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StartseiteCampus & KarriereJeder fünfte 15-Jährige kann kaum rechnen10.02.2016

Neue Auswertung von PISA-DatenJeder fünfte 15-Jährige kann kaum rechnen

Ziel von Bildungspolitik muss sein, dass jeder Schüler zu einem gewissen Zeitpunkt ein Mindestmaß an Bildung aufweisen kann. Eine aktuelle Auswertung der letzten PISA-Daten zeigt jetzt, dass hier noch vieles im Argen liegt.

Von Frank Capellan

Ein Schulkind schiebt an einem Rechenschieber die Kugeln zur Seite (picture alliance / ZB - Thomas Eisenhuth)
Rechnen: Zu viele Kinder haben mit Zahlen große Schwierigkeiten (picture alliance / ZB - Thomas Eisenhuth)
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Die Zahlen sind alles andere als schmeichelhaft. Fast 20 Prozent der Schüler in Deutschland im Alter von 15 Jahren bewegen sich auf unterstem Niveau und können die einfachsten Rechenaufgaben nicht bewältigen.

Zwar hat sich die Situation seit dem PISA-Schock  zur Jahrtausendwende etwas verbessert, doch zufrieden können die Bildungspolitiker nicht sein mit dem, was die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung heute präsentiert.

Denn auch in den Naturwissenschaften und im Bereich Lesen und Textverständnis haben die Tester festgestellt: Deutsche Schüler erreichen vielfach auf einer Skala von 1-6 nicht einmal den Kompetenzlevel 2. Vor allem die Asiaten sind uns meilenweit voraus, was die Förderung der Schwächsten unter den Kindern angeht, beklagt OECD-Bildungskoordinator Andreas Schleicher.

Noch immer ist in Deutschland der soziale Hintergrund entscheidend

Wer in Deutschland aus einer einkommensschwachen Familie kommt, wer Eltern hat, die selbst nur eine schlechte Schulbildung hatten, hat ein erheblich höheres Risiko, die Leistungsstufe 2 niemals zu erreichen. Der soziale Hintergrund ist also hierzulande weiterhin ausschlaggebend, dabei gibt es auch andere Beispiele, Länder wie Holland oder Kroatien, denen es gelingt, Kinder aus sozial schwachen Familien zu fördern und zu guten Leistungen zu verhelfen.

In Deutschland sind zudem Schüler mit Migrationshintergrund besonders gefährdet. Ganz entscheidend ist die frühkindliche Bildung, betont Schleicher: Der Besuch von Krippen und Kindergärten beeinflusst ganz erheblich das spätere Leistungsniveau.

Ein klares Nein des OECD-Bildungsexperten also zum Betreuungsgeld. Klar, viele Maßnahmen der Politik haben dazu geführt, dass es in Deutschland weniger Schulversager gibt, räumt der PISA-Experte ein, aber die Zahl der Schüler ohne jeden Abschluss konnte nicht – wie geplant – halbiert werden. Nach oben sei da viel Luft.

In China machen die Lehrer ständig Fortbildungen

Schleicher verweist wieder auf China oder Singapur, dort würden die besten für den Lehrerberuf gewonnen, hundert Stunden Fortbildung im Jahr seien an der Tagesordnung, das zahle sich aus. Neue Herausforderungen bringt nun die große Zahl der Flüchtlinge mit sich. Schon fordern die Sozialdemokraten eine generelle Aufhebung des Kooperationsverbotes, damit der Bund den Ländern stärker unter die Arme greifen kann. Johanna Wanka, Bundesbildungsministerin von der CDU, hat das allerdings gerade erst gegenüber dem Deutschlandfunk zurückgewiesen.

Möglichkeiten der Finanzierung gebe es, darüber werde nun gesprochen, damit die Länder ihren Aufgaben nachkommen können. Vor allem wird es angesichts der Zuwanderungszahlen um neue Lehrerstellen gehen. Aber in den Augen von OECD-Experte müssen auch die Bildungsansätze mit Blick auf Flüchtlingskinder hinterfragt werden.

Nach den jetzt vorgestellten Sonder-Ergebnissen zu Schülern mit Leistungsschwächen werden Ende des Jahres die allgemeinen Erkenntnisse des Pisa-Testes von 2015 erwartet. Erst dann wird sich insgesamt bewerten lassen, welche Fortschritte Deutschland im internationalen Vergleich gemacht hat.

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