Donnerstag, 28.10.2021
 
StartseiteSport AktuellJapanischer Olympiachef Mori vor Rücktritt11.02.2021

Nach Sexismus-EklatJapanischer Olympiachef Mori vor Rücktritt

Die Olympischen Spiele in Tokio diesen Sommer stehen vor einem neuen Rückschlag. Der Chef des Organisationskomitees, Mori, soll nach übereinstimmenden Medienberichten schon bald zurücktreten. Er hatte sich abfällig über Frauen geäußert. Sein Fall steht sinnbildlich für das Sexismusproblem in Japan.

Von Kathrin Erdmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Yoshiro Mori (AFP)
Yoshiro Mori (AFP)
Mehr zum Thema

Sexismus-Vorwürfe Japanische Parlamentarierinnen protestieren gegen Olympia-Chef Mori

Olympia in Tokio Ein „Playbook“ in der Pandemie

Olympische Spiele in Tokio Medien werden kritischer – ein bisschen

Olympia in Tokio Vorfreude in der Minderheit

Übertragungsrechte für Tokio 2021 IOC muss Corona-Rabatt einräumenÜbertragungsrechte für Tokio 2021 IOC muss Corona-Rabatt einräumen

Japan hat ein "josei beisshi" - ein Sexismusproblem. Dafür steht nicht nur der Gendergap-Report des Weltwirtschaftsforums – da landet Japan aktuell auf Platz 121 von 153 Ländern. In der Regierung sitzen gerade mal zwei Frauen, auch im Parlament sind es verschwindend wenige. Aufgeregt hat sich darüber jedoch bisher kaum jemand, es wurde einfach stillschweigend hingenommen, viele Frauen fügten  und fügen sich in die gesellschaftliche Rolle als Mutter und Ehefrau. Ein bisschen ein Land im Dämmerzustand, könnte man meinen.

"Das Problem dreht sich eigentlich nicht um die Person Yoshiro Mori, sondern um die Gesellschaft, in der eine solche Aussage bisher toleriert wurde. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es in unserer Gesellschaft eine tief verwurzelte Unterstützung für Meinungen wie diese gibt."

Sagt Mami Yoshinaga, Präsidentin bei einer japanischen Gewerkschaft für Mitarbeiter der Zeitungsbranche, im Klub ausländischer Journalisten. Immerhin eine Frau in einer Führungsposition – landesweit sind das unter 10 Prozent.

"Japan ließ den Sexismus einfach weiterlaufen"

Auch in den Medienhäusern sind Frauen kaum in den oberen Etagen vertreten. In dem Land gibt es keine Gläserne, sondern eine Betondecke. Der Fall Mori, so Yoshinaga, habe hoffentlich etwas angestoßen.

"Es gibt Sexismus nicht nur in Japan. Aber das Problem ist, dass Japan den Sexismus einfach frei weiterlaufen ließ. Und die Medien verstärken dieses Bild noch, das ist ein Teufelskreis. Aber es ist jetzt an uns, die die wir in den Medien arbeiten, dafür etwas zu tun, damit sich daran etwas ändert."

News Bilder des Tages Protest against sexist remarks by Olympic organizing boss Female opposition lawmakers wear white jackets with white roses in Tokyo on Feb. 9, 2021, as a protest against sexist remarks by Yoshiro Mori, head of the Tokyo Olympic organizing committee. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY (IMAGO / Kyodo News)In weißen Jackets und mit einer Rose am Revers sind Oppositionspolitikerinnen gestern im Parlament erschienen, um gegen Mori zu protestieren. (IMAGO / Kyodo News)

Denn Männer wie Mori gibt es zuhauf in Japan, und viele sind sehr mächtig. Das hat man nicht zuletzt in den vergangenen Tagen gesehen. Mori, der einer der einflussreichsten politischen Gruppierungen angehört, erhielt Rückendeckung von alten Weggefährten. Die Situation werde sich schon wieder beruhigen, hieß es.

150.000 Unterschriften für Mori-Rücktritt

Mori, der schwer krank ist, wollte eigentlich schon längst abgetreten sein, wurde aber - vielleicht auch wegen seiner guten Beziehungen zu IOC-Präsident Bach – gedrängt, im Amt zu bleiben. Japans langjähriger Regierungschef Abe sollte ihm nachfolgen, doch der ist selbst krank und fürchtet womöglich, er könnte dann ein zweites Mal in die Verlegenheit kommen, die Spiele absagen zu müssen.

Stattdessen soll es nun ein 84-Jähriger richten, der mal Chef vom Fußballverband war – nach Neufanfang hört sich das nicht an. Eher nach: Irgendwie müssen wir da durch….

Dass jetzt 150.000 Unterschriften für den Rücktritt Moris zusammengekommen sind und ordentlich Druck gemacht wurde, sieht Kawori Sakai dennoch als wichtiges Zeichen – sie ist Präsidentin bei einer Interessenvertretung im Verlagswesen.

"Hinter der Aussage von Mori steht, dass Frauen schwache Lebewesen sind, die von Männern beschützt werden müssen. Aber Männer sind ebenso verletzlich. Die Menschen müssen sich gegenseitig helfen und unterstützen. Die japanische Gesellschaft ändert sich langsam, das sollten japanische Politiker möglichst schnell merken."

Trotz allem: Die Spiele stehen nicht infrage

Doch ob dies direkte Konsequenzen hat, ist fraglich. Trotz der Personalie Mori und obwohl eine Mehrheit der Japaner für einen Aufschub oder eine Absage von Olympia ist, hieß es noch am Abend in der Hauptnachrichtensendung im Fernsehen:  

Die Spiele stehen nicht infrage. Man müsse jetzt nur stärker am Image arbeiten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk