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Nach dem Terror in Istanbul
Tourismus-Branche in der Krise

Nur zehn Prozent belegte Betten und viele Entlassungen: Die Tourismus-Branche in der Türkei leidet vielerorts unter den Folgen des Attentats in Istanbul. Weniger deutsche Touristen und - nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Armee - auch weniger Buchungen aus Russland. Nun will die Regierung dem Tourismus durch die Krise helfen.

Von Thomas Bormann | 10.03.2016
    Menschenleere Straßen in der Nähe der Blauen Moschee, wo das Attentat geschah.
    Damit möglichst bald wieder Gäste kommen, haben viele Hotels die Preise gesenkt. Die türkische Regierung will mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen der Tourismus-Branche helfen. (dpa/picture-alliance/Cem Turkel)
    Kaum jemand wirft eine Münze in den Hut des Straßenmusikers in der Istanbuler Innenstadt. Die Geschäfte gehen nicht gut, weil so wenig Touristen da sind. Viele Hotels sind leer:
    "Normalerweise haben wir im Winter bis Mitte März so etwa 30 bis 35 Prozent der Betten belegt. Derzeit sind es nur 10 Prozent", sagt Hotelbesitzer Faruk Boyaci. Früher waren immer besonders viele deutsche Touristen in den Istanbuler Hotels zu Gast. Das ist in diesem Frühjahr anders - seit dem Anschlag vom Januar, als ein Selbstmordattentäter vor der Blauen Moschee zwölf deutsche Touristen in den Tod riss.
    Praktisch keine russischen Touristen mehr in der Türkei
    Noch stärker zurückgegangen sind die Buchungen aus Russland. Seitdem die türkische Armee an der Grenze zu Syrien einen russischen Kampfjet abgeschossen hat, kommen praktisch überhaupt keine Touristen aus Russland mehr in die Türkei. Ein Hotel-Angestellter in Istanbul klagt:
    "Wir waren 65 Kollegen in unserem Hotel; nur die Hälfte ist noch da. Die anderen mussten gehen. Wir haben jetzt viel weniger Hotelgäste. Die wenigen, die noch kommen, sind meistens aus arabischen Ländern."
    Damit möglichst bald wieder Gäste kommen, haben viele Hotels die Preise gesenkt und locken mit Sonderangeboten. Auch die türkische Regierung will der Tourismus-Branche helfen. Man habe die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, damit es keine weiteren Anschläge gibt, verspricht Ministerpräsident Davutoglu, und er zählt auf, wie die Regierung den Tourismus-Betrieben durch die Krise helfen will:
    "Reiseveranstalter, die Touristen in die Türkei bringen, können günstige Kredite bekommen. Und: Für jedes Flugzeug, das Touristen in die Türkei bringt, zahlen wir eine Subvention von 6.000 Dollar an die Reiseveranstalter."
    "Dem Terrorismus keine Chance geben"
    Die Touristen, die jetzt schon in der Türkei sind, fühlen sich sicher und wohl. Manche genießen es, dass es nicht so voll ist und dass man nicht lange anstehen muss, etwa wenn man in Istanbul die Hagia Sophia besichtigen will. Klar, da ist immer der Gedanke an mögliche Anschläge irgendwo im Hinterkopf, sagt Anne-Sophie, eine Studentin aus Köln, aber:
    "Das haben wir ja in Paris gesehen, es kann überall passieren. Es kann genauso gut in Berlin passieren. Und deswegen denke ich nicht, dass man sich jetzt zu Hause verstecken sollte und nicht mehr rausgehen. Das wollen die ja - Man sollte dem Terrorismus keine Chance geben."
    "Dem Terrorismus keine Chance geben", sich seine Urlaubsfreude nicht vermiesen lassen. Das sagen derzeit alle Besucher, die nach Istanbul kommen und fügen fast etwas trotzig hinzu: Wir dürfen uns nicht verrückt machen, das Leben geht doch weiter.