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StartseiteSternzeitKrater unter dem Eis Grönlands18.11.2020

Mit Radar zu entdeckenKrater unter dem Eis Grönlands

Einschlagkrater gibt es nicht nur auf Mond und Merkur, sondern auch auf allen anderen Körpern des Sonnensystems mit einer festen Oberfläche. Auch auf der Erde sind mehr als zweihundert kleinere und größere Krater bekannt. In den letzten Jahren sind zwei weitere in Grönland dazu gekommen.

Von Hermann-Michael Hahn

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Nicht weit vom Krater Hiawatha entfernt gibt es noch eine weitere ringförmige Struktur unter dem Grönlandeis, möglicherweise ebenfalls der Überrest eines Einschlagkraters (NASA)
Nicht weit vom Krater Hiawatha entfernt gibt es noch eine weitere ringförmige Struktur unter dem Grönland-Eis, möglicherweise ebenfalls der Überrest eines Einschlagkraters (NASA)

Ein Krater hat einen Durchmesser von rund 30 Kilometern, ein zweiter ist sogar noch sechs Kilometer größer. Beide befinden sich unter dem kilometerdicken Inlandeis Grönlands und wurden zunächst in den Radardaten spezieller Erdbeobachtungssatelliten und entsprechender Forschungsflugzeuge gefunden. Hinzu kamen messbare Abweichungen des lokalen Schwerefelds, wie sie für größere Einschlagkrater typisch sind.

Eingestürzte Vulkankraterkegel, die Fachleute sprechen von Calderen, lassen sich dagegen als Erklärung ausschließen. Zum einen sind andere Vulkangebiete Grönlands viele hundert Kilometer entfernt, zum anderen fehlen die auch für erloschene Vulkane typischen Abweichungen des lokalen Magnetfeldes.

Der Krater Hiawatha unter dem Eisschild Grönlands wurde erst 2018 anhand tiefreichender Radarbeobachtungen entdeckt (NASA)Der Krater Hiawatha unter dem Eisschild Grönlands wurde erst 2018 anhand tiefreichender Radarbeobachtungen entdeckt (NASA)

Obwohl die beiden Grönlandkrater nur etwa 180 Kilometer voneinander entfernt liegen, müssen sie nicht notwendigerweise gleichzeitig entstanden sein, etwa durch den Einschlag eines Doppelasteroiden.

Modelle für die Erosionswirkung der darüber liegenden Eisschichten liefern erste Anhaltspunkte für ihr Alter. Danach dürften beide Krater irgendwann innerhalb der letzten 100 Millionen Jahre entstanden sein – spätestens aber vor rund 80.000 Jahren, denn so alt ist der heutige Eisschild in dieser Gegend.

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