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StartseiteSport am Wochenende"Ist jemand so weit, dem Druck standhalten zu können?"26.01.2020

Mindestalter für Profi-Fußballer"Ist jemand so weit, dem Druck standhalten zu können?"

Die Deutsche Fußball Liga plant, das Mindestalter im Profibereich herabzusetzen. Die Psychologin Babett Lobinger befürwortet eine Debatte über Entwicklung und Reife junger Fußballtalente, sieht aber auch Grenzen.

Babett Lobinger im Gespräch mit Jessica Sturmberg

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Die Dortmunder Jungstars Giovanni Reyna (17) und Erling Haaland (19) (Renate Feil/M.i.S./imago)
Die Dortmunder Jungstars Giovanni Reyna (17) und Erling Haaland (19) (Renate Feil/M.i.S./imago)
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Die aktuelle Regelung sieht vor, dass Spieler bei ihrem Liga-Debüt das 18. Lebensjahr vollendet haben müssen oder zum jüngeren Jahrgang der U19 zählen. Grundsätzlich befürwortet die Psychologin Babett Lobinger von der Deutschen Sporthochschule, dass Altersgrenzen für junge Spieler diskutiert werden. "Weil der eine sich schneller entwickelt, der andere entwickelt sich ein bisschen langsamer. Und die Bereitschaft ist immer eine relative. Also erstmal schön, dass man sich darüber Gedanken macht, ob da jemand vorbereitet ist."

Entscheidend ist für sie eine Frage: "Ist da jemand so weit, diesen Druck standhalten zu können?" Das sei nicht nur eine Frage von Persönlichkeit, sondern auch des bisherigen Entwicklungsverlaufs.

Psychologin Babett Lobinger von der Deutschen Sporthochschule in Köln. (Kenny Beele/Deutsche Sporthochsc)Psychologin Babett Lobinger von der Deutschen Sporthochschule in Köln. (Kenny Beele/Deutsche Sporthochsc)

Die Fußballvereine sieht Lobinger in einer guten Position: "Man weiß, dass es wichtig ist, eben Talente auch in psychologischen Bereich zu begleiten. Von daher bin ich schon ganz optimistisch, dass man eben auch dieses mentale Handwerkszeug lernt. Also: Wie gehe ich mit Stress um? Und auch, dass dafür gesorgt wird, dass es ein entsprechendes Umfeld gibt, in dem sich ein Talent entwickeln kann."

Lobinger empfiehlt aber zusätzliche Unterstützung für junge Spieler: "Man muss nicht nur vorbereitet werden, sondern im Prozess eben auch begleitet werden. Das kann so ein Verein leisten, und die machen das auch verantwortungsbewusst. Aber ich würde trotzdem jedem individuell raten, sich darüber Gedanken zu machen, ob er noch einen Coach an seine Seite stellt."

Warnung vor einer "Kettenreaktion"

Der frühe Einstieg in den Profi-Bereich hat für die Psychologin aber auch Grenzen: "Bei aller Individualisierung kann man auch darüber nachdenken, ob es irgendwo auch zu früh ist. Denn dann zieht man vielleicht nicht nur Talente aus der U17 hoch, sondern demnächst vielleicht auch aus der U15. Dann sind die Entwicklungsprozesse noch nicht so abgeschlossen, wie wir uns das wünschen würden. Also das ist ja eine Kettenreaktion, die da angestoßen wird."

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