
Die im Fachmagazin PNAS veröffentlichte Studie legt eine Verbindung zwischen sozialem Status und der Forderung nach Gehaltsverhandlungen offen. Wer aus einem Elternhaus stammt, in dem kein Elternteil einen Studienabschluss hat, verhandelt demnach seltener. Die Studie zeigt auch: Wenn Mitarbeitende mit diesem sozialen Hintergrund dennoch verhandeln, gelten sie schneller als unkooperativ als Kollegen mit akademischem Hintergrund. Das wiederum mindert bei ersten Bewerbungsgesprächen die Einstellungschancen.
Der Soziologe Carsten Sauer von der Universität Bielefeld sieht in diesem Fall zwei Mechanismen, die einander zuspielen. Je höher die eigene soziale Klasse, desto eher habe der Verhandelnde das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Je geringer die soziale Klasse, desto eher empfinde der Verhandelnde eine Forderung nach höherem Gehalt als unangemessen. Sauer zufolge liegt die Ursache dafür bereits in der Kindheit. Durchsetzungsvermögen werde vor allem in höheren sozialen Klassen honoriert. Sauer empfiehlt, nicht auf das eigene Gefühl zu achten, das Gehaltsverhandlungen als unangemessen verdammt, sondern auf faktische Vergleichsgrößen zu setzen.
In Deutschland sieht der Professor für die Sozialstrukturanalyse sozialer Ungleichheiten die Unterschiede aber vor allem zwischen Männern und Frauen. Frauen verhandelten deutlich seltener als Männer, erklärt Sauer. Daraus ergebe sich ein entsprechender Unterschied im Einkommen.
2025 verdienten Frauen in Deutschland im Schnitt 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Die Europäische Union will gegen den sogenannten Gender Pay Gap auch mit einer Richtlinie zur Entgelttransparenz gegenwirken. Damit haben seit Anfang Juli alle Beschäftigten Anspruch darauf zu erfahren, was Kolleginnen und Kollegen für gleiche oder gleichwertige Arbeit im Durchschnitt verdienen. Deutschland plant die Umsetzung dieses Gesetzes für Anfang 2027 - theoretisch können sich Arbeitnehmende aber im Streitfall schon jetzt auf die Regelung berufen.
Diese Nachricht wurde am 21.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
