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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Einwegverpackungen sind durch die Decke geschossen"05.06.2020

Müll in der Coronakrise"Einwegverpackungen sind durch die Decke geschossen"

Verbraucher sind verunsichert, Gastronomen müssen außer Haus verkaufen. Der Corona bedingte Verpackungsmüll werde zu einem Umweltproblem, sagte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe im Dlf. Er plädiert für ein Mehrwegsystem mit Pfand, um Müll zu vermeiden. Das sei hygienisch einwandfrei möglich.

Thomas Fischer im Gespräch mit Pia Behme

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Leere Speise-Verpackungen stapeln sich im Nordstadtpark in Kassel auf einem Mülleimer.  (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
Auch eine Folge der Corona-Pandemie: Weil viele Gastronomen seitdem nur Außer-Haus-Verkauf anbieten können, ist viel mehr Verpackungsmüll entstanden. (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
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Einwegverpackungen sollen schnell und einfach für Hygiene sorgen. Gerade in einer Zeit wie jetzt spielen sie deswegen eine wichtige Rolle und sind gefragter denn je. Das liege auch daran, dass Verbraucher vorsichtiger geworden seien, sagte Thomas Fischer, Leiter für den Bereich Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe.

Schon vor der Coronakrise seien Einwegverpackungen ein Problem gewesen. Nun wären auch Gastronomen darauf angewiesen, außer Haus zu verkaufen. Ein Mehrwegsystem mit Pfand könnte den Müll reduzieren. Allerdings herrsche bei vielen Gastronomen große Verunsicherung in Bezug auf die Wiederbefüllung von mitgebrachten Mehrwegbechern oder Essensboxen. Man könne aber Einwegabfall vermeiden und hygienisch einwandfrei arbeiten.

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Pia Behme: In welchen Bereichen werden jetzt mehr Einwegverpackungen genutzt als vor der Pandemie?

Thomas Fischer: Schon vor der Corona-Pandemie waren Einwegverpackungen ein riesen Problem. Pro Jahr fallen in Deutschland rund 155.000 Tonnen Abfall durch to go Essensverpackungen an. Das sind stündlich 400.000 Menü-Schalen. Durch die Corona-Pandemie sind viele Gastronomen darauf angewiesen, außer Haus zu verkaufen - insbesondere in den letzten zehn Wochen, wo ihnen gar nichts anderes übrig blieb, als Essenslieferdienste anzubieten, das Ganze dann häufig in Einwegverpackungen, das dann zu Lasten der Umwelt. Diese Essenslieferdienste und Einwegverpackungen sind durch die Decke geschossen und auch der Gastronomieverband Dehoga weist immer noch darauf hin, dass viele Verbraucher vorsichtig sind, sich weniger in die Lokale setzen, mehr auf die Hand mitnehmen, und das wird dann auch zu einem Umweltproblem, weil viel mehr Verpackungsmüll anfällt.

"Einwegabfall vermeiden und hygienisch einwandfrei arbeiten"

Behme: Sie fordern jetzt mehr Mehrwegsysteme. Kann denn die Hygiene dort gewährleistet werden?

Fischer: Absolut. Es herrscht bei vielen Gastronomen nachvollziehbarerweise eine gewisse Verunsicherung in Bezug auf die Wiederbefüllung bei von Verbrauchern mitgebrachten Mehrwegbechern oder Essensboxen. Das ist aber möglich. Hierzu gibt es aktualisierte Hygieneleitfäden des Lebensmittelverbandes Deutschland, der erklärt, wie vor Ort in den Läden ein kontaktloses Wiederbefüllen möglich ist. Das ist möglich.

Am sichersten sind natürlich Mehrwegbecher-Systeme mit Pfand. Das heißt: Man bekommt den Coffee to go oder das Essen in einer Mehrwegbox oder in einem Mehrwegbecher, bezahlt ein Pfand, genießt das Essen, das Getränk und gibt dann anschließend gegen die Pfandrückerstattung in den Filialen, die an dem Mehrwegsystem teilnehmen, das Mehrwegbehältnis wieder zurück. Und das wird dann in einer industriellen Spülmaschine gespült, hygienisch einwandfrei, kann dann wieder rausgegeben werden an den nächsten Kunden, und das würden wir den Gastronomen empfehlen. So kann man Einwegabfall vermeiden und hygienisch einwandfrei arbeiten.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Behme: Wenn ich jetzt bestelltes Essen mit meinen eigenen Behältern im Restaurant abholen will, worauf sollte ich da achten?

Fischer: Da sollten Sie natürlich darauf achten, dass die vorgereinigt sind und dass die nicht verschmutzt sind. Das kann dann vor Ort hingestellt werden. Da kann dann kontaktlos mit einer Kelle die Suppe eingefüllt werden. Dann kann auch die Pizza oder was auch immer kontaktlos reingelegt werden. Das ist kein Problem. Der Verbraucher sollte das vorreinigen und sollte es sauber mitbringen. Mehr muss er im Grunde genommen nicht beachten.

Der Leiter für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Thomas Fischer, schaut in die Kamera (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)Der Leiter für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Thomas Fischer (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)

Behme: Ist es aber nicht eigentlich auch ein bisschen viel verlangt von der sowieso schon wirtschaftlich stark geschwächten Gastronomie, jetzt auch noch die Anschaffung von Mehrwegsystemen zu fordern? Zum einen sind da die Anschaffungskosten, aber eventuell sind ja solche Mehrwertverpackungen für die Gäste im Moment unattraktiv.

Fischer: Na ja. Gerade bei den Mehrweg-Pfandsystemen, Mehrwegbecher oder Mehrwegbox mit Pfand, ist es ja so, dass man an bestehenden Mehrwegsystemen teilnehmen kann. Das heißt, man muss das Mehrweggeschirr ja gar nicht selber kaufen, sondern das wird dann vom Mehrwegsystem zur Verfügung gestellt. Das kann genutzt werden. Das ist dann eine Pool-Verpackung, eine Einheitsverpackung, die von vielen Gastronomen gleichzeitig genutzt werden kann. Je mehr Gastronomen an so einem System teilnehmen, desto verbraucherfreundlicher wird es, und desto mehr Herausgabe- und Abgabemöglichkeiten für den Verbraucher gibt es. Wir wollen Gastronomen ermutigen, an solchen Mehrweg-Pfandbecher- und Boxensystemen teilzunehmen, weil je mehr daran mitmachen, desto verbraucherfreundlicher wird es und desto praktikabler.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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