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Gegenwart trifft Vergangenheit in der französischen Komödie „Die schönste Zeit unseres Lebens“ und im deutschen Spielfilmdebüt „Mein Ende. Dein Anfang.“ Einen musikalischen Schatz hebt der Dokumentarfilm „Aretha Franklin: Amazing Grace“.

Von Jörg Albrecht

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Filmplakat zum Musikkinofilm "Amazing Grace". Courtesy of Amazing Grace and Weltkino (Courtesy of Amazing Grace and Weltkino)
Stimmgewaltig und ausdrucksstark - Aretha Franklin in dem Dokumentarfilm "Amazing Grace" (Courtesy of Amazing Grace and Weltkino)
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Darf man erfahren, was du da machst?"

"Ich teste eine Schlafeinstimmung. Mit nur einem Augenzwinkern ist man in einer ganz anderen Welt. Ist richtig toll. Und du?"

"Ich teste ein Buch aus Papier. Man dreht die Seite und erfährt, wie es weitergeht. Ist lustig."

Noch liegen sie nebeneinander, aber in den 45 Jahren, die Marianne und Victor jetzt ein Paar sind, haben sie sich immer weiter voneinander entfernt. Während sie dem Altern mit Lust auf Veränderung – inklusive einer Affäre – ein Schnippchen schlagen will, nörgelt er ständig herum über alles, was neu ist.

"Du willst nicht mehr mit mir zusammen schlafen?"

"Nein, ich habe das Gefühl, ich werde schneller alt, wenn ich neben dir einschlafe."

Szenen einer Ehe

Szenen einer Ehe – köstlich gespielt von Fanny Ardant und Daniel Auteuil. Sie stehen am Anfang einer pfiffigen Geschichte, in deren Zentrum ein besonderes Geschenk steht, das Victor von seinem Sohn bekommen hat. Er darf mit Hilfe einer Firma, die sich auf Zeitreisen spezialisiert hat, einen Trip in seine Vergangenheit machen.

"Haben Sie Vorstellungen, was die Epoche angeht oder darf ich Ihnen dazu Vorschläge machen?"

"Jedenfalls mag ich besonders das Jahr '74."

"1974?"

"Ja. Der 16. Mai '74 in Lyon."

"Na ja, Sie sind präzise."

"Weil ich an dem Tag eine Frau kennengelernt habe, die ich sehr geliebt habe."

Wie an einem Filmset wird in originalgetreuen Kulissen mit Drehbuch, Schauspielern und einem Regisseur die Vergangenheit wieder lebendig. Und so sitzt Victor nach 45 Jahren erneut Marianne gegenüber und verliebt sich noch einmal.

"Ich verdanke Ihnen alles."

"Verdanken mir alles?"

"Alles. Das Zeichnen zum Beispiel. Sie haben mich dazu ermutigt. Erst war es ein Hobby und dann wurde es zum Beruf."

Geistreich und schwungvoll verschwimmen in "Die schönste Zeit unseres Lebens" von Nicolas Bedos Realität und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart, aber auch Erinnerung und Verklärung. Das doppelbödige Spiel mit deutlicher Tendenz zum Sentiment hätte auch gut aus der Feder von Woody Allen stammen können, als er noch interessante Filme gemacht hat.  

"Die schönste Zeit unseres Lebens": empfehlenswert

"Relativität besagt, dass Zukunft und Vergangenheit die gleiche Gültigkeit für die Gegenwart haben. Das führt doch zu der berechtigten Frage, warum wir Menschen uns an unsere Vergangenheit erinnern, aber nicht an unsere Zukunft."

Erinnerungen an die Zukunft

Würden wir das nämlich können, also uns an unsere Zukunft erinnern, so wäre das Konzept hinfällig, das sich Regisseurin Mariko Minoguchi für ihr Langfilmdebüt "Mein Ende. Dein Anfang." ausgedacht hat. Der Stoff entfaltet seine Wirkung allein durch die nicht-chronologische und elliptische Erzählweise. Im Mittelpunkt: Nora, die einen Schicksalsschlag verkraften muss.

"Was machst du? Hast du die Bullen gerufen? Rufst du die Bullen?"

Bei einem Banküberfall wird Noras Freund Aron von einer Kugel tödlich getroffen. Für die Supermarktkassiererin bricht eine Welt zusammen. Und auch mit Natan meint es das Schicksal nicht gut. Die Wege der Beiden werden sich kreuzen und sie werden eine Nacht miteinander verbringen.

"Das ist schon das zweite Mal."

"Was?"

"Dass du mich gerettet hast."

"Du wirkst nicht so, als ob du gerettet werden willst."

Nach rund der Hälfte des Films ist das Geheimnis gelüftet. Dennoch versteht es Mariko Minoguchi, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuhalten. Saskia Rosendahl und Edin Hasanovic spielen die Hauptrollen in diesem klug verschachtelten Film über die Relativitätstheorie der Liebe. 

"Mein Ende. Dein Anfang.": empfehlenswert

"She is known by many names. And she deserves all of them. But it is my pleasure tonight to just say 'My Sister Aretha Franklin.'"

Sie sei unter vielen Namen bekannt. Und sie habe auch alle verdient. Doch er nenne sie heute Abend stolz "Meine Schwester Miss Aretha Franklin".

James Cleveland, der King of Gospel, kündigt die Queen of Soul an. Es ist der 13. Januar 1972. Die vollbesetzte Kirche in Los Angeles wird an diesem und dem darauffolgenden Tag zum Tonstudio. Denn Aretha Franklin hat sich entschieden, ihr Gospelalbum "Amazing Grace" live vor Publikum aufzunehmen.

"She could have very easily have gone in a studio and done this album, but she wanted to do something live."

Kein Geringerer als Hollywood-Regisseur Sydney Pollack hat damals die beiden Konzertabende auf Film gebannt. Doch im Schneideraum das Desaster: Bild und Ton ließen sich nicht synchronisieren. 40 Jahre später, als die digitale Technik dies dann doch möglich gemacht hat, war es Aretha Franklin selbst, die eine Aufführung verbot. Jetzt nach ihrem Tod aber kann das Zeitdokument gezeigt werden.

"Our first selection tonight is a little number that was done by brother Marvin Gaye. Ladies and Gentlemen, Aretha Franklin, Southern California Choir: ´Wholy Holy´."

Visuelle Vervollkommnung

Vom ersten Takt an kann man sich der Magie dieser Aufnahmen nicht entziehen. Aretha Franklin breitet ihre Seele aus, lässt das Publikum ihre tiefe Spiritualität spüren. Was bislang nur akustisch wahrgenommen werden konnte, erhält jetzt eine visuelle Vervollkommnung.

"Aretha Franklin: Amazing Grace": herausragend  

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