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Nach den Anschlägen von ParisPolizei ließ Verdächtigen offenbar weiterfahren

Die französische Polizei fahndet nach einem Tatverdächtigen (picture alliance / dpa  / Police Nationale)
Die französische Polizei fahndet nach einem Tatverdächtigen (picture alliance / dpa / Police Nationale)

Bei der Fahndung nach den Attentätern von Paris ist der französischen Polizei offenbar ein Fehler unterlaufen. Die Zeitung "Le Monde" und die Nachrichtenagentur AP berichten, der Verdächtige Abdeslam Salah sei am Samstagmorgen nahe der Grenze zu Belgien von Polizisten kontrolliert - aber nicht festgehalten worden.

In Cambrai nahe der belgischen Grenze sollen Polizeibeamte am Samstagmorgen die Personalien des 26-jährigen Verdächtigen Abdeslam Salah aufgenommen haben, den 26-Jährigen dann aber weiterfahren lassen. Laut AP war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, dass der Mann wegen des Angriffs auf die Pariser Konzerthalle Bataclan gesucht wurde. In seinem Auto hätten zwei weitere Männer gesessen.

Nach dem 26-Jährigen wird inzwischen international gefahndet. Der Mann trägt der Fahndung zufolge den Namen Abdeslam Salah. Der gebürtige Belgier wird verdächtig, etwas mit den Anschlägen in Paris zu tun zu haben. Die Polizei beschreibt ihn als gefährlich. Er soll etwa 1,75 Meter groß sein und braune Augen haben.

Zwei der Attentäter lebten laut Staatsanwaltschaft zuletzt im Großraum Brüssel, besaßen aber französische Pässe. Nach Angaben von Ermittlern waren drei Brüder in die Anschläge verwickelt. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, einer sei bei den Attentaten selbst ums Leben gekommen, ein zweiter sei festgenommen worden, beim dritten sei unklar, ob er einer der Selbstmordattentäter war oder auf der Flucht ist.

Über das Wochenende hatte es mehrere Razzien gegeben. Nach den Anschlägen in Paris waren dort zwei Autos mit belgischen Nummernschildern entdeckt worden, eines davon in der Nähe der Konzerthalle Bataclan, in der die Extremisten Dutzende Menschen getötet hatten.

Staatsanwalt: Attentäter handelten in drei Gruppen

Der Pariser Staatsanwalt François Molins schilderte die Abläufe nach derzeitigem Stand der Ermittlungen so: Die Attentäter handelten in drei Gruppen. Drei Angreifer sprengten sich am Stade de France in die Luft, weitere Attentäter beschossen Restaurants und Bars in der Innenstadt, die dritte Gruppe stürmte das Bataclan. Bei den Anschlägen wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag 129 Menschen getötet. Mehr als 350 wurden verletzt, 42 werden noch auf Intensivstationen behandelt. Unter den Todesopfern ist laut Auswärtigem Amt mindestens ein Deutscher.

"Sieben Terroristen starben während ihrer kriminellen Handlungen", sagte Staatsanwalt Molins. Einer der Angreifer sei identifiziert worden; es handle sich um einen 1985 im Süden von Paris geborenen Mann. Er sei acht Mal wegen Straftaten verurteilt worden und den Behörden wegen seiner Radikalisierung aufgefallen. Die Polizei nahm sechs Personen aus seinem Umfeld fest.

Geprüft wird auch eine mögliche Verbindung der Attentäter nach Syrien. Nahe der Leiche eines Selbstmordattentäters am Stade de France ist Molins zufolge ein syrischer Pass gefunden worden. Der griechische Zivilschutzminister Nikos Toskas sagte, der Passinhaber sei am 3. Oktober auf der Insel Leros angekommen und als Flüchtling registriert worden. Die Ermittler sind aber vorsichtig. Ihnen zufolge verdichten sich die Hinweise, dass der Mann als Flüchtling getarnt in die EU gekommen sein könnte.

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