketensystem geliefert und eigene Experten eingesetzt hat.

Der deutschen Bundesregierung lagen einem Medienbericht zufolge vor dem Absturz des Passagierflugzeugs klare Hinweise auf Gefahren vor. Diese habe sie nicht an deutsche Fluggesellschaften weitergegeben.

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