Dienstag, 25.02.2020
 
Seit 22:05 Uhr Musikszene
StartseiteCorsoRadio Ga Ga statt Südbahnhof08.07.2017

Monopoly-Ausgabe der Rockband Queen Radio Ga Ga statt Südbahnhof

Lizenz-Spiele sind ein blühender Markt: Auf unzähligen Ausgaben klassischer Titel wie Trivial Pursuit oder Risiko findet man das Logo von Filmen, Serien oder Rockbands. Auch die britische Band Queen hat nun ihr eigenes Spiel: ein Monopoly , in dem man Konzerthallen bespielt und Hits verkauft.

Von Kai Löffler

Ein Blick auf das Spielbrett des Queen Monopoly: Die Bicycle Spielfigur ist schon fast am Forrest National - dort ist auch eine Bühne aufgebaut (Bild: Kai Löffler / Deutschlandfunk) (Kai Löffler / Deutschlandfunk )
Mit dem Bicycle zum Forrest National - Die Rockband Queen hat ihre eigene Ausgabe des Spieleklassikers "Monopoly". (Kai Löffler / Deutschlandfunk )
Mehr zum Thema

Internationales Trickfilmfestival "Computerspiele mit Inhalt sind im Trend"

Spielzeug als Spiegel der Gesellschaft Lego-Figuren im Rollstuhl

Kaum etwas steht für den Kapitalismus wie Monopoly. Wie bei einem Rorschachtest sieht jeder darin was er möchte: Eine beißende Satire auf soziale Ungleichheit - oder eine Ode an den freien Markt.

Schöne Erinnerungen

Die Entstehungsgeschichte klingt wie der American Dream in Reinkultur: Dem Amerikaner John Darrow, einem hungernden Familienvater, soll die Erfindung während der Wirtschaftskrise der 30er Ruhm und Reichtum beschert haben. Inzwischen weiß man aber: Darrow hat die Spielidee nur kopiert - von einer Stenografin, die damit Jahrzehnte vorher ausgerechnet die Ungerechtigkeit des Kapitalismus anprangern wollte.

"Wer möchtest Du sein?"

Jahrzehnte liegt auch meine letzte Partie zurück. Immerhin gibt es heute direkt zwei Anlässe, mich mit meiner Frau, die auch Journalistin ist und - anders als ich - schöne Erinnerungen an Monopoly hat, auf die Terrasse zu setzen und eine Runde zu spielen: Eine warme Sommernacht und ein glänzender Karton mit dem neuen Queen-Monopoly.

"Ich will Dir ja nicht alles kaputt machen"

Schlossallee war gestern. Bei Queen stehen keine Straßen zum Verkauf. Stattdessen sammelt der Spieler Konzerthallen, in denen die Band aufgetreten ist. Und statt mit Bahnhöfen verdient man Geld mit Hits wie "Radio Ga Ga", "Bohemian Rhapsody" oder ...

"'We Will Rock You' kauf ich." – "Ich will doch alle Bahnhöfe haben ..."

Das sind nicht die einzigen Unterschiede zum klassischen Monopoly: Aus Gemeinschafts- und Ereigniskarten sind "In The Lap of the Gods" und "A Kind of Magic" geworden, beides Songs von Queen. Häuser und Hotels erinnern an Bühnendeko und als Spielfiguren stehen unter anderem der Roboter vom "News of the World" Albumcover, der Staubsauger aus dem "I Want to Break Free" Video und eine winzige Nachbildung von Brian Mays Gitarre zur Wahl.

Frei Parken ist dagegen Frei Parken geblieben, Los ist nach wie vor Los, Gefängnis ist Gefängnis - alles auf Englisch übrigens; eine eingedeutschte Version ist nicht geplant. Wie eh und je geht es darum, die anderen Spieler gnadenlos auszunehmen und sich über deren Bankrott zu freuen.

"Ich will Dir nicht alles kaputt machen, aber irgendwie ist es zu verlockend."

Wie die Faust aufs Auge

Auf dem Brettspielmarkt sind Lizenz-Themenspiele eine ertragreiche Nische. Bei Game of Thrones-Risiko ziehen die Spieler als Häuser von Westeros in den Krieg, im Harry-Potter-Cluedo werden Harry, Ron und Hermine zu Detektiven. Monopoly alleine ist in weit über tausend Varianten erschienen: Es gibt Pokemon, Star Wars und sogar eins mit Schokoladen-Thema, das Kinder-Überraschungs-Monopoly. Queen sind auch nicht die erste Rockband mit eigenem Monopoly. Vor ihnen gab es unter anderem Metallica, AC/DC und sogar die Beatles.

Das Ergebnis des langen Spieleabends: Am Spiel - und am Spielspaß - hat sich nichts geändert, der neue Name auf der bunten Packung ist schnell vergessen. Figuren und Bühnenaufbau sind liebevoll gemacht, aber mit der Musik von Queen hat das Spiel nicht viel mehr zu tun, als der "Golf Pink Floyd" mit ausgedehnten Gitarrensoli und einer aufwendigen Light-Show.

"Ist schon "same old" Monopoly, ne?" - "Total."

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Tod von Freddy Mercury und dem Abschied von Bassist John Deacon treten Queen noch immer auf und spielen mit neuem Sänger die alten Hits; außerdem verkaufen sie Unmengen an Merchandise.

Eine Band, die zu einer Gelddruckmaschine geworden ist und ein Spiel über den Kapitalismus passen deshalb zusammen, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge - eine Kombination also, wie das posthume letzte Queen Album mit Freddy Mercury: Made in Heaven.

Queen-Monopoly ist erschienen beim Verlag Winning Moves. Anleitung und Karten sind in englischer Sprache.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk