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StartseiteKultur heuteYann Moix und "die große mea culpa-Show"03.09.2019

Nach antisemitischen ZeichnungenYann Moix und "die große mea culpa-Show"

Der Schriftsteller Yann Moix hat vor 30 Jahren in einer rechtsextremen Studentenzeitung antisemitische Zeichnungen veröffentlicht. Nun beteuert er, damals verwirrt gewesen zu sein und bittet öffentlich um Vergebung. Obwohl die Öffentlichkeit entsetzt ist, reagiert die Literaturszene milde.

Dirk Fuhrig im Gespräch mit Maja Ellmenreich

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Frontalers Portrait vom Schriftsteller Yann Mois. (imago images / Agencepeps / F. Andrieu)
Portrait des Schriftstellers Yann Moix (imago images / Agencepeps / F. Andrieu)
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Der Schriftsteller Yann Moix ist bekannt für seine pointierten Meinungsäußerungen in der Öffentlichkeit. In seinem neuen Roman "Orléans" schildert er seine von Gewalt geprägte Kindheit, basierend auf autobiographischen Erlebnissen. Fast zeitgleich sind 30 Jahre alte Zeichnungen von Moix veröffentlicht worden, "antisemitische Karikaturen schlimmsten Ausmaßes", so der Literaturkritiker Dirk Fuhrig. Er bestreitet darin unter anderem die Existenz von Konzentrationslagern. Moix gab zunächst zu, diese Zeichnungen in seiner damaligen jugendlichen Verwirrung angefertigt zu haben, die Texte habe er aber nicht geschrieben. Eine Lüge, wie sich herausstellte. "Dann kam die große mea culpa-Show", wie Dirk Fuhrig es im französichen Fernsehen beobachtet hat.

Moix hatte Kontakte zu Holocaust-Leugnern

Yann Moix' antisemitische Häme zielte konkret auch auf Bernard-Henri Lévy, einen der prominentesten Intellektuellen Frankreichs. Der aber reagierte gelassen und sagte, er glaube an Reue und Wiedergutmachung. "Ich finde es fast schon bizarr", so Dirk Fuhrig, "es ist eine fast schon ans Pathetische grenzende Beschreibung, wie Bernard-Henri Lévy den jungen Yann Moix getroffen hat." Das liegt mehr als 25 Jahre zurück. Daraus habe sich eine so tiefe Freundschaft entwickelt, dass BHL, wie Lévy in Frankreich genannt wird, ihm jetzt wohl alles verzeihe - auch die Kontakte zu Holocaust-Leugnern wie Robert Faurisson.

Keine Nominierung für den Prix Goncourt

Auf die Liste für den diesjährigen Prix Goncourt hat es Yann Moix wegen seiner antisemitischen Zeichnungen nicht geschafft. Das wurde am Nachmittag bekannt. In den letzten Monaten gab es zudem auch Kritik an der Frauenfeindlichkeit in Moix' Texten. "Ich denke, mit dem Text von Bernard-Henri Lévy ist auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es kann natürlich auch sein, dass es noch weitere Enthüllungen geben wird - das ist alles noch offen.", so Dirk Fuhrig.

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