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Mieten
Studentenwerke fordern mehr günstige Wohnungen

Für Studierende wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Mieten in den Großstädten steigen Jahr für Jahr und die Zahl der Studenten wächst. Auf der Wohnheimtagung des Deutschen Studentenwerks in Potsdam haben die verantwortlichen Referenten nach Lösungen für das Problem gesucht.

Von Axel Flemming | 14.05.2014

"Glück gehabt."
"Geduld bei der Wohnungssuche, es ist nicht leicht eine zu finden, die auch noch bezahlbar ist."
"600 Euro zahle ich, glaube ich. Also die Hälfte, weil ich in einer WG wohne: 300. Also für 70 Quadratmeter."
"Ja, ich wohne in einer WG, ich glaube 76 Quadratmeter in einer Vierraumwohnung, also ist akzeptabel, man kann's machen. Ich selber hab vielleicht 14, aber es reicht."
"Also es geht, Glück gehabt."
Zwei von derzeit fast 25.000 Studierenden aus Potsdam, die wirklich Glück gehabt haben.
Leicht zugespitzt: Bezahlbaren Wohnraum in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto:
"Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, das hört sich gar nicht so überspitzt an. Ich würd's doch schon als Glückstreffer bezeichnen, hier was Bezahlbares zu finden."
Sagt Juliane Lehmann, Referentin für Sozialpolitik beim ASTA der Universität in Potsdam. In der Landeshauptstadt studieren etwa die Hälfte aller Studenten des Landes, gerade mal 2.355 Wohnheimplätze bietet die Stadt, nur etwa jeder zehnte Studierende kann mit einem Wohnheimplatz rechnen, aber: In Potsdam gibt es kaum Wohnungsleerstand auf dem 'freien Markt', das treibt die Preise nach oben und macht die Situation für Studierende schwierig:
"Ja, eine Prozentzahl, die schwankt zwischen zwei und einem Prozent, das ist eine Zahl, die als eine bezeichnet wird, zu der der Markt dann nicht mehr funktioniert. Man geht davon aus, dass es für einen laufenden Markt zwischen vier und fünf Prozent Leerstand braucht."
Die es in vielen Unistädten aber schlichtweg nicht mehr gibt. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) fordert ein rasches Handeln von Bund und Ländern für zusätzliche, preisgünstige und bezahlbare Wohnheimplätze.
Grund: die neue Prognose der Kultusministerkonferenz, die nun bis zum Jahr 2025 von einer kontinuierlich hohen Zahl von Studienanfängerinnen und -anfängern ausgeht, nämlich fast eine halbe Million pro Jahr und damit 40 Prozent mehr als vorher angenommen.
Studentenwerke: Bund muss mehr Studentenwohnungen finanzieren
DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde:
"Wenn sich Bund und Länder verpflichtet sehen, im Hochschulbereich Kapazitäten zu schaffen, dann ist auch nicht einsehbar, warum die Studierenden, die ja die Möglichkeit bekommen sollen, zu studieren, nicht auch ein Dach über dem Kopf haben sollen und das heißt, dass der Bund dort genauso in der Verpflichtung ist, wir sehen das auch im Rahmen der derzeit geltenden Verfassung."
Das DSW würdigt die Bemühungen einiger Länder, durch eigene Programme zusätzlichen Studentenwohnraum zu schaffen, Bayern zahlt vorbildliche 32.000 Euro Zuschuss pro Wohnheimplatz, Thüringen immerhin noch 20.000.
Die Förderkonditionen und das Finanzvolumen seien jedoch je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Beispiel Brandenburg: Dort sind Neubau und Sanierung bestehender Wohnheimplätze in komplizierten Verhandlungen mit dem Wissenschafts- und dem Infrastrukturministerium sowie den einzelnen Standorten erst einmal ins Stocken geraten. Das ist um so bedauerlicher, als gerade Wohnheimplätze oft die günstigste Form studentischen Wohnens sind – bislang jedenfalls, sagt Karin Bänsch vom Studentenwerk Potsdam.
"Die Durchschnittsmiete für Potsdam liegt bei 223 Euro, liegt also noch im BAFÖG-Satz drin, allerdings ist in den letzten Jahren auch die Steigerung da gewesen, also letztes Jahr war es noch 218 Euro, und wenn natürlich dann Grundsteuer B und alles auch teurer wird in Potsdam - und ich sage Energiefragen- dann hat man so ein Problem."
Viele der Studierenden in Potsdam haben Glück, dass Berlin so nah liegt und mit der S-Bahn schnell zu erreichen ist:
"Naja, Berlin ist eigentlich ein bisschen cooler als Potsdam, das ist eigentlich mein Grund."
"Ich glaub Potsdam ist wesentlich teurer, wenn man sich den Mietspiegel anguckt, grad für jüngere Leute mit kleinem Geldbeutel. Und dann ist Berlin attraktiver."
"Ich hab gar nicht probiert, in Potsdam zu wohnen. Das lag vor allem daran, als ich einmal in Potsdam war und gemerkt hab, dass nach 20 Uhr kein Bus mehr fährt, dachte ich: Nein!"
Allerdings steigen auch in Berlin die Mieten, besonders in den derzeit begehrten Innenstadtlagen.