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StartseiteMarkt und MedienMinispenden per Mausklick12.06.2010

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Flattr verspricht Geld für Blogger

Unter den deutschen Bloggern sorgt derzeit das Spendensystem Flattr für Aufsehen: Über die Micropayment-Platform können Leser den Autoren kleine Geldspenden zukommen lassen. Einige der wichtigsten deutschsprachigen Blogs haben in den vergangenen Tagen Flattr in ihre Webseiten eingebunden.

Von Stefan Römermann

Lassen sich mit Spendensystemen wie Flattr auch professionelle journalistische Angebote finanzieren?  (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Lassen sich mit Spendensystemen wie Flattr auch professionelle journalistische Angebote finanzieren? (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
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Flattr

Den Chefs vieler Medienunternehmen dürfte Flattr schon per se suspekt sein. Chef der Firma ist nämlich Peter Sunde - einer der Gründer von "Pirate Bay", der wohl bekanntesten Internet-Seite mit Links zu illegalen Musik- und Filmdownloads. Durch die Arbeit bei "Pirate Bay" sei er immer wieder in Debatten über die Gefahren des Internet verwickelt worden, erzählt Sunde.

"Es ging bei diesen Diskussionen nie darum, wie man kreative Menschen bezahlen könnte - sondern immer nur darum, wie man die Industrie für angebliche Verluste entschädigen könnte. Und das fand ich total uninteressant und langweilig."

Er selbst habe deshalb versucht, die Mechanismen des Internet zu nutzen, um ein einfaches und gerechtes Bezahlsystem für Inhalte im Internet zu schaffen. Heraus kam der grün-orange Flattr-Button, der seit einigen Tagen unter den einzelnen Artikeln in vielen Blogs und verschiedener Online-Medien zu finden ist. Mit einem Klick auf den Button können Flattr-Nutzer sagen, dass ihnen der Artikel gut gefällt - und gleichzeitig eine Spende an den Autor schicken.

"Du meldet dich dafür auf unserer Webseite an, und legt dort erst einmal selbst fest, wie viel Geld du monatlich bezahlen ausgeben möchtest. Und am Ende des Monats zählen wir zusammen, wie viele Artikel du angeklickt hast, und verteilen dein Geld dann in gleichen Teilen an die Autoren der Inhalte."

Je nachdem, wie häufig ein Nutzer den Flattr-Button anklickt, erhalten die Autoren dementsprechend einen größeren oder kleineren Betrag, meist wenige Cent pro Klick. Doch die Beträge läppern sich zusammen. Das Blog "Spreeblick" berichtet von immerhin 110 EUR Spenden in den ersten 14 Tagen für die eigene Seite. Auch im einflussreichsten deutschsprachigen Blog "netzpolitik.org" können die Leser seit Ende Mai "flattern". Betreiber Markus Beckedahl hofft zumindest auf ein kleines Zubrot.

"Nutzer wollen Angebote, die einen Mehrwert für sie bieten auch gerne unterstützen. Und ich glaube schon, dass diese Spendenbereitschaft anhält, und das Flattr gerade die Chance hat, zum ersten Mal so einen Dienst anzubieten, der von vielen angenommen wird, und in das tägliche Leben integriert wird."

Ob das wirklich funktioniert, steht längst noch nicht fest. Denn offiziell läuft Flattr noch in der sogenannte Beta-Testphase. Anmelden können sich bisher deshalb nur Nutzer, die eine Einladung bekommen haben. Regulär starten soll Flattr erst im Laufe des Sommers. Gleichzeitig kämpft mit der amerikanischen Firma Kachingle zurzeit noch ein weiteres Bezahlsystem mit ähnlichem Konzept um das Geld der Internet-Nutzer. Doch obwohl Kachingle bereits im März offiziell gestartet ist, haben bisher nur wenige deutsche Blogs und Online-Medien den entsprechenden Button in ihre Webseite eingebaut. Doch egal wer am Ende das Rennen macht: Blogger Beckedahl hält die Zeit für solche Spendensysteme für gekommen.

"Ich glaube schon, dass solche Dienste wie Flattr eine Ergänzung im Einnahmenmix eines Journalisten Angebotes darstellen können. Das wird wahrscheinlich nicht bei allen so sein. Auch ein kleines Blog, was halt nur hundert Leser hat, wird damit nicht reich werden. Aber bei den größeren kann das zu einer Refinanzierungsmöglichkeit werden."

Doch lassen sich mit solchen Spendensystemen neben Blogs auch professionelle journalistische Angebote finanzieren? Der Leipziger Medienwissenschaftler Michael Haller bleibt skeptisch.

"Das kann nur funktionieren in speziellen Communitys. Also wenn eine hohe Identifikation in der Community da ist, mit dem Anbieter. Also nehmen wir mal das weitere Umfeld der Genossenschaftler rund um die 'taz' und viele 'taz'-Leser. Da ist ein starker Community-Gedanke da."

Medienjournalist und Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier sieht das ähnlich. Außerdem sei völlig offen, wie viele Menschen bereit seien, dauerhaft Geld für eigentlich kostenlose Inhalte auszugeben, warnt Niggemeier.

"Wir haben bei Bildblog früher den Versuch gemacht, uns allein über Spenden zu finanzieren, und haben da die Erfahrung gemacht: Am Anfang gibt es eine ganz große Welle von Leuten, die sagen: Super, wir geben da was, wir sind da mit dabei. Und dann lässt das ganz schnell nach. Also, das war ein bisschen ernüchternd, die Erfahrung."

In seine eigene Webseite hat Niggemeier vor einer guten Woche trotzdem den Flattr-Button eingebaut. Die Idee sei schließlich toll.

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