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StartseiteCampus & KarriereMutter und Vater als Karriereplaner21.01.2008

Mutter und Vater als Karriereplaner

Wie sich Eltern für die Karriere ihrer Kinder stark machen

Der Konkurrenz-Kampf an den Universitäten wird immer härter: Vor allem Studierende in Karriereberufen brauchen gute Noten und gute Praktika. Einige verlassen sich dabei auf altbewährte Hilfe - ihre Eltern. Britische Universitäten melden in dieser Hinsicht einen besorgniserregenden Trend: die sogenannten Helicopter-Parents. Diese Eltern schweben wie Hubschrauber über ihren Kindern und kümmern sich um die Karriereplanung.

Von Tobias Armbrüster

Hubschrauber: oft Rettung in höchster Not.  (AP)
Hubschrauber: oft Rettung in höchster Not. (AP)

Typische Helicopter-Eltern rufen schon mal einen Professor zuhause an, und fragen nach, warum der Sohn oder die Tochter in der letzten Prüfung nur eine Zwei bekommen hat. Sie kümmern sich darum, in welchem Studenten-Wohnheim die Kinder unterkommen. Und sie coachen den Nachwuchs, wenn es ums erste Bewerbungsgespräch geht. Paul Redmond leitet die Berufsberatung für Studierende an der Universität Liverpool. Er beobachtet die Ankunft der Helicopter-Parents mit Sorge. Vor allem weil diese Eltern auch dann nicht loslassen können, wenn die Kinder endlich den Abschluss in der Tasche haben.

" Wir haben im letzten Jahr festgestellt, dass immer mehr Eltern mit ihren Kindern zu Karriere-Messen kommen. Sie rufen potenzielle Arbeitgeber an und sie wollen mit Professoren über Abschluss-Noten reden. - Aus den Personalabteilungen von mehreren großen Banken habe ich gehört, dass Eltern sogar versuchen, über das Einstiegsgehalt ihrer Kinder zu verhandeln. "

Der Begriff der "helicopter parents" wurde in den 90er Jahren in den USA geprägt. Ursprünglich wurden damit ganz bestimmte Eltern von Klein- und Schulkindern beschrieben: Mütter und Väter, die permanent wie ein Hubschrauber über oder neben dem Nachwuchs kreisen - beim Spielen und beim Hausaufgabenmachen - jederzeit bereit einzugreifen und zu helfen, wenn die Kleinen nicht mehr weiterwissen. - Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass sich dieses Eltern-Verhalten auch fortsetzt, wenn die Kinder längst erwachsen sind. Paul Redmond.

" Diese Eltern kommen aus der Baby-Boomer-Generation, sie wurden zwischen den späten 40er und frühen 60er Jahren geboren. Allgemein sind die lockerer im Umgang mit ihren Kindern - das heißt gleichzeitig, dass sie ein sehr gutes Verhältnis zu Sohn und Tochter haben. Es handelt sich hier außerdem um sehr zielstrebige Eltern. Sie wissen, wie man das Erziehungssystem für die eigenen Zwecke nutzt."

Dass man Helicpoter-Eltern gerade in Ländern wie Großbritannien und den USA findet, ist vermutlich kein Zufall. Denn dort sind die Studienkosten in den letzten zehn Jahren sehr viel stärker angestiegen als in Deutschland. Das hat dazu geführt, dass das Uni-Studium immer mehr als teures Karriere-Sprungbrett angesehen wird, auf dem Eltern ihre Kinder so gut wie möglich positionieren müssen. - Die Londoner Mutter Steve Denouncey gibt zu, dass sie selbst einen Hang zum "Helicoptering" hat. Ihr 19jähriger Sohn will in diesem Jahr sein Kunststudium an einer britischen Uni beginnen. Sie sagt, sie habe gar keine Wahl, als ihm dabei ständig über die Schulter zu gucken.

" Studieren an einer Hochschule ist einfach heute etwas anderes als zu meiner Zeit. Es gibt inzwischen Studiengebühren - und die Mieten, die Sie heute für eine Studentenwohnung zahlen, sind astronomisch im Vergleich zu vor zehn Jahren. Außerdem wird das gesamte Erziehungssystem bei uns immer mehr von Wettbewerb bestimmt, das fängt ja inzwischen in der Grundschule an. Früher haben Kinder dieses System auch ohne ihre Eltern gemeistert. Aber wenn Sie sich als Eltern heute nicht einmischen, dann ist Ihr Kind einfach auf der Verlier-Seite."

Der Sohn von Steve Denouncey, Gareth, hat übrigens nichts dagegen, dass seine Mutter sich auch an der Uni noch einmischen will. Er hat sich an mehreren Hochschulen beworben, hat aber noch keine Zusage.

" Der Druck vor und während des Studiums wird einfach immer größer. Ich merke ja selbst gerade, wie hart umkämpft Studienplätze an den guten Unis sind. In so einer Situation ist es einfach gut, wenn Du weißt, dass Deine Eltern immer hinter Dir stehen und einspringen, wenn es nötig wird. "

Die Unterstützung sollte allerdings ihre Grenzen haben, sagt der Berufsberater Paul Redmond. Spätestens mit dem Ende des Studiums müsse Schluss sein. Denn in den interessanten Berufen seien heute vor allem Unabhängigkeit gefragt - und die Fähigkeit eigene Entscheidungen zu treffen. Kinder sollten ihre Eltern auf jeden Fall davon abhalten, in die erste Gehaltsverhandlung eingreifen. Denn solche Mamas und Papas seien vor allem eins: ein sicherer Karriere-Killer.

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