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StartseiteInformationen am MorgenBrexit-Demonstranten geben nicht auf15.03.2019

Nach der Abstimmung im UnterhausBrexit-Demonstranten geben nicht auf

"Bye, Bye EU"-Slogans gegen Europaflaggen: Täglich demonstrieren derzeit in London vor Westminster Palace Anhänger und Gegner des Brexits. So auch gestern nach der Abstimmung für eine Verschiebung des EU-Austritts. Mit dem Näherrücken des bisher geplanten Austrittsdatums wird das Lager der Brexit-Gegner auf den Demos größer.

Von Ralph Günther

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Demonstration vor dem britischen Unterhaus nach der Abstimmung zur Verschiebung des Austrittdatums. 14.3 Ralf Günther, London (Deutschlandradio / Ralph Günther)
Demonstration vor dem britischen Unterhaus nach der Abstimmung zur Verschiebung des Austrittdatums (Deutschlandradio / Ralph Günther)
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"412 zu 202 Stimmen – Verschiebung des Brexits ohne spezifische Zeitangabe. Genau was wir wollen."

Die Remainer vor Westminster Palace, dem Parlamentsgebäude sind zufrieden mit der Abstimmung im Unterhaus. Die Abgeordneten wollen eine Verschiebung des Brexits anstreben. "Zwei Wochen noch bis zum Brexit-Tag, daher begrüße ich die Verschiebung, denn das bedeutet, dass wir noch etwas länger in der EU bleiben. Das ist was Gutes."

Abend für Abend treffen sich Anhänger des Leave- und des Remain-Lagers direkt gegenüber der Houses of Parlament. Strategisch gut ausgewählt, direkt an einer eingezäunten Rasenfläche, die der Weltpresse vorenthalten ist. Das Ziel: möglichst zu den 6-Uhr-BBC-Nachrichten die Fahnen hochhalten und ihre Parolen rufen. Diese Woche war eine ganz besondere. Die Entscheidungen im Unterhaus werden immer komplizierter. Und draußen: kommen plötzlich mehr Brexit-Anhänger, sagen diese Remainer:

"Ja, definitiv werden es mehr. So viele hab ich noch nie gesehen. Sie sehen, dass die Chancen auf den Brexit sinken."

Countdown zum Brexit (AFP / Tolga Akmen)Weitere Informationen zum Thema finden sie in unserem Brexit-Portal. (AFP / Tolga Akmen)

Streit zwischen den beiden Lagern

Die Brexit-Anhänger singen Lieder wie "Bye Bye EU" oder rufen "Leave means Leave" - "Verlassen heißt verlassen". Sie hängen sich Union Jack Fahnen um, halten Schilder, auf denen steht: "Wir wollen unser Land zurück" oder "Verschieben bedeutet betrügen".

Dieser Brexiteer hat trotz des Abstimmungsergebnisses am Abend aber noch Hoffnung, dass es nicht zu einer Verschiebung des Termins kommt:

"Es überrascht mich nicht, aber ich bin enttäuscht. Allerdings hoffe ich, dass eines der EU-Länder gegen die Verschiebung des Brexits stimmt, dann verlassen wir die EU am 29. März."

Die Stimmung zwischen den Protestlern ist nicht aggressiv, man scheint sich zu kennen, grüßt sich. Trotzdem gibt es vereinzelt Provokationen: Beim Interview mit dem Fernsehen läuft einer mit der gegnerischen Fahne ins Bild oder es wird durch Rufe gestört. Und dann bekommen sich drei junge Frauen und ein Mann in die Haare. Die Brexit-Befürworter wollen wissen, ob die Remainerin sie als Rassisten ansieht.

"Artikel 50 widerrufen"

Der Streit wird ohne Ergebnis abgebrochen. Jeder fühlt sich im Recht. Auffällig, dass beide Seiten dabei die Diskussion mit den Smartphones gefilmt haben und die Videos wahrscheinlich ins Netz hochladen. Jeder sucht eben für seinen Standpunkt ein Publikum. Brexit-Fans mit ihren Parolen und manchmal leicht verstrahlten Weltanschauungen:

"Erbärmlich. Warum ein Referendum abhalten und dann immer und immer weiter machen. 17,4 Millionen Menschen haben für den Brexit gestimmt. Die werfen unsere Stimme einfach weg als würde sie keine Rolle spielen und respektieren die Remainer mehr als uns."

"Die Entscheidung ist eine absolute Schande. Das Land, dass das beste politische System der Welt erfunden hat - die erste Demokratie wurde hier bei uns gegründet, die besten Länder der Welt haben sich unsere Prinzipien abgeschaut. Und das wird lächerlich gemacht. Das ist erniedrigend."

Und die EU-Fans mit den Europa-Flaggen und den lustigen blauen Hüten voller gelber Sterne? Die wünschen sich ein schnelles Ende.

"Meine Lösung wäre, Artikel 50 zu widerrufen. Das ist das Einzige, was sofort dieses Chaos stoppen würde, das so schädlich für unser Land ist, und es würde diesen Wahnsinn beenden."

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