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StartseiteHintergrundGestrandet an der Grenze zu den USA 22.04.2014

Migranten in TijuanaGestrandet an der Grenze zu den USA

Tijuana, der nordwestlichste Punkt Mexikos und Lateinamerikas, ist der Ort der wartenden Migranten. Sie versuchen, über die Grenze in die USA zu kommen, zu einem vermeintlich besseren Leben. Doch die meist mittellosen Migranten haben oft weder Visum noch Arbeitserlaubnis und Gefahr droht von gefährlichen Banden und korrupten Polizisten.

Von Martin Polansky

Ein obdachloser Migrant vor der US-Mexikanischen Grenze in Tijuana, Mexiko. (dpa picture alliance / David Maung)
Viele Migranten warten im mexikanischen Tijuana auf ihre Chance, in die USA zu gelangen. (dpa picture alliance / David Maung)
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Weiterführende Information

Fremd im eigenen Land (Deutschlandfunk, Eine Welt, 08.06.2013)

¡Viva la muerte! (Deutschlandradio Kultur, Feature, 31.10.2012)

"Paso del Norte" – der Weg nach Norden singen die drei Musiker am Strand von Tijuana. Die Sonne flimmert, der Pazifik ist ruhig – aber tief hinein ragt der Sperrzaun. Eisenstangen vielleicht fünf Meter hoch. Die Grenze zwischen Mexiko und den USA.

Der Strand von Tijuana ist der nordwestlichste Punkt Mexikos und auch Lateinamerikas. Danach kommt nur noch der Pazifik – oder das gelobte Land: die Vereinigten Staaten. Der Sehnsuchtsort für Millionen Mexikaner oder Mittelamerikaner, die tausende Kilometer zurückgelegt haben, um nach Tijuana zu kommen. Zäune, Mauern, Kameras – die letzte Hürde, die entscheidende.

In Sichtweite steht ein Haus. Das Casa de Migrantes. Wer Glück hat, bekommt hier eins der 50 Betten. Die Salesianer gewähren Unterkunft, ein katholischer Orden. Das Haus steht direkt vor dem verschlossenen und gesicherten Tor zu einem vermeintlich besseren Leben. Legaler Grenzübertritt nur mit Visum oder Arbeitserlaubnis - für mittellose Mexikaner oder Zentralamerikaner sind die aber kaum zu bekommen. Padre Ernesto, der Leiter des Casa de Migrantes, hat hier schon tausende Schicksale erfahren:

"Eigentlich gibt es den amerikanischen Traum gar nicht mehr. Er ist mit den Jahren zu einer Illusion geworden, manchmal auch zu einem Albtraum. Viele sind hier, weil sie das Gefühl haben, den USA ganz nah zu sein – vielleicht auch ihren Familienangehörigen dort. Ein trügerisches Gefühl: Zwar sind es nur einige Kilometer, aber durch die Mauer sind sie fast unüberwindbar. Viele erkennen das nicht, oder sie glauben, dass der Sprung über die Grenze ihre einzige Chance ist."

Die USA sind Sehnsuchtsort für Millionen Mexikaner und Mittelamerikaner

Das Casa de Migrantes: Oben ein Schlafsaal mit Doppelstockbetten, fünf Klos, fünf Duschen – im Erdgeschoss die Küche und der Frühstücksraum. Die Bewohner hier – eine zufällige Gemeinschaft sich fremder Menschen, die ein Schicksal teilen: Sie warten auf ihre Chance, um nach Norden zu kommen - gleich am Zaun. Wenn es so etwas wie die typischen Bewohner des Hauses gibt, dann sind es vielleicht Raúl und Helbert. Beide Mitte 20, ein etwas misstrauischer Blick – man weiß nie. Beide haben in den USA gelebt und wurden von dort abgeschoben:

"Ich kam in eine Routinekontrolle. Sie nahmen meine Fingerabdrücke und merkten, dass ich keine gültigen Papiere hatte, um in den USA zu leben. Nach dreißig Tagen haben sie mich dann abgeschoben."

"Ich habe zwölf Jahre in den USA gelebt und nie einen einzigen Strafzettel bekommen. Aber dann haben sie bei mir zuhause Drogen von einem Bekannten gefunden. Ich konnte zwar nachweisen, dass ich damit nichts zu tun habe, aber sie haben mich trotzdem abgeschoben. Meine Frau und meine Tochter sind in den USA geboren. Wir können jetzt nur miteinander telefonieren, manchmal besuchen sie mich auch am Wochenende, aber dann muss meine Frau wieder in die Arbeit zurück."

Dutzende Menschen schlafen auf Matratzen und Doppelstockbetten in einem großen Schlafsaal in einem christlichen Heim für Migranten in Tijuana, Mexiko. (dpa picture alliance / David Maung)Schlafsaal in einem Heim für Migranten im mexikanischen Tijuana an der Grenze zu den Vereinigten Staaten. (dpa picture alliance / David Maung)

Freddy Romero kommt aus El Salvador. Er ist 40, kräftig, um den Hals trägt er eine Kette mit einem Kreuz. In seiner armen mittelamerikanischen Heimat hat Freddy als Tagelöhner auf dem Land gearbeitet, ansonsten selbst geschlagenes Holz verkauft. Vor zwei Jahren hat er sich auf den Weg gemacht – Richtung Norden. Eine Odyssee. Erst hat sich Freddy durchgeschlagen bis zur Grenze zwischen Mexiko und Guatemala. Dann ist er auf den Güterzug aufgesprungen – La Bestia. Die Bestie, wie er von vielen genannt wird. Hunderte sitzen oft auf dem Dach oder halten sich an den Waggons fest. Jeder kennt den Zug, sagt Freddy. Auch die Banden des organisierten Verbrechens, die große Teile der Strecke kontrollieren, um die Migranten auszunehmen:

"Kurz vor Coatzacoalcos wurden wir von schwerbewaffneten Zetas gestoppt. Sie wollten von jedem 300 US-Dollar für die Weiterfahrt und sagten, wer nicht zahlt, den bringen wir um. Ich habe mich in eine Kirche geflüchtet, und der Priester dort gab mir Geld für den Bus. Ich hatte Angst und wollte nicht mehr auf die Bestie. Wenn ich nur darüber rede, kommt sofort diese Angst vor den Männern mit ihren Waffen zurück. Hier in Mexiko gibt es viele gefährliche Banden."

Viele Migranten werden Opfer organisierter Verbrecherbanden

Freddys Angst kommt nicht von ungefähr. Für Banden wie die rücksichtslosen Zetas sind die Migranten aus Mittelamerika leichte Opfer. Mit allem, was sie haben, sind sie meist unterwegs. Anonym und schutzlos. Vor der mexikanischen Polizei müssen sie sich in Acht nehmen – Hilfe ist von ihr kaum zu erwarten. So brauchen die Gangs des organisierten Verbrechens die Migranten nur abzufangen.

Manche sollen Schutzgelder zahlen, andere werden gezwungen, Drogen über die Grenze zu schmuggeln – wer sich weigert, riskiert sein Leben. Ungezählte Migranten verschwinden einfach auf dem Weg Richtung Norden. Manche spurlos, andere enden in Massengräbern, die irgendwann entdeckt werden. Freddy hat es an die Grenze geschafft. In dem Casa gleich hinterm Zaun lebt er nun seit gut drei Monaten:

"Ich bin besorgt, ausgelaugt und leer, habe nichts erreicht, besitze kein einziges Dokument, um zumindest in Mexiko Arbeit zu finden. Gott sei Dank habe ich ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. Es geht mir nicht darum, reich zu werden. Aber ich wollte ein besseres Leben. Hätte ich in meiner Heimat ein Haus und ein bisschen Land gehabt, wäre ich nie weggegangen."

Acht Uhr morgens im Casa. Es ist noch kalt von der Nacht in dieser staubtrockenen Gegend. Draußen stehen schon ein paar Hundert Leute, warten in einer langen Schlange auf das einfache, aber warme Frühstück, das gleich im Haus ausgeteilt wird. Der Traum vom besseren Leben dürfte sich für viele vor dem Haus nicht mehr erfüllen. Ein Großteil lebt auf der Straße, manche in Sandlöchern am Rande des nahen Rio Tijuana, der nach Kloake riecht. Und sehr viele sind unübersehbar den Drogen verfallen. In der Stadt am Tor zur besseren Welt ist etwa Heroin weit verbreitet. Ausgemergelt und mit zerschundener Kleidung warten sie hier jeden Tag:

"Ich brauch das Zeug, am besten Heroin, aber ich zieh mir auch Kokain, Crystal, Crack oder Gras rein, solange es mir hilft, dieses Scheißleben in Mexiko durchzustehen. Ich spritz auch anderen, denn das muss man können, sonst bekommt man Eiterbeulen und stirbt oder man bekommt Würmer unter der Haut."

"Ich komme jeden Morgen hierher. Für ein Frühstück und manchmal kann ich hier auch duschen. Ich wohne in einem kleinen Zimmer außerhalb von Tijuana. Arbeit gibt es kaum und wenn, wollen sie Papiere sehen, die ich nicht habe. Und von der Regierung können wir überhaupt keine Hilfe erwarten."

"Man kann die verzweifelten Leute nicht stoppen"

Drinnen wird das Frühstück ausgeteilt. Manchmal eine Suppe mit Brot, manchmal Enchiladas mit Bohnen. Dazu Kaffee und Saft. Ein kurzes Gebet am Sechser-Tisch, dann bleiben vielleicht 15 Minuten – draußen warten die Nächsten. Victoria Rosas kommt drei Mal die Woche als freiwillige Helferin aus San Diego herüber. Seit gut 30 Jahren lebt sie ganz legal in den USA, hat ein kleines Business und einen großen Wagen, mit dem sie Brot und anderen Lebensmittel rüberbringt, deren Haltbarkeit abgelaufen ist. Freier Grenzverkehr für sie – im Gegensatz zu denen, die zum Frühstück ins Haus kommen:

"Je höher sie den Grenzzaun bauen, desto mehr werden dort ihr Leben lassen. Aber man kann die Leute nicht stoppen. Sie sind so verzweifelt – wenn es hier nicht mehr geht, dann versuchen sie es in einem Boot. Ich finde es verlogen, dass alle immer nur auf die Mexikaner schauen. Viele Europäer kommen als Touristen in die USA geflogen und bleiben dann einfach da. Diesen Fällen wird kaum nachgegangen. Aber den mexikanischen Migranten schreibt man alles Negative zu."

Victoria teilt heute Morgen Kaffeebons aus. Im Gegensatz zu vielen in der Frühstücksschlange wirken auch die Bewohner des Casas fast schon privilegiert. Auch sie können geben und nicht nur nehmen, sind sauber gekleidet, haben ein Bett, bekommen zwei Mahlzeiten am Tag. Es ist ein Deal: Arbeit gegen Unterkunft. Frühstück machen für die täglich eintausend Besucher. Klare Regeln herrschen im Haus. Geordneter Tagesablauf. Rausgehen nur mit Erlaubnis. Kein Alkohol, keine Drogen.

Für Hugo vielleicht die letzte Chance. Der junge, dürre Mann ist am ganzen Körper tätowiert. Hugo hat ein Drogenproblem und wirkt manchmal nicht ganz bei sich. Aus Mexikos Hauptstadt hat es ihn wohl hierher verschlagen. Aber so genau weiß das keiner. Hugo liegt unten in einem der Etagenbetten. Eines Morgens ist er verschwunden. Als er irgendwann gegen Mittag wieder auftaucht, ist klar: Hugo wurde fast umgebracht. Am Hals dunkle Drosselmahle, das Gesicht blutig und geschwollen. Er braucht ein paar Tage, um wieder sprechen zu können:

"Ich wollte mir gegen halb sieben einen Kaffee kaufen, da hielt mich eine Polizeistreife an und fragte mich nach Drogen. Einer von ihnen schlug mir mit der Faust auf den Kopf, legte mir Handschellen an, zerrte mich in den Polizeiwagen. Während der Fahrt lag ich auf dem Bauch, er trat mir immer wieder ins Gesicht und in den Rücken und sagte: Verschwinde aus unserer Gegend oder wir lassen dich verschwinden. Dann legte er mir ein Seil um den Hals, zerrte mich in eine Schlucht. Ich musste mich hinknien, mein Hemd über das Gesicht ziehen, und ich dachte, jetzt erschießt er mich. Aber er schlug weiter auf mich ein. In der Nähe des Grenzzauns ließen sie mich dann gehen und sagten einfach nur: Verpiss dich."

Migranten werden von Tijuanas Behörden und Polizei nicht gern gesehen

Der Padre erstattet sofort Anzeige. Er kennt das schon. Tijuana ist zwar der Ort der wartenden Migranten. Aber viele in der Stadt sehen das nicht gerne. Vor allem die Behörden und die Polizei. Die Patrouillen halten in der Innenstadt ständig Leute an, die aussehen, als ob sie hier nicht hingehören. Hände an die Wand, abtasten, ausfragen – oft wohl auch mehr. Padre Ernesto Tage später:

"Auf unsere Anzeige haben wir bis jetzt keine Antwort bekommen. Wir gehen davon aus, dass korrupte Polizisten ihre korrupten Kollegen decken. Hier in Tijuana gibt es Polizeibeamte, die versuchen, die Not und Verzweiflung der Migranten auszunützen. Von diesen Beamten geht die größte Gefahr aus. Für sie ist jeder verdächtig, der einen Rucksack oder einer Decke auf dem Rücken hat. Und wenn er ein Migrant ist, wird er eingesperrt, ausgeraubt, erpresst oder manchmal sogar gezwungen, eine Straftat zu begehen."

Arnulfo de León ist der Menschenrechtsbeauftragte des mexikanischen Bundesstaates Baja California. Der Mann mit selbst tönender Brille und strahlend weißem Hemd wirkt nicht unbedingt so, wie man sich einen Menschenrechtsbeauftragten vorstellt. Er macht keinen Hehl daraus, dass auch er die vielen Migranten als Problem ansieht. Die USA würden einfach die Leute abschieben:

"Die mexikanische Polizei bekommt von den US-Behörden keinerlei Information zu den Deportierten - auch nicht, wenn sie dort im Gefängnis gesessen haben. Also sollte unsere Polizei jeden abfangen und untersuchen, ob gegen sie etwas vorliegt. Aber da haben wir leider schon ein Problem, denn das würde gegen die Menschenrechte verstoßen. Aber wir müssen diese Leute überwachen, denn viele begehen hier schwere Straftaten – bis hin zu Mord."

Arnulfo de León betont: Er setze sich für die Menschenrechte ein. Die Migranten würden nicht ohne Grund eine bessere Zukunft in einem anderen Land suchen. Auch garantiere Mexiko offiziell allen Mittelamerikanern den Transit durch das Land, um an die US-Grenze zu gelangen. Aber in Tijuana gebe es zu viele Problemfälle:

"Wir suchen auf verschiedenen Regierungsebenen nach einer Lösung. Unser Ziel ist ein integriertes Programm: Wer in seine Heimat zurückkehren will, den wollen wir dabei unterstützen. Und Drogensüchtige gehören in Rehabilitationszentren eingewiesen. Die meisten werden das nicht freiwillig machen – da muss der Staat dann durchgreifen, sie einsammeln und auf Entzug schicken."

Die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bei Tijuana (dpa picture alliance / Mike Nelson)Die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bei Tijuana (dpa picture alliance / Mike Nelson)
Bewegungsmelder, Patrouillen, Hundestaffeln: Die Grenze ist gut gesichert

Es ist Abend. Aufregung im Casa. Für die Nacht ist Bodennebel angekündigt. Die Chance zum Grenzübertritt. Raúl und Helbert wollen nicht länger warten, sondern ihr Glück versuchen. Der Padre weiß, dass er sie nicht abhalten kann:

"Das wichtigste was ihr habt, ist euer Leben. Ihr müsst wissen, wie weit ihr gehen könnt. Habt ihr was Warmes zum anziehen dabei?"

Ja, sagt Helbert. Ein kurzes Gebet vor einem Bild der Heiligen Jungfrau von Guadalupe. Nur ein Rucksack auf den Schultern, etwas Wasser. Im Linienbus geht es dann durch die Dunkelheit entlang der hell erleuchteten Grenze zu einem sandigen Hügel mit vielen Gräben, in denen man sich gut verstecken kann. In zehn, fünfzehn Kilometern Entfernung sehen Helbert und Raúl die Lichter von San Diego:

"So nah und doch so fern. Ich denke nur daran, jetzt rüberzukommen, meine Familie wiederzusehen."

"Im Augenblick ist es ruhig. Ich hoffe, dass es tatsächlich bald Nebel gibt."

Wenn der Nebel kommt, haben wir einen Vorteil. Die US-Grenzer in den Hubschraubern können uns dann nicht mit ihren Nachtsichtgeräten erkennen. Jetzt gerade kommt ein Helikopter, wenn sie uns sehen, wissen sie, wo wir sind. Besser wir halten uns in Deckung."

Auf dem Hügel warten Dutzende in dieser Nacht auf ihre Chance. Eine Stimmung wie zwischen Schnitzeljagd und Fronteinssatz. Es geht um viel: sich in die Zukunft schleichen oder im Abschiebegefängnis enden. Die Grenze ist gut gesichert. Bewegungsmelder, Patrouillen – manchmal auch mit Hundestaffeln. Genau hier am Berg gibt es aber ein paar Hundert Meter ohne Zaun. Vielleicht ein Trick der US-Grenzer, um die Migranten gerade hierherzulocken. Abgefangen werden sie dann im kilometerbreiten Niemandsland gleich hinter der Grenze. Nur wer bis zur Stadt kommt und dort vielleicht von Bekannten mit Auto erwartet wird, hat es geschafft. Das ist auch Raúls Plan:

"Man muss drüben über den Berg und sich dann im Gebüsch verstecken. Hier an dieser Stelle ist es nicht so gefährlich. Ich glaube nicht, dass hier mehr als zehn Grenzer unterwegs sind und die können nicht das ganze Gebiet abzudecken. Wenn sie Leute verfolgen, die an einer Stelle rüber rennen, bleibt dieser Teil ungeschützt."

Stunden vergehen. Aber kein Nebel in Sicht. Raúl und Helbert warten in der Dunkelheit, schleichen sich durch das Gelände. Warten. Irgendwann sind sie weg. Am nächsten Morgen im Casa de Migrantes. Raúl und Helbert tauchen wieder auf – mit ihren Rucksäcken. Sie haben es nicht geschafft. Raúl schaut enttäuscht:

Ohne Visum geht es nur illegal über die Grenze

"Es ist einfach kein Nebel gekommen. Und die ganze Zeit waren da Patrouillen und Hubschrauber. Es war schlicht zu gefährlich, obwohl wir bis acht Uhr morgens dort waren. Aber wir werden wieder an die Grenze gehen und versuchen rüberzukommen, wenn es sicherer ist."

Auch Raúl und Helbert ist klar: Was sie machen, ist eigentlich illegal. Zumindest nach US-Gesetzen. Doch vieles in Tijuana ist auf den heimlichen Grenzübertritt ausgerichtet. Und so kann man auch dem Casa de Migrantes vorhalten, das es zumindest Beihilfe leistet zum Rechtsbruch. Aber Padre Ernesto betont, dass er an Gott glaubt und sich den Menschen verpflichtet fühlt – nicht den US-Einwanderungsgesetzen:

"Wir geben den Migranten Essen, Orientierung und Unterstützung – aber wir stiften sie nicht dazu an rüberzugehen. Es geht hier nicht um Legalität oder Illegalität. Wir können dieses Übel nicht mit ansehen, ohne etwas dagegen zu machen. Wir dürfen die Menschen nicht einfach vor die Hunde gehen lassen. Ja, sie versuchen über die Grenze zu kommen. Aber dieser Wunsch liegt doch im Gen der USA, einem Land von Einwanderern auf der Suche nach einem besseren Leben.

Die USA ist ein Magnet für die Menschen, und wenn sie kein Visum bekommen, dann geht es eben nur illegal. Ich frage mich, wenn die Leute ohne Probleme ein- und ausreisen könnten, um in den USA eine Zeit lang zu arbeiten, würden sie dann wirklich dort bleiben wollen? Man sollte darüber nachdenken, in wie weit diese restriktiven Gesetze angemessen sind. Oder ob wir eine tief greifende Reform brauchen, die von reellen Bedürfnissen ausgeht.

Ich finde es eine Schande, was die US-Regierung macht. Das Land an sich ist gut, um dort Geld zu verdienen. Aber heutzutage gilt es als Verbrechen, ohne Erlaubnis den US-Boden zu betreten. Als hätte man sonst was ausgefressen. Das ist nicht korrekt. Denn der amerikanische Traum heißt für die meisten Leute doch nur, dass sie dort arbeiten wollen."

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