Newsblog zum Krieg im Nahen und Mittleren Osten
NATO bestätigt erneuten Abschuss einer Rakete über der Türkei

+++ Erneut hat die NATO eine iranische Rakete in Richtung Türkei zerstört. +++ Wegen des Iran-Kriegs fliegt die Lufthansa bestimmte Ziele in der Region weiterhin nicht an. +++ Frankreich arbeitet mit Partnern an einer Initiative, um wieder mehr Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nahe der iranischen Küste zu ermöglichen. +++ Weitere Entwicklungen im Nachrichtenblog.

    Im Libanon arbeiten Bulldozer nach israelischen Luftangriffen auf den Süden von Beirut.
    Durch Gefechte zwischen der Hisbollah und Israel wurden mehr als eine halbe Million Menschen im Libanon vertrieben (Archivbild). (picture alliance / newscom / Fadel Itani)

    Montag, 9. März

    +++ Die NATO hat das erneute Abfangen einer Rakete nahe der Türkei bestätigt.

    Die NATO habe "wieder eine Rakete auf ihrem Weg Richtung Türkei abgefangen", erklärte eine NATO-Sprecherin im Onlinedienst X. Die Allianz sei unverändert bereit, "ihre Verbündeten gegen jegliche Bedrohung zu verteidigen", betonte sie. Das türkische Verteidigungsministerium hatte zuvor den Abschuss einer ballistischen Rakete aus dem Iran im türkischen Luftraum gemeldet. Demnach gingen Raketensplitter auf offenem Gelände in der an Syrien grenzenden Türkischen Region Gaziantep nieder.

    +++ Wegen des Iran-Kriegs fliegt die Lufthansa bestimmte Ziele in der Region weiterhin nicht an.

    Wie der Konzern mitteilte, bleiben Flüge etwa nach Dammam, Dubai und Abu Dhabi bis einschließlich 15. März ausgesetzt, Verbindungen nach Tel Aviv bis zum 2. April. Bereits in der vergangenen Woche waren Flüge nach Beirut bis zum 28. März und nach Teheran bis zum 30. April gestrichen worden. 
    Die Flughäfen in Riad, Jeddah und Larnaca werden dagegen planmäßig bedient. Zudem schickt die Lufthansa Chartermaschinen im Auftrag von Reiseveranstaltern in die Region. Ein Flugzeug aus Maskat im Oman soll morgen in Frankfurt am Main landen.

    +++ Frankreich arbeitet mit Partnern an einer Initiative, um wieder mehr Schiffsverkehr durch die für den Handel wichtige Straße von Hormus nahe der iranischen Küste zu ermöglichen.

    Es handle sich um einen rein defensiven Einsatz, sagte Präsident Macron bei einem Besuch im zyprischen Paphos. Ziel sei es, Containerschiffe und Tanker zu begleiten, sobald die heißeste Phase des Iran-Kriegs vorbei sei. Die Meeresenge sei für den internationalen Handel sowie den Transport von Gas und Öl essenziell, sagte Macron.

    +++ Die Parlamentswahl im Libanon wird verschoben.

    Die Abgeordneten hätten mit großer Mehrheit dafür gestimmt, die laufende Legislaturperiode wegen des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten um zwei Jahre zu verlängern, meldet die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Die 13 Mitglieder der militant-islamistischen Hisbollah im Parlament hätten sich ebenfalls hinter die Entscheidung gestellt. Durch Gefechte zwischen der Hisbollah und Israel wurden mehr als eine halbe Million Menschen im Libanon vertrieben. In weiten Teilen des Landes dürfte es daher schwierig sein, Parlamentswahlen abzuhalten. Eigentlich hätte die Abstimmung im Mai erfolgen sollen.

    +++ Die EU-Kommission sieht trotz der hohen Öl- und Gaspreise kein "unmittelbares" Risiko für die Versorgung in Europa.

    Die EU-Staaten hätten ausreichend Öl bevorratet, sagte eine Kommissionssprecherin in Brüssel. Auch bei der Gasversorgung sei die Lage unter Kontrolle. Die führenden westlichen Industriestaaten der G7 erwägen Medienberichten zufolge eine Freigabe von Erdöl-Notreserven. Der Ölpreis stieg heute auf den höchsten Stand seit ‌Juli 2022.

    +++ Israel und der Iran haben ihren gegenseitigen Beschuss fortgesetzt.

    Die israelische Armee sprach von einer neuen Welle von Attacken gegen die Infrastruktur der iranischen Führung, so etwa in der Stadt Isfahan. Zugleich wurde Entwarnung für die eigene Bevölkerung gegeben, nachdem es in weiten Teilen von Zentral- und Nordisrael Raketenalarm gegeben hatte - darunter auch in den Städten Tel Aviv und Haifa..

    +++ Human Rights Watch wirft Israel den rechtswidrigen Einsatz von weißem Phosphor im Libanon vor.

    Die israelische Armee habe am 3. März im südlibanesischen Johmor rechtswidrig Artilleriemunition mit diesem Stoff über Wohnhäusern eingesetzt, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Die Aktivisten beriefen sich auf von ihnen überprüfte Bilder. Das israelische Militär wies die Darstellung zurück. Der Einsatz von weißem Phosphor als chemische Waffe ist nach internationalem Recht untersagt. Die Nutzung ist jedoch in bestimmten Fällen erlaubt, etwa zur Beleuchtung von Schlachtfeldern oder um Rauchschwaden zu erzeugen.

    +++ Der russische Präsident Putin hat Modschtaba Chamenei zu dessen Wahl als Oberstem Führer des Irans gratuliert.

    "Ich bin sicher, dass Sie das Werk Ihres Vaters ehrenvoll fortsetzen und das iranische Volk vereinen werden", erklärte Putin. Russland sei ein "zuverlässiger Partner" der Islamischen Republik und werde es bleiben, heißt es in einer Botschaft Putins, die auf der Webseite des Kremls veröffentlicht wurde.

    +++ Die EU-Außenbeauftragte Kallas hat Hinweise auf russische Unterstützung für den Iran als erwartbar bezeichnet.

    Berichte, wonach Moskau und Teheran gemeinsam daran arbeiteten, US-Soldaten ins Visier zu nehmen, sollten niemanden überraschen, sagte sie bei einem Treffen mit EU-Botschaftern in Brüssel. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, Russland liefere dem Iran Informationen über US-Streitkräfte und mögliche Ziele im Nahen Osten. Dabei versorge der Kreml Teheran mit Standortangaben und Bewegungsdaten amerikanischer Truppen, Schiffe und Flugzeuge, berichteten etwa der US-Sender CNN und die "Washington Post". 

    +++ Frankreich hat den Iran aufgefordert, seine Politik grundlegend zu ändern.

    Das Regime in Teheran müsse weitreichende Zugeständnisse machen und zu einem "radikalen Kurswechsel" bereit sein, sagte der französische Außenminister Barrot dem Sender France Inter. Die Islamische Republik müsse die "destabilisierenden Aktionen, die für die Region und für uns selbst gefährlich sind", beenden und den Iranern "die Schlüssel für ihre Zukunft zurückgeben". Barrot forderte zudem Israel und die pro-iranische Hisbollah auf, ihre wechselseitigen Angriffe einzustellen. Für die Zivilbevölkerung im Libanon kündigte er Hilfslieferungen an.

    +++ EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen fordert angesichts der internationalen Lage einen radikalen Kurswechsel in der europäischen Außenpolitik.

    Europa könne nicht länger ein Hüter der alten Weltordnung sein - diese sei Vergangenheit und werde nicht zurückkommen, sagte die CDU-Politikerin bei einem Treffen mit EU-Botschaftern in Brüssel. Man werde die regelbasierte Ordnung immer verteidigen, aber man könne sich nicht mehr darauf verlassen, dass sie der einzige Weg sei, die eigenen Interessen zu verteidigen. Die EU müsse bereit sein, ihre Macht selbstbewusster einzusetzen - "ob wirtschaftlich oder diplomatisch, technologisch oder militärisch", erklärte von der Leyen. Zur Debatte über die Rechtmäßigkeit des Iran-Kriegs sagte die Kommissionschefin, es gebe verschiedene Ansichten darüber. Sie glaube aber, dass die Diskussion teilweise am Thema vorbeigehe. Denn Europa müsse "der Realität Rechnung tragen und die Welt so sehen, wie sie heute ist", betonte von der Leyen.

    +++ Das israelische Militär hat erneut südliche Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen, die als Hochburgen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten.

    Live-Bilder der Nachrichtenagentur AFP zeigten, wie Rauch über den betroffenen Arealen aufstieg. Viele Einwohner hatten das Gebiet nach einer Warnung verlassen, wonach die israelischen Streitkräfte Niederlassungen der mit der Hisbollah verbundenen Finanzinstitution Al-Kard Al-Hassan attackieren würden.

    +++ Vor dem Hintergrund des Drohnenangriffs auf den britischen Militärstützpunkt auf Zypern hat die Türkei sechs Kampfjets in den von ihr kontrollierten Norden der Mittelmeerinsel geschickt.

    Zyprische Medien zeigten Bilder von der Landung der F-16-Jets auf dem Flughafen Ercan. Dieser liegt nordöstlich der Hauptstadt Nikosia in jenem Teil Zyperns, der von türkischen Truppen besetzt ist und nur von Ankara als Türkische Republik Nordzypern anerkannt wird. Neben den Kampfjets seien auch Luftverteidigungssysteme verlegt worden, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Vor einer Woche hatte eine Drohne iranischer Bauart den britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Akrotiri nahe Limassol getroffen.
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    Diese Nachricht wurde am 09.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.