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StartseiteUmwelt und VerbraucherNeue Methoden in der Unkrautbekämpfung07.03.2002

Neue Methoden in der Unkrautbekämpfung

21. Arbeitstagung zur Unkrautbiologie

<strong>Jede Pflanze kann zum Unkraut werden, auch die Kartoffeln vom Vorjahr im diesjährigen Getreide. Das Wort Unkraut bedeutet nur, dass etwas zur falschen Zeit am falschen Fleck wächst. Der Biologe spricht dann von Artenvielfalt, der Bauer vom Ertragsausfall durch Unkräuter. Beide haben recht. Die Lösung des Problems sind wahrscheinlich weniger Totalherbizide, als gezielte Unkrautbekämpfung. Seit Dienstagnachmittag findet an der Universität Hohenheim in Stuttgart die "21. Deutsche Arbeitsbesprechung über Fragen der Unkrautbiologie und- bekämpfung" mit internationaler Beteiligung statt. </strong>

von Carl-Josef Kutzbach

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Es breiten sich neue Unkräuter aus, berichtet Prof. Karl Hurle vom Institut für Phytomedizin der Universität Hohenheim in Stuttgart:

Neu ist eine Pflanze, das ist die Samtpappel, Abutilon Theophrasti, ein Malvengewächs, also die Baumwolle gehört da zum Beispiel dazu. Und die kommt aus dem Mediterran-subtropischen Bereich und scheint sich bei uns auszubreiten. Und wir habeneine sehr starke Verseuchung, wie ich gehört habe, in Norditalien, in der Poebene im Mais- und Zuckerrübenanbau, in Ungarn inzwischen auch, in Tschechien und jetzt gibt es Berichte aus Sachsen, aber auch aus der Lüneburger Heide und auch hier aus Baden-Württemberg und dann noch ein paar andere wenige Stellen.

Da ihr bei uns die natürlichen Feinde fehlen, könnte die gelbblühende Pflanze zum Problem werden. Eingeschleppt wurde sie vermutlich über das Geflügelfutter. Diese Art der Globalisierung gibt es bei vielen Unkräutern:

Wir gehen einer Globalisierung der Unkrautflora entgegen. Zum Teil können wir das schon beobachten. Das betrifft Kulturen, die eben in verschiedensten Teilen der Welt angebaut werden, wie zum Beispiel Mais. Mais wird in den Tropen angebaut, Subtropen, aber auch weit hinein in die gemäßigte Zone, bei uns in Europa bis nach Skandinavien, wo man sich's früher nie vorstellen konnte - und wenn man da hin guckt, dann sieht man, dass die Unkrautflora weitgehend gleich ist. Das bringt die Kultur mit sich, das ganze Anbausystem inklusive der Art der Bekämpfung, und häufig genug werden dieselben Herbizide eingesetzt.

Die Samtpappel zum Beispiel macht auch in Amerika und der Ukraine zunehmend Schwierigkeiten. Ob und wie man sie bekämpft, hängt davon ab, wie groß der Schaden ist, den sie anrichtet. Erst, wenn der Aufwand für die Bekämpfung kleiner ist, als der Ertragsausfall, erst, wenn diese Schadensschwelle überschritten ist, lohnt die Bekämpfung. In Industrieländern mittels Technik, in ärmeren Ländern durch Jäten von Hand. Pflanzen, die gegen Unkrautvernichtungsmittel unempfindlich sind, wären eine mögliche Lösung. Sollen aber die Unkräuter nicht völlig beseitigt und die Umwelt geschont werden, wäre Precision Farming, also Präzisions-Feldbearbeitung eine Lösung. Prof. Hurle:

Wir arbeiten mit Systemen, mit Maschinen, mit Sensoren, die uns sagen: Hier ist Unkraut, wenn wir über die Fläche fahren mit der Pflanzenschutzspritze - wenn wir das mal als Beispiel nehmen, wir können uns aber auch vorstellen, das man das mechanisch macht - und wir stellen das System so ein dass der Sensor feststellt, hier ist die Schadensschwelle überschritten, und hier nicht, obwohl Unkräuter da sind. Und dann bekommt die Spritze in unserem Beispiel den Befehl "aufmachen - zumachen". Das ist dann Computer-gesteuert und hochkompliziert bisher. Aber wir sind im experimentellen Bereich soweit dass wir sagen können: Das funktioniert. Und ich denke es ist nur noch eine Frage von wenigen Jahren, bis wir solche Systeme auf dem Markt haben werden.

Je genauer die Unkrautbekämpfung, umso wirtschaftlicher und umweltfreundlicher ist sie. Die Molekularbiologie eröffnet da vielleicht noch bessere Möglichkeiten. Dr. Brian Scheffler forscht an der Universität von Mississippi für das amerikanischen Landwirtschaftsministerium, wie sich einige Pflanzen gegen Konkurrenten mit selbst erzeugtem Gift wehren.

Problem ist: Keine Person hat richtig gelernt, wie das funktioniert. Oder das Problem ist das in einer anderen Pflanze, Unkraut, und nicht in Nutzpflanzen zum Beispiel. Und mit Genetikveränderten Pflanzen es ist wahrscheinlich möglich diese Gen in Nutzpflanzen zu bringen. Und das bedeutet: Die Pflanze hat diese Allelopathie-Chemikalie drin - im Prinzip Herbizide - aber das bedeutet wir müssen weniger oder keine Herbizide auf dem Land spritzen.

Denn die Pflanze würde mit selbst erzeugten Giften die Unkräuter in Schach halten.

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