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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Absolute Maximalwerte werden in der Praxis eigentlich nicht erreicht"21.07.2016

Mobilfunk-Standards"Absolute Maximalwerte werden in der Praxis eigentlich nicht erreicht"

In Zukunft wird der Mobilfunk-Standard 5G die aktuelle 4G-Technologie ablösen. Bis dahin setzen die Mobilfunkanbieter Vodafone und Telefónica auf eine Art Zwischenschritt. Mit 4,5G werde Internet über Mobilfunk theoretisch rasend schnell, sagte Markus Weidner, Mobilfunk-Experte von teltarif.de im DLF. Praktisch hieße das aber: "Man teilt sich die Kapazität mit anderen Usern".

Markus Weidner im Gespräch mit Stefan Römermann

Immer mehr Menschen schauen sich Videos über Smartphones oder auch Tablets an. (imago/Thomas Eisenhuth)
Immer mehr Menschen schauen sich Videos über Smartphones an. Das soll künftig noch schneller gehen. Theoretisch. (imago/Thomas Eisenhuth)
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Stefan Römermann: Wenn von 2G, 3G und 4G die Rede ist, dann ist oft von Mobilfunk-Standards die Rede. Das G steht dabei für die Generation. Die alten analogen Autotelefone, das war die erste Generation. Dann kamen in den 90ern diese klassischen Mobiltelefone, die Handy; das war die zweite Generation. Dann kam UMTs, 3G, und aktuell haben wir 4G, das ist der Standard LTE. Und jetzt? Eigentlich käme jetzt 5G, sollte man meinen, doch Vodafone und Telefónica, die Mutterfirma von E-Plus und O2, die setzen auf eine Art Zwischenschritt, auf 4,5G. Was das ist und was das für Mobilfunk-Kunden bedeutet, darüber spreche ich jetzt mit Markus Weidner, Mobilfunk-Experte vom Onlinemagazin teltarif.de. - Herr Weidner, bis zu 1,2 Gigabit pro Sekunde sollen bei dem neuen Standard möglich sein. Das klingt erst mal toll, das klingt vor allem schnell. Wie schnell ist das im Vergleich mit bisherigen Internetanschlüssen?

Markus Weidner: Im Festnetz werden über VDSL normalerweise bis zu 50 Megabit pro Sekunde erreicht. Mit Vectoring-Anschlüssen - das ist die neue Technik, die die Telekom einsetzt, sind es dann 100. Im Kabel gibt es das schon mit 200 bis 400 Megabit pro Sekunde. Aber 1,2 Gigabit, das ist wirklich selten. Dazu brauche ich im Festnetz schon einen Glasfaseranschluss, und den gibt es ja wirklich nur an ganz, ganz wenigen Orten bisher.

"Diese Maximalgeschwindigkeiten braucht man nicht mal für ein 4K-Video"

Römermann: Internet über Mobilfunk demnächst rasend schnell?

Weidner: Internet über Mobilfunk theoretisch rasend schnell. Praktisch muss man natürlich dazu sagen: Es handelt sich um ein sogenanntes shared Medium, sprich man teilt sich die Kapazität mit den anderen Usern, die in der gleichen Funkzelle momentan auf Empfang sind, ebenfalls Online-Dienste nutzen. Das heißt, wenn ich alleine in der Zelle bin, habe ich möglicherweise tatsächlich unter optimalen Bedingungen diese maximalen Geschwindigkeiten. In der Praxis ist es eigentlich so, dass die Geschwindigkeiten oft niedriger sind.

Momentan bietet die Telekom ja auch schon bis zu 300 Megabit pro Sekunde an. Ich persönlich habe selten mehr als 200 gesehen, was ja auch schon ein sehr guter Wert ist, muss man sagen. Aber die absoluten Maximalwerte, die werden in der Praxis eigentlich nicht erreicht.

Römermann: Sie haben es gerade schon gesagt: Das sind sehr, sehr große Geschwindigkeiten. Wie kann ich die im Alltag überhaupt nutzen? Was bringt das denn tatsächlich?

Weidner: Eigentlich, sind wir ganz ehrlich, nicht viel. Als man LTE eingeführt hat, da war das natürlich schon ein Quantensprung auch gegenüber UMTS. Niedrigere Latenzzeiten werden ja mit 4,5G auch versprochen.

Römermann: Sie müssen vielleicht noch sagen, was Latenzzeit ist.

"5G ist noch ziemlich weit weg"

Weidner: Man ruft eine Seite auf und die antwortet einfach schnell, die wird schneller geladen als zuvor. Das soll unter 4,5G auch noch mal etwas besser werden. Das ist vielleicht ein Vorteil. Aber diese Maximalgeschwindigkeiten, sind wir ganz ehrlich, die braucht man heutzutage nicht mal für ein 4K-Video, was davon abgesehen gar nicht bezahlbar wäre, weil es ja keine echten Flatrates gibt. Aber natürlich ist der Vorteil, dass die Kapazität im Netz insgesamt steigt, und das bedeutet, es kommen immer mehr Kunden in die Mobilfunknetze, die auch mobile Datendienste nutzen. Das heißt, der Bedarf nach Kapazität insgesamt wird immer größer und dem tragen die Netzbetreiber dadurch Rechnung, dass sie unter anderem mit Techniken wie 4,5G entsprechende Kapazitäten in den Netzen bereitstellen.

Römermann: Die Telekom setzt gleich auf den nächsten Schritt, auf 5G, habe ich gelesen. Machen die es richtig? Machen Vodafone und Telefónica da eine Sparmaßnahme?

Weidner: 5G ist noch ziemlich weit weg. Auch die Telekom wird 4,5G einführen. Da gab es ja auch schon Tests vor einigen Monaten. Ich denke, dass die Telekom sich vielleicht bis zur IFA Zeit lässt, um entsprechende Ankündigungen zu machen. Aber Tests mit, sagen wir mal, zwischen 300 Megabit pro Sekunde, die die Telekom jetzt schon anbietet, und ungefähr einem Gigabit gab es bei der Telekom auch schon. Es fehlt im Prinzip nur der Knopfdruck zum Regelbetrieb. Da wäre vielleicht wirklich die IFA Anfang September in Berlin ein denkbarer Zeitpunkt.

Römermann: Brauche ich denn neue Geräte, um das neue Netz zu nutzen, oder bin ich zukünftig raus, wenn das alte 4G-Netz abgeschaltet wird?

Weidner: Es gibt ja eigentlich kein neues Netz für 4,5G. Im Prinzip arbeitet man ja nur mit Erweiterungen auf Basis des bisherigen LTE-Standards. Man bündelt einfach mehr LTE-Träger als bisher. Momentan ist es schon so, dass für die bis zu 225 Mbit bei Vodafone oder 300 Mbit bei der Telekom im Prinzip zwei Träger gebündelt werden. Bei 5G sind es dann bis zu fünf Träger. Das heißt, wenn man wirklich diese Maximalgeschwindigkeiten will, dann muss man wirklich sagen, neues Endgerät. Aber wem die bisherige Geschwindigkeit völlig reicht, der kann auch ganz normal sein bisheriges Gerät weiter nutzen.

Römermann: Markus Weidner, Mobilfunk-Experte von teltarif.de - vielen Dank für das Gespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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