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StartseiteSport am WochenendeNächster Führungswechsel bei der NADA05.12.2011

Nächster Führungswechsel bei der NADA

Aufsichtsratschef Hölz bevorzugt Präsidentenamt im Sport

Die Nationale Anti-Doping Agentur kommt nicht zur Ruhe. Nach den turbulenten Abschieden mehrerer Geschäftsführer in den letzten Jahren geht nun auch Aufsichtsrats-Chef Hanns-Michael Hölz. Offizieller Grund: Er ließ sich Ende Oktober zum Präsidenten des Snowboard-Verbandes wählen.

Von Grit Hartmann

Hanns Michael Hölz, Kuratoriumsvorsitzender der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) (r.) und David Howman, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) (NADA)
Hanns Michael Hölz, Kuratoriumsvorsitzender der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) (r.) und David Howman, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) (NADA)

Hanns Michael Hölz, der Aufsichtsrats-Vorsitzende, verlässt eine NADA, die finanziell in eine veritable Krise steuert. Erst am Wochenende kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erneut an, der Bund werde sich ab 2013 aus der Förderung zurückziehen. Die Wirtschaft, bisher trägt sie nur knapp zehn Prozent zum NADA-Jahresbudget bei, soll einspringen – verpflichtet ist sie indes zu nichts. Auch Hölz, der 2005 als Manager der Deutschen Bank an die Spitze des NADA-Kuratoriums rückte, hat bei den Unternehmen kaum Motivation für den Antidoping-Kampf erzeugen können.

Geht Hölz als Gescheiterter? Sein Griff nach dem Präsidentenposten eines olympischen Spitzenverbandes hat alle Beteiligten überrascht. Die NADA informiert auf Deutschlandfunk-Anfrage nur über den Ablauf: Bei der letzten Aufsichtsrats-Sitzung Mitte November habe Hölz offiziell über sein neues Amt bei den Snowboardern informiert. Das Gremium habe sich dann darauf verständigt, dass Hölz nur noch so lange bleibe, bis ein Nachfolger gefunden sei. Hölz selbst sagt, er habe den Rücktritt angeboten, da sein neues Ehrenamt nicht mit der Spitzenposition im NADA-Kontrollgremium vereinbar sei.

Diese Erkenntnis ist löblich, aber überfällig. Schon lange wird der NADA mangelnde Unabhängigkeit ihrer Gremien vom organisierten Sport vorgeworfen. Das traf nicht zuletzt ihren obersten Aufseher Hölz. Er bekleidete auch bisher diverse Ehrenämter, zum Beispiel als Präsident des Skiverbandes Schwarzwald Nord.

Noch im Mai ließ sich Hölz zum Chef des neuen NADA-Aufsichtsrates wählen. Deshalb erstaunt, was er nun am Telefon wie eine Selbstverständlichkeit klingen lässt: Ein solcher Job "müsse nach gewisser Zeit in neue Hände gelegt werden". Im Übrigen sei er mit dem Erreichten "durchaus zufrieden".

Auf Hölz geht die Verschlankung der NADA-Struktur zurück: Seit dem Sommer arbeitet der Vorstand hauptamtlich, und nur noch ein ehrenamtliches Gremium, der Aufsichtsrat, überwacht das operative Geschäft. Ansonsten dürften die Positivbilanz jedoch nur Wenige teilen. Hölz scheiterte nicht nur mit dem Vorhaben, der Stiftung dauerhafte Finanzierungsquellen zu erschließen. Unter seiner Verantwortung schlitterte die Agentur auch von einer Führungskrise in die nächste. Sie verschliss vier Geschäftsführer. Kritik zog die NADA aber vor allem wegen der geringen Erfolgsquote ihres Kontrollsystems auf sich: 2010 wurden in Deutschland bei mehr als 8.000 Trainingskontrollen gerade einmal sieben Athleten positiv getestet.

Ein Nachfolger für Hölz soll spätestens bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im April 2012 gefunden sein.

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