Interview der Woche
Ministerpräsidentin Rehlinger skeptisch angesichts geplanter Pflicht zu Krankschreibung ab erstem Tag

Innerhalb von Union und SPD wird über die Pläne der Regierung diskutiert, dass Beschäftigte schon am ersten Tag einer Erkrankung eine Krankschreibung vorlegen müssen. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Rehlinger sagte im Interview der Woche des Deutschlandfunks, ein grundsätzliches Misstrauen, dass sich jeder zum Blaumacher gemausert habe, sei nicht angebracht.

    Anke Rehlinger hält eine Rede bei einem SPD-Parteitag.
    Anke Rehlinger ist seit April 2022 Ministerpräsidentin des Saarlandes (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)
    Zwar müsse man sich um die hohe Zahl der Krankentage in Deutschland durchaus kümmern, sie zweifele jedoch, ob die Erste-Tag-Regelung dafür das richtige Instrument sei. Wenn von nun an Menschen die Wartezimmer füllen würden, die besser zu Hause blieben, sei das "nicht die günstigste Ausgestaltung" der Regel.

    Rehlinger: Ursachen für Krankenstand bekämpfen

    Die saarländische Ministerpräsidentin rief außerdem dazu auf, die Ursache der hohen Krankentagszahl zu überprüfen, um so besser gegenwirken zu können. Sie nannte die geplante Regelung einen der "problembehafteten" Punkte im Reformpaket.
    Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Schwartze, ebenfalls SPD, kritisierte in den Funke-Medien, die Regelung sei eine unnötige Belastung für alle und erhöhe die Ansteckungsgefahr. Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Radtke, sagte dem "Spiegel", der politische Streitwert scheine in keinem gesunden Verhältnis zu den vermeintlichen Verbesserungen zu stehen.
    Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hatte sich diese Woche auf Änderungen bei der Krankschreibung geeinigt. Künftig sollen Beschäftigte diese bereits ab dem ersten Tag vorlegen. Unklar ist, wie genau dies geregelt werden soll.
    Diese Nachricht wurde am 04.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.