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Migrationsbericht
Von klein auf diskriminiert

Deutschland ist das zweitbeliebteste Zuwanderungsland der Welt. Trotzdem müssen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland in vielen Lebensbereichen Nachteile in Kauf nehmen. Laut Migrationsbericht der Regierung beginnen die Probleme schon in der Kindertagesstätte.

Von Dirk-Oliver Heckmann | 29.10.2014

    Aydan Özoguz von der SPD fordert die doppelte Staatsbürgerschaft
    Aydan Özoguz von der SPD fordert die doppelte Staatsbürgerschaft (dpa / picture-alliance / Hannibal Hanschke)
    Mittlerweile ist es praktisch Konsens: Deutschland ist ein Zuwanderungsland. Laut OECD sogar das zweitbeliebteste der Welt. In den vergangenen 15 Jahren habe sich eine Menge in positiver Hinsicht geändert, meinte Aydan Özoguz bei der Vorstellung ihres Berichts. Aber: Die Nachteile, die Menschen mit Migrationshintergrund in Kauf nehmen müssen, sind weiter gewaltig.
    Das verdeutlichen einige Zahlen, die in dem rund 700 Seiten starken Dokument nachzuschlagen sind:
    11 Prozent der jungen Deutschen bleiben ohne Berufsabschluss. Bei denjenigen mit ausländischem Pass aber sind es fast dreimal so viele, nämlich gut 30 Prozent.
    Bei Menschen mit ausländischen Wurzeln ist die Zahl derer, die von Armut bedroht sind, mehr als doppelt so groß wie die der Deutschen.
    Migranten mit Abitur sind häufiger von Armut bedroht als Deutsche mit Hauptschulabschluss
    Nicht einmal den Migranten, die Abitur haben, nützt das etwas. Sie sind häufiger von Armut bedroht als Deutsche mit einem Hauptschulabschluss.
    Junge Migranten bekommen schlechtere Noten, nur weil sie ausländische Namen tragen. Und auch bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz – so Özoguz – haben sie weiter zu oft das Nachsehen. Schon ganz zu Beginn der Bildungskarrieren, in den Kitas, müsse sich etwas ändern.
    Angesichts der hohen Zahl an Flüchtlingen, die Deutschland derzeit aufnimmt, warnte Özoguz davor, alte Fehler zu wiederholen; erneut zu denken, die Menschen würden 2-3 Jahre bleiben, und dann schon wieder gehen. Die deutsche Gesellschaft aber habe sich hier auch längst weiterentwickelt.
    Ausdrücklich lobte die Integrationsbeauftragte die Beschlüsse, die das Bundeskabinett heute verabschiedet hat, und die die Bewegungsfreiheit von Asylbewerbern und deren Zugang zum Arbeitsmarkt erweitern. Für die SPD-Politikerin sind das die Mechanismen, die benötigt werden, damit die Menschen in Deutschland ankommen können:
    Für Aydan Özoguz ist die Devise deshalb klar: Den Flüchtlingen muss schnell der Zugang zu Deutsch- und Integrationskursen ermöglicht werden. Schüler müssten zügig ins Schulsystem integriert; und den Älteren Alternativ-Angebote gemacht werden.