Christopher Street Day
Nach Gewalttat bei CSD in Berlin - eine Tote und 16 Verletzte - Polizei fahndet nach Verdächtigem aus islamistischer Szene

Bei einem mutmaßlichen Anschlag am Rande des Christopher Street Day in Berlin ist laut Polizeiangaben mindestens eine Person ums Leben gekommen. Nach den bisherigen Erkenntnissen fuhr ein Mann mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge. Die Polizei sucht derzeit nach einem Verdächtigen aus der islamistischen Szene.

    Einsatzkräfte der Polizei und Rettungskräfte stehen in der Nacht am mit Scheinwerfern beleuchteten Tatort im Großen Tiergarten nach dem Abbruch des Christopher Street Day. Im Vordergrund zwei Polizeifahrzeuge.
    Einsatzkräfte der Polizei und Rettungskräfte stehen im Großen Tiergarten nach dem Abbruch des Christopher Street Day. (dpa / Sebastian Gollnow)
    Die Tat ereignete sich am späten Abend; die Polizei brach den CSD gegen 22 Uhr ab. Den Angaben zufolge fuhr ein Wagen auf einem Fußweg im Tiergarten nahe dem Potsdamer Platz mehrere Menschen an beziehungsweise um, bevor er einen Baum rammte. Die Polizei prüft derzeit aufgrund von Zeugenaussagen, ob auch eine Stichwaffe eingesetzt wurde. Der Fahrer flüchtete anschließend.
    Bei dem Todesopfer handelt es sich um eine Frau, die noch am Tatort starb. Außerdem wurden laut den jüngsten Polizeiangaben mindestens 16 Menschen verletzt, davon drei lebensbedrohlich und acht schwer.

    Mutmaßlicher Verdächtiger identifiziert: polizeibekannt und aus der islamistischen Szene

    In der Nacht gab die Polizei bekannt, einen Verdächtigen identifiziert zu haben. Der Mann sei polizeibekannt und werde der islamistischen Szene Berlins zugerechnet, sagte ein Sprecher. Nach dem 21-Jährigen wird mit einem Foto öffentlich gefahndet. Die Generalstaatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Berlin teilten mit, sie ermittelten aufgrund des Verdachts eines Anschlags. Die Polizei hofft auf Hinweise zum Tatgeschehen aus der Bevölkerung und hat dafür ein Online-Portal eingerichtet. Zeuginnen und Zeugen werden gebeten, selbst aufgenommene Fotos oder Videos zu übersenden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa saß der Gesuchte bis vor Kurzem im Jugendgefängnis und wurde erst im vergangenen Mai entlassen. Die Polizei durchsuchte rund vier Stunden nach der Tat eine Wohnung im Berliner Stadtteil Schöneberg, traf dort jedoch niemanden an.

    Wegner nach CSD-Vorfall in Berlin: "Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft"

    Berlins Regierender Bürgermeister Wegner von der CDU sprach nach der Tat von einem "Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft". Nach einem friedlichen und bunten CSD sei die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert worden. Bundeskanzler Merz sprach von einer abscheulichen Tat. Weitere Reaktionen haben wir hier zusammengefasst.
    Beim Christopher Street Day in Berlin hatten Hunderttausende unter dem Motto "Haltung ist hot" gefeiert und für die Rechte von queeren Menschen demonstriert. Vor der Parade erinnerten Politiker und Aktivisten an die homosexuellen Opfer der Nationalsozialisten. Unter Hitler wurden queere Menschen verfolgt, in Lager gesteckt und oft auch getötet.
    Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar "Stonewall Inn" in New York stürmte. Es folgten tagelange Zusammenstöße mit Aktivsten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.
    Diese Nachricht wurde am 26.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.