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StartseiteCorso"Nichts Schönes war jemals einfach“02.03.2020

Nalans Late Night Show"Nichts Schönes war jemals einfach“

In ihrer Gesprächssendung "Nalans Late Night Show" gibt die Journalistin Nalan Sipar Menschen mit Migrationshintergrund, die unter Diskriminierung leiden, eine Stimme. Dieser Arbeit nachzugehen, sei "ihr innerer Motor", sagte sie im Deutschlandfunk.

Nalan Sipar im Corsogespräch mit Susanne Luerweg

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Portrait Nalan Sipar (Privat / Sipar)
Die Journalistin Nalan Sipar (Privat / Sipar)
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Ein Schreibtisch mit einem Foto von Edward Snowdon, ein ausgeklappter Laptop, auf dessen Rückseite "Hass ist keine Meinung" steht und eine junge Frau in einem roten Overall, die zu orientalischer Musik selbstbewusst in die Kamera blickt.

Bereits hier wird klar: Nalan Sipars Late Night Talkshow ist anders. Nicht nur, was ihre Aufmachung angeht. Auch die Auswahl ihrer Gäste unterscheidet sich von den herkömmlichen Gesprächssendungen, die man aus dem Fernsehen kennt. In den ersten zwei Folgen kamen ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund zu Wort.

Zwei Folgen gab es schon beim YouTube-Kanal Alex Berlin zu sehen. Weitere Episoden sind in Arbeit. Sipar ist, wie auch schon bei den bisherigen Folgen auf Spenden angewiesen: "Ich hatte das Glück, dass viele Menschen auf Twitter diese Idee sehr gut fanden und mich unterstützt haben", sagte sie.

Neue deutsche Late-Night-Show

Nur Menschen mit Migrationshintergrund zu Wort kommen zu lassen, ist natürlich keine neue Idee. Talk-Show-Formate wie "Karakaya" oder Podcasts wie "Kanackische Welle" machen das schon seit längerer Zeit. Sipar nimmt allerdings für sich in Anspruch, die erste migrantisch-deutsche Late Night Show zu produzieren.

"Das Format, was ich jetzt mache, unterscheidet sich in einem sehr grundlegendem Punkt von den anderen Formaten dadurch, dass es ein journalistisches Format ist", sagte Sipar. Im ersten Teil der Sendung werden Nachrichten aufbereitet. Darüber hinaus gibt es einen Side-Kick-Talk, eigenproduzierte Einspieler und Musik-Auftritte.*

Brücke zur Mehrheitsgesellschaft

Für Sipar ist es aber auch von Bedeutung, nicht ausschließlich eine migrantische Nische zu bespielen, "dass wir nicht nur in unserer Bubble bleiben, sondern auch eine Brücke zu der Mehrheitsgesellschaft schlagen", sagte die Journalistin. Der Bedarf danach sei tatsächlich sehr groß.

Auch vor dem Hintergrund medialer Diskurse, die oftmals "ein verzerrtes Bild vom Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland zeichnen", wie es in der Begründung der neuen deutschen Medienmacher*innen zur Preisverleihung der Goldenen Kartoffel 2019 für "besonders unterirdische Berichterstattung" heißt. Den Preis haben die deutschen öffentlich-rechtlichen Talkshows "Hart aber fair", "Maischberger", "Anne Will" und "Maybrit Illner" erhalten, die oftmals mit "reißerischen" Themen Klischees förderten und Vorurteile verstärkten.

"Du schaffst das nicht"

Sipar geht subtiler vor und setzt sich in ihrer Sendung etwa auch mit struktureller Diskriminierung auseinander, unter der sogenannte "People of Colour" in Deutschland leiden. Unter anderem thematisiert sie auch ihre eigenen Erfahrungen. In der Schulzeit sei ihr von ihrer Deutschlehrerin vermittelt worden, sie könne aufgrund ihrer mangelhaften Deutschkenntnisse nicht studieren. In der Rubrik "Du schaffst das nicht" zeigt sie positive Gegenbeispiele und erfolgreiche Biografien von Menschen mit Migrationshintergrund.

Inspiration für ihre Arbeit sei ihre Mutter gewesen, die in ihrem Leben viele Situationen erlebt hat, die sie ungerecht fand. "Meine Mutter hat mir immer gesagt, wenn Du irgendwann die Möglichkeit hast, Menschen eine Stimme zu geben, mach das, weil uns hat das immer gefehlt", sagte Sipar im Interview.

* An dieser Stelle wurden nachträglich Differenzierungen vorgenommen, um zu verdeutlichen, wie sich "Nalans Late Night Show" von anderen Formaten abgrenzt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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