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Nach Bericht über Exzesse im NachwuchsbereichReiter-Verband will Hinweisen nachgehen

Nach einem Spiegel-Bericht über Alkoholexzesse und sexuelle Belästigung hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) Probleme im Nachwuchsbereich eingeräumt. Der Verband ruft deswegen jetzt mögliche Opfer auf, sich zu melden.

Von Mareike Zeck | 01.09.2018

Pressekonferenz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat sich bei einem Pressegespräch in Warendorf zu den Problemen im Nachwuchsbereich geäußert. (Deutschlandradio/ Andrea Schültke)
Herbst 2017, Party auf einem großen Reitturnier: ein 19-Jähriger soll dort betrunken eine 18-jährige belästigt und gegen ihren Willen überall angefasst haben. Sie: erfolgreiche deutsche Springreiterin, er ebenfalls erfolgreicher Springreiter und Mitglied im Nachwuchs-Bundeskader. So schreibt es das Nachrichtenmagazin der Spiegel und folgert: Alkoholexzesse und sexuelle Übergriffe kommen häufiger vor beim Nachwuchs der Elitereiter. Und Sönke Lauterbach, der Generalsekretär der reiterlichen Vereinigung, kann das nicht ausschließen:
"Das halte ich für möglich. Ich fürchte, dass auch im Einzelfall Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung möglich sind. Denn wir haben ja eine offensichtlich gerade erlebt. Daher kann ich nicht ausschließen, dass es weitere gibt."
Spiegel berichtet über KO-Tropfen und sexuelle Übergriffe
Der Großteil der jungen Reiter in den Kadern des Verbandes sei verantwortungsvoll, aber es gebe eine Clique von rund 15 Personen um den inzwischen aus dem Bundeskader gestrichenen 19-Jährigen, die immer wieder im Zusammenhang mit Alkohol auffalle, so der Generalsekretär. Im Spiegel ist darüber hinaus von KO-Tropfen und weiteren sexuellen Übergriffen die Rede. Constanze Winter, die Justiziarin der Reiterlichen Vereinigung sagt dazu:
"Wir haben die Redaktion des Spiegel aufgefordert, uns hier konkrete Hinweise zu geben, damit wir der Sache nachgehen können. Das werden wir versuchen."
Der Reitsportverband ruft deswegen jetzt mögliche Opfer auf, sich zu melden. Die Reiterliche Vereinigung gilt im Vergleich zu anderen Sportverbänden eigentlich als Vorbild bei Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt. Und seit 2016 ein Reiter von einer deutschen Jugendmeisterschaft suspendiert wurde, weil er betrunken randaliert hatte, hat der Verband auch den Alkoholmissbrauch auf dem Schirm. Aber Prävention gestaltet sich hier schwierig, denn wohl auch die Eltern der Nachwuchs-Elitereiter bringen den Alkohol in ihren Pferde-LKWs selbst mit auf die Turniere.
"Wir haben mit einigen Eltern gesprochen und haben das thematisiert, das sehen die völlig anders und sagen: das ist unser gutes Recht. Wir können mit unseren Kindern machen, was wir für richtig halten. Wir sind die erziehungsberechtigen und da haben sie als FN uns überhaupt nicht reinzureden."
0,0 Promille-Grenze auf Turnieren
Um das Problem in den Griff zu bekommen, greift die reiterliche Vereinigung jetzt zu drastischen Maßnahmen. Der Bundeskader der Nachwuchsspringreiter musste kürzlich zu einem Pflichtseminar. Um den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu lernen. Die Reiter ließen sich dabei zu einer 0,0 Promille-Grenze auf Turnieren überreden. Und um die durchzusetzen, lässt Verbands-Generalsekretär Sönke Lauterbach seine Bundestrainer jetzt sogar Alkoholtests durchführen:
"Weil wir einfach uns und den Aktiven und ihren Familien klar machen wollen: Das was wir an Regeln ansetzen, das wollen wir auch kontrollieren. Und wir wollen da auch gleiche Verhältnisse schaffen. Und die meisten sagen: Ja, ist doch kein Problem. Dann puste ich da eben rein. Ich hab nichts zu verbergen."