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StartseiteSportgespräch"Olympische Spiele sind für Sportler allgemein das Größte"21.03.2021

NBA-Spieler Maximilian Kleber"Olympische Spiele sind für Sportler allgemein das Größte"

Maximilian Kleber ist einer von sechs deutschen Spielen in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA. Im Dlf-Sportgespräch spricht er über den straffen Spielplan während der Corona-Pandemie, die Olympischen Spiele und die "Black-Lives-Matter"-Proteste in der NBA.

Maximilian Kleber im Gespräch mit Raphael Späth

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Der deutsche Basketball-Nationalspieler und NBA-Profi Maximilian Kleber. Maximilian Kleber. (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)
Der deutsche Basketball-Nationalspieler und NBA-Profi Maximilian Kleber. (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)
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Sechs deutsche Profis spielen aktuell in der besten Basketball-Liga der Welt, der amerikansichen NBA. Einer von ihnen ist Maximilian Kleber. Der 29-Jährige steht seit 2017 bei den Dallas Mavericks unter Vertrag und war dort bis 2019 auch Teamkollege von Dirk Nowitzki, bevor der seine Karriere beendete.

Auch die NBA blieb von der Corona-Pandemie natürlich nicht verschont und musste den Spielbetreib unterbrechen. Im Sommer wurde die Saison dann in der sogenannten "Bubble" in Disneyworld in Orlando zu Ende gespielt. Knapp drei Monate hatte auch Kleber in der Blase in Florida verbracht. "Das war die einzig mögliche Situation, wie wir die Saison hätten fortsetzen können", sagte Kleber rückblickend im Dlf-Sportgespräch. "Die NBA hat wirklich einen super Job gemacht und hat sich sehr gut um alle gekümmert. Man war wirklich vom Rest der Welt abgeschottet."

Kleber sieht die "Bubble" jedoch als einzigartiges Projekt. "Die NBA will in diesem Jahr die Fans in der Halle haben. Das war im vergangenen Jahr nicht möglich. Aber wenn es in diesem Jahr in die Playoffs geht, wird man hoffen, dass man wieder Fans in der Halle haben kann."

Kleber im Januar mit Corona-Infiziert

Um den Verlauf der Saison bestmöglich zu gewährleisten, hat die NBA ein strenges Hygienekonzept aufgestellt. Dennoch bleiben positive Corona-Fälle nicht aus. Auch Kleber hatte sich im Januar mit dem Virus infiziert. "Eine nervige Situation", sagte er. Mittlerweile habe er sich wieder erholt. Aber immer wieder fehlen Teams Spieler aufgrund einer Corona-Infektion, dennoch hält die NBA den Spielbetrieb aufrecht. So mussten die Mavericks zu einem Zeitpunkt auf gleich vier Spieler verzichten. Von Chancengleichheit könne man da nicht mehr sprechen, sagte Kleber. "Es ist einfach das, womit man in diesem Jahr rechnen musste und jedes Team wusste das auch."

Ein Basketball in der NBA. (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)NBA muss Spiele verschieben, will die Saison aber fortsetzen
Die Basketball-Liga NBA spielt im Gegensatz zur Vorsaison in keiner Blase mehr. Und das scheint zu einem Problem zu werden.

Die NBA hat den Spielplan trotz dieser Begebenheit nicht komprimiert. Jedes Teams muss immer noch 72 Spiele in der regulären Saison absolvieren. "Es gibt verschiedene TV-Deals, weshalb man auch so viele Spiele spielen muss. Das wird eingehalten werden, auch aus dem einfachen Grund, dass es hier um Geld geht. Es sind Besitzer, die dahinterstecken, die Vereine sind Franchises. Dementsprechend werden auch die Entscheidungen getroffen."

Kleber ist jedoch zuversichtlich, dass die Saison wie geplant zu Ende gespielt werden kann. "Demnächst kommen auch immer mehr Impfungen ins Spiel. Und ich glaube, dann sollte es schon möglich sein, dass wir die Saison zu Ende spielen können." Bevorzugt sollen die Spieler aber nicht geimpft werden, sagt Kleber. "Die NBA will sich da nicht in den Vordergrund spielen. Die Impfungen kommen, wenn sie kommen. Da gibt es ganz normale Reihenfolgen, wie auch in Deutschland. Die USA ist mit den Impfungen relativ schnell. Von daher kann ich mir vorstellen, dass NBA-Teams auch bald geimpft werden können. Zumindest für die, die das dann auch wollen." Kleber würde sich "wahrscheinlich auch impfen lassen."

"Olympische Spiele sind für Sportler allgemein das Größte"

Sollte die NBA-Saison jedoch wie geplant stattfinden, könnte das Auswirkungen auf die Olympischen Spiele in Tokio haben. Denn das mögliche entscheidende siebte Spiel der NBA-Finalserie würde einen Tag vor der Eröffnung der Spiele stattfinden. Und zuvor stehen bereits Qualifikationsturniere auf dem Plan. Kleber würde gerne für die deutsche Nationalmannschaft bei den Spielen auflaufen. "Ich glaube, die Olympischen Spiele sind für Sportler allgemein das Größte, was es überhaupt gibt. Das bedeutet einem schon einiges." Dass die Spiele in diesem Jahr ohne ausländische Fans stattfinden, bezeichnet Kleber als "schade. Allerdings werden die Organisatoren da schon ihre Gründe haben, warum sie das so entscheiden."

Japan National Stadium in Tokio (imago) (imago)"Überraschend ist der Schritt nicht"
Zu den Olympischen Spielen in Tokio werden wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer aus dem Ausland zugelassen. Das Verbot habe sich bereits Anfang März abgezeichnet, sagte Journalist Felix Lill.

Ob Kleber bei den Olympia-Qualifikationsturnieren überhaupt teilnehmen kann, ist noch nicht sicher. Das kommt darauf an, wie weit die Mavericks in den NBA-Playoffs kommen. "Die Dallas Mavericks sind auch mein Arbeitgeber und wenn ich hier das ganze Jahr gekämpft habe und in den Playoffs bin, möchte ich natürlich auch weiterspielen und gucken, dass wir möglichst weit kommen. Aber das kann ich noch nicht vorhersehen."

Black-Lives-Matter-Proteste in der NBA

Ein großes Thema in der NBA ist die soziale Ungerechtigkeit im Land. Kaum eine Liga hat sich nach dem Tod von George Floyd in den USA so stark mit der "Black Lives Matter"-Bewegung solidarisiert wie die NBA. Auch Mark Cuban, der Besitzer der Dallas Mavericks, ist politisch stark engagiert, wollte als Demokrat 2020 sogar Präsidentschaftskandidat werden. "Mark hat ein gutes Herz und die richtigen Werte. Er geht als Kopf für uns alle voran", sagt Maximilian Kleber. "Das macht es als Spieler natürlich auch einfach, mitzuhelfen und einzuschreiten. Es ist für mich eine Riesenehre, für so einen Besitzer zu spielen. Ihm geht es nicht nur um Sport und Geld, sondern darum, dass Menschen besser zusammenarbeiten und wir als soziale Gemeinschaft besser werden. Das erfüllt mich mit Stolz."

In der Bubble in Orlando hat zudem die gesamte NBA Zeichen gegen soziale Ungerechtigkeit gesetzt. So haben sich fast alle Spieler während der Hymne vor dem Spiel hingekniet – in den USA eine hochpolitische Geste. "Viele Leute sehen das immer als Respektlosigkeit gegenüber der amerikanischen Flagge an. Dabei geht es darum gar nicht, sondern einfach nur um den Kampf um Gleichberechtigung." Es sei wichtig, Leute aufzuklären und darüber zu reden, sagte Kleber.

Daniel Theis kämpft mit einem Gegenspieler um den Ball. (Stephen M. Dowell/imago) (Stephen M. Dowell/imago)"Einfach viel zuhören"
Die NBA machte in diesem Jahr politische Schlagzeilen. Ein Engagement, das auch bei der Präsidentschaftswahl anhält, erzählt der deutsche Spieler Daniel Theis.

In manchen Situationen sei es "nicht verkehrt, wenn man seine Reichweite nutzt und Leute aufklärt. Es gibt Ungerechtigkeiten in dieser Welt und wenn man sich dagegen ausspricht, ist das schon gut. Das Wichtigste ist, das man sich darüber unterhält und sich positioniert."

NBA sehr demokratisch eingestellt

Anders als andere Sportarten ist die NBA sehr linksliberal, also demokratisch eingestellt. "Die meisten Spieler sehen sich bei den Demokraten einfach besser vertreten", erklärt Kleber. "Wenn die Mehrheit der Basketballer so denkt, ist das deren Meinung, die sie auch haben dürfen. Ich will jetzt aber auch nicht in der Situation sein, um das zu bewerten, weil das auch nicht mein Recht ist."

Dass sich der Sport in den USA zu stark politisiert glaubt Kleber aber nicht. "Natürlich gibt es viele, die aufschreien und die NBA wegen ‚Black Lives Matter‘ nicht mehr verfolgen wollen. Und das ist dann auch deren gutes Recht. Aber ich glaube nicht, dass es langfristig den Einfluss hat. Ich hoffe auch, dass es irgendwann mal eine Zwischenpartei kommt, damit sich die Leute auch nicht immer in ein Extrem schieben müssen und es eine Zwischenmeinung gibt, die dann auch vertretbar ist. Aber ich glaube nicht, dass das langfristig Einfluss hat auf die NBA."

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