Sonntag, 20.10.2019
 
Seit 18:10 Uhr Informationen am Abend
StartseiteCampus & KarriereMit Einverständniserklärung an der Uni05.01.2017

Minderjährige StudierendeMit Einverständniserklärung an der Uni

Die Zahl der minderjährigen Studierenden an deutschen Universitäten hat sich seit 2004 verzehnfacht. Gründe dafür sind das Abitur nach acht Jahren und die frühe Einschulung vieler Kinder. Die Unis haben sich mittlerweile auf die jungen Studierenden eingestellt.

Von Anja Nehls

Studenten in der Bibliothek. Viele Universitäten nehmen an der "Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" teil: Hunderte Studenten überwanden sich gemeinsam und begannen mit den bislang liegen gebliebenen Hausarbeiten. (dpa / picture alliance / Maja Hitij)
Studenten in der Bibliothek. Minderjährige können hier nicht immer alle Bücher ausleihen. (dpa / picture alliance / Maja Hitij)
Mehr zum Thema

Bildungsforscher Hans-Peter Klein Zentralabitur ist "eine Art Realsatire"

Kaste und patriarchale Strukturen Diskriminierung im indischen Hochschulsystem

Ökonom Armin Falk über Ungleichheiten Soziale Herkunft entscheidet über Zukunft

Syrische Studenten in Deutschland Grundstein für die Zukunft abseits von Krieg und Terror

Hochschule Schwerer Start für viele Studienanfänger

Generation Halbwissen "Das Niveau der Schulabgänger ist nicht besser geworden"

Mathe für Bioinformatiker an der Freien Universität Berlin. Joanna Radeck und Sonja Batke sind in diesem Kurs die Jüngsten. Beide haben schon mit 17 angefangen zu studieren. Im Sommer haben sie Abitur gemacht. Aber während die meisten ihrer Klassenkameraden erst mal ein Jahr im Ausland verbringen, jobben, reisen oder ein freiwilliges soziales Jahr machen, wollten die beiden gleich loslegen:

"Und ich glaube auf dem Lebenslauf sieht es im Endeffekt vielleicht auch besser aus, wenn man nicht so ein Jahr Pause wie viele erst mal machen, denn das ist mittlerweile ja so ein Trend, dass viele ein Auslandjahr machen, aber dann eigentlich nichts in diesem Jahr machen, sondern einfach Spaß haben."

"Ja ich denke, wenn man jetzt so früh angefangen hat, kann man auch später noch ins Ausland gehen oder zwischendurch ein Auslandssemester einlegen."

Quote für Minderjährige

Darüber hinaus wollte sich Sonja Batke den Studienplatz sichern. In Berlin gibt es nämlich, wie zum Beispiel auch in NRW, eine Quote von fünf Prozent der Studienplätze, die für minderjährige Bewerber vorgesehen sind, die noch bei den Eltern wohnen. Mit dem Numerus Clausus für Bioinformatik hätte es bei ihr vielleicht sonst knapp werden können:

"Deshalb habe ich mir gedacht, dass wenn ich dieses Jahr noch 17 bin, dass es dann Sinn macht, diesen Bonus auszunutzen und dann auch gleich anzufangen zu studieren."

4000 minderjährige Studierende gibt es an den deutschen Hochschulen, so viele wie nie zuvor. An der Technischen Universität Berlin haben sich zum Wintersemester fast 400 Siebzehnjährige und sogar 20 Sechszehnjährige beworben. Ein Problem ist das für die Uni nicht, sagt Alexander Rindfleisch von der TU Berlin:

"Es gibt Personen, die sind mit 17 reifer als andere mit 20. Insofern ist es vom Reifegrad und was man da an Betreuung braucht, ist es glaube ich nicht vom biologischen Alter abhängig. Wo es natürlich interessant wird, ist bei so Dingen wie Exkursionen, die mehr als einen Tag dauern, wo es auch um Übernachtungen geht, um Laborarbeit mit gefährlichen Stoffen, da wird es dann spannend."

Da braucht es dann eine Einverständniserklärung der Eltern, genauso wie für die Immatrikulation an sich. Ein Problem gibt es manchmal auch in den Universitätsbibliotheken:

"Weil es natürlich auch Schriften gibt, die als jugendgefährdend eigestuft werden, die natürlich in den Bibliotheken durchaus vorhanden sind, weil man sie für wissenschaftliche Zwecke braucht, die aber in irgendwelchen Giftschränken lagern, wo man auch nicht so einfach drankommt, gerade wenn man noch nicht 18 ist."

Die Jüngsten - auch im Job

Damit hatten Joanna Radeck und Sonja Batke noch kein Problem. Eine Unterschrift ihrer Eltern galt bisher für alles, jedenfalls für alles, was unmittelbar mit dem Studium zu tun hatte, sagt Joanna Radeck:

"Das Einzige, was mir jetzt einfallen würde, wo man einen Unterschied merkt, ist vielleicht im sozialen. Also diese Veranstaltungen mit abends weggehen, da kommt man halt noch nicht überall rein."

Ansonsten könne man von den Älteren im Semester auch ganz gut profitieren, meinen die beiden angehenden Bioinformatikerinnen, die sich irgendwann zum Beispiel mal mit der Verarbeitung großer Datenmengen von Genanalysen oder DNA im Pharmabereich beschäftigen werden. Wenn sie das Studium genauso flott durchziehen wie die Schule, sind sie mit 23 Jahren mit Bachelor und Master fertig – und im Job dann vermutlich wieder die Jüngsten:

"Ich war es halt gewohnt, immer mit älteren Leuten zu tun zu haben. Ich habe mich auch immer gefühlt, als ob ich älter wäre. Ich habe halt einen älteren Bruder und man ist ja auch in der Schule schon immer die Jüngste oder eine der Jüngsten gewesen, dadurch ist man es ein bisschen gewohnt, dass man jünger ist."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk