Samstag, 18. Mai 2024

Nachruf Bernd Hölzenbein
Eintracht-Legende und die ewige Frage nach der Schwalbe

Fußball-Weltmeister Bernd Hölzenbein ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Für seinen Herzensverein Eintracht Frankfurt wurde er zum Rekordtorschützen. Im WM-Finale 1974 war es eine Szene mit ihm, die der deutschen Mannschaft einen Elfmeter bescherte.

von Marina Schweizer | 16.04.2024
Der deutsche FuÃball-Weltmeister Bernd Hölzenbein (l) wird am Tag nach dem WM-Endspiel 1974 auf dem Rhein-Main-Flughafen begeistert empfangen.
Bernd Hölzenbein feiert in Frankfurt 1974 den WM-Titel. (picture-alliance / dpa / Werner Baum)
Bernd Hölzenbein prägte als Flügelspieler eine Ära bei Bundesligist Eintracht Frankfurt. 420 Spiele machte der 1946 geborene Hesse für sein Herzensteam - bis heute ist Hölzenbein mit 160 Treffern Rekordtorschütze der Eintracht. Mit seinem Verein erlebte er Licht und Schatten: Insgesamt drei Mal holte er mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal (1974, 1975 und 1981), als Kapitän führte er die Eintracht 1980 zum Gewinn des UEFA-Pokals. Doch der Deutsche Meistertitel sollte ihm mit der Eintracht verwehrt bleiben.
Doch dem großen Publikum sollte er wegen der entscheidenden Szene zum Elfmeter für Deutschland im WM-Finale 1974 in Erinnerung bleiben. Beim Spiel gegen die Niederlande kam Hölzenbein nach einer Grätsche des Niederländers Wim Jansen zu Fall und holte so in der 24. Minute einen nach wie vor umstrittenen Elfmeter heraus, der Deutschland den Ausgleich durch Torschütze Paul Breitner bescherte. Der Siegtreffer von Gerd Müller brachte Deutschland am Ende den 2. Weltmeistertitel.

Hölzenbein zum WM-Finale: "klarer Elfer"

Die Szene verfolgte den Hessen über Jahrzehnte. Er selbst sprach Zeit seines Lebens von einem „klaren Elfer“, überall wurde er auf das WM-Finale angesprochen. Laut DPA soll er dazu einmal genervt gesagt haben: „Wenn dieser Elfmeter das Einzige ist, das von mir in Erinnerung geblieben ist, dann ist das schade.“
Am Ende seiner Karriere spielte Hölzenbein noch einige Jahre in den USA. Nach seiner aktiven Zeit war er in verschiedensten Positionen bei Eintracht Frankfurt tätig, etwa im Management oder als Vize-Präsident.

DFB und Eintracht Frankfurt würdigen Identifikationsfigur

Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann verwies in einer ersten Reaktion auf die fast 60 Jahre, in denen Hölzenbein den Verein maßgeblich geprägt habe. „Wir verlieren mit Bernd Hölzenbein nicht nur eine der ganz großen Identifikationsfiguren unseres Vereins, sondern auch einen loyalen Mitarbeiter und einen liebenswerten Freund.“
Sein Tod hinterlasse eine große Lücke, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf als Reaktion auf die Todesnachricht: „Bernd Hölzenbein war ein überragender Fußballer und ein wundervoller Typ. Auf dem Rasen war er ein Schlitzohr, einer der Lösungen fand, die kein anderer gesehen hat. 'Holz' konnte Tore aus allen Lagen erzielen, sogar im Sitzen hat er getroffen. Er war ein Ausnahmespieler“, so Neuendorf in einer ersten Stellungnahme.
Bernd Hölzenbein ist am 15. April 2024 im Kreise seiner Familie gestorben.